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Seite 2: StarCraft 2: Heart of the Swarm im Test - Kerrigans Krönungsmesse

Originell, aber kurz

Während Schneestürmen frieren diese Protoss ein – und sind leichte Beute. Während Schneestürmen frieren diese Protoss ein – und sind leichte Beute.

Neben der Story-Inszenierung glänzt die Kampagne vor allem mit großartigem Missionsdesign, Heart of the Swarm tischt sogar noch vielfältigere Schlachtplatten auf als Wings of Liberty. Fast jeder der 20 Einsätze bleibt mit einem besonderen Element im Gedächtnis haften und liefert Mittagspausen- oder Schulhof-Gesprächsstoff: »Hey, gestern hat sich Kerrigan ein Energieblitz-Duell mit einem anderen Typen geliefert, während ich Tempel zerbröseln musste!« -- »Ja, cool, aber erinnerst du dich an die Mission, in der man so schnell wie möglich 100 Zerg-Eier sammeln musste, aus denen dann Hunderte von Zerglingen und Berstlingen geschlüpft sind? Das hat gekracht!«

Unser Favorit ist ein Einsatz, in dem wir ein Protoss-Raumschiff mit einer Larve infiltrieren, die sich anfangs hinter Dampfsäulen verstecken muss und Kreaturen nach Facehugger-Manier ins Gesicht springt, um sie zu fressen. Während wir so sukzessive den Privatzoo der Protoss verputzen, wächst unser Schützling immer weiter - bis hin zur waschechten Brutmutter, die Zerglinge und anderes Getier ausbrütet und mit ihrer Privatarmee durch die Gänge marodiert. Während der Missionen spinnt Heart of the Swarm seine Story mit Spielgrafik-Zwischensequenzen und Porträt-Dialogen weiter, optisch simpel, aber immer unterhaltsam.

Von der Larve... Ausgerechnet eine Mission, in der wir ausnahmsweise nicht Kerrigan steuern, entpuppt sich als Highlight: Wir infiltrieren als Zerg-Larve ein Protoss-Schiff und müssen uns zu Beginn vor neugierigen Augen in Wirtskörpern verstecken.

...zur Brutmutter... Ein paar Mahlzeiten später mutieren wir zur Brutmutter, erschaffen erste Zerglinge und durchkämmen das Schiff nach weiterer Biomasse.

...zum Schwarm Zuletzt führen wir eine ganze Horde von Zerg an und säubern das Schiff von seinen Besitzern.

Zusätzlich webt Blizzard immer mal wieder Bosskämpfe in die Missionen ein, mal gegen einen terranischen Roboter, mal gegen drei Zerg-Bestien. Jeder Obermotz hat andere Stärken und Spezialfähigkeiten, meist weichen wir Flächenangriffen aus, während wir gleichzeitig das richtige Zeitfenster für unsere eigene Attacke suchen. Ein Bosskampf erinnert uns sogar an ein ähnliches Gefecht aus Diablo 3 - gegen wen oder warum verraten wir im ewigen Kampf gegen unnötige Spoiler in Spieleartikeln aber lieber nicht.

Ja, Heart of the Swarm strotzt vor originellen Zielen und denkwürdigen Momenten. Der Haken an der Sache: Die meisten Einsätze sind kurz. Nach 20 bis 30 Minuten ist meist alles vorbei, zumindest auf den mittleren Schwierigkeitsgraden, auf dem höchsten kann man sich auch länger festbeißen. Erst die letzten Missionen vergrößern den Maßstab und dauern auch mal 40 Minuten oder mehr. Das ist dennoch kein Vergleich zu den teils langen Einsätzen der Warcraft-3-Erweiterung Frozen Throne und von Starcraft: Brood War.

Charakterstück ohne Bar

Als Dreh- und Angelpunkt von Kerrigans Rachefeldzug fungiert der Leviathan, ein monströses Zerg-»Raumschiff«, auf dem die Königin der Klingen von Welt zu Welt reist. So stehen meist zwei Planeten zur Auswahl, auf denen wir dann je drei Missionen absolvieren, eine bis zwei davon schalten neue Einheiten frei. So bestimmen wir aber lediglich die Reihenfolge der Schauplätze, bewältigen müssen wir letztlich alle, 12 bis 15 Stunden dauert die Kampagne insgesamt.

Anders als in Wings of Liberty fehlt allerdings ein Mini-Feldzug für ein anderes Volk - lediglich in einem Defense of the Ancients-ähnlichen Weltraum-Einsatz dürfen wir mal die Terraner kommandieren. Zudem gibt's keine optionalen Nebenaufträge mehr und auch keine Entscheidungen (Helfe ich Tosh oder Nova?) samt jeweils anderer Folgemissionen, abgesehen von der Schauplatz-Wahl verläuft Kerrigans Rachefeldzug linear - da verschenkt Blizzard ein wenig Potenzial.

Kommandozentrale Auf der »Brücke« des Leviathans plaudert Kerrigan mit anderen Charakteren.

Evolutionsgrube In Abathurs Reich wählt Kerrigan Spezialisierungen und Mutationen für sieben Truppentypen.

Talentbaum Hier wählt man die Talente, die Kerrigan im nächsten Einsatz verwenden soll. Pro Dreiergruppe ist nur eines erlaubt.

Missionswahl Heart of the Swarm lässt uns zwischen zwei Planeten wählen, besuchen müssen wir aber beide.

Zumal Kerrigan mehrmals in der Kampagne telepathische Befehle an andere Teile des Schwarms übermittelt, die bestimmte Welten angreifen sollen. Illustriert wird das aber nur mit einer rudimentären Mini-Sequenz, in der Zerg-Schleim den Planeten überzieht. Hätten hier etwa ursprünglich geplante Nebenmissionen ansetzen sollen? Sei's drum, Warcraft 3: Frozen Throne hatte ja auch einen linearen Feldzug - einen Heidenspaß gemacht hat er trotzdem. Und einen Heidenspaß macht nun auch Heart of the Swarm. Aber es hätte ein noch, äh, heidener Spaß werden können.

Wie zuvor Raynor auf seinem Flaggschiff Hyperion darf Kerrigan auf dem Leviathan mit Beratern und Besuchern optionale Gespräche führen, die zumindest gut genug geschrieben sind, dass dem Zuhörer nicht gleich das Gehirn durch die Nase flüchtet. Auch wenn die Charaktere wenig Weltbewegendes zu sagen haben, hören wir uns jeden Dialog gerne an, weil er dem Universum und den Figuren doch etwas mehr Tiefe verleiht. Unser Liebling ist der morbide Zuchtmeister Abathur, dem Kerrigan kurz vor dem Ende zuraunt: »Weißt du, manchmal bist du gar nicht so übel«. Die trockene Antwort: »Unverständlich.«

Endlich mal keine Zerg einem Einsatz schicken wir Raynors Flaggschiff Hyperion in eine Schlacht, die an Defense of the Ancients erinnert. Endlich mal keine Zerg einem Einsatz schicken wir Raynors Flaggschiff Hyperion in eine Schlacht, die an Defense of the Ancients erinnert.

Was dem Leviathan jedoch fehlt, ist ein Gegenstück zur Bar der Hyperion, die neben Plaudereien auch das Minispiel »Lost Viking« sowie eine Holo-Tänzerin bereithielt. Kerrigan hingegen führt alle Gespräche in ihrer schmucklosen Kommandozentrale, nur Abathur wartet abseits im Mutationsraum. Minispiele und Details wie die Tänzerin sind passé, weshalb sich der Leviathan weniger lebendig anfühlt als die Hyperion.

Was natürlich auch daran liegt, dass er weniger lebendig ist, mit Arcade-Automaten und Tänzerinnen kann ein marodierender Schwarm von Mordbestien nun mal wenig anfangen. Blizzard hätte sich aber einen anderen besonderen Schauplatz ausdenken können - etwa eine Brutmutter-Loge oder Kerrigans persönliches Quartier mit Erinnerungsstücken vom Schlachtfeld. Oder oder oder.

StarCraft 2: Heart of the Swarm - Launch-Trailer 2:02 StarCraft 2: Heart of the Swarm - Launch-Trailer

Der Schwarm mutiert

Was dem Leviathan hingegen nicht fehlt, ist der bereits erwähnte Mutationsraum, sozusagen die Werkstatt der Zerg. Hier darf Kerrigan sieben wichtige Einheitentypen wie Zerglinge und Hydralisken aufrüsten. Die Upgrades gliedern sich in austauschbare Fähigkeiten und permanente Mutationen. Erstere kosten nichts und lassen sich nachdem wir die Einheit freigeschaltet haben jederzeit ändern. Pro Kreatur stehen drei Spezialisierungen zur Wahl, jeweils eine davon dürfen wir aktivieren.

Beispielsweise können wir überlegen, ob unsere dicken Ultralisken unterirdisch auf ihre Gegner zustürmen, sich bei Treffern selbst heilen oder mehr Flächenschaden anrichten sollen. Zwischen den Missionen lässt sich das gewählte Talent jederzeit austauschen, was zu Experimenten reizt, sich aber längst nicht so befriedigend anfühlt wie die durch Nebenmissions-Einkünfte hart erkämpften und permanenten Einheiten-Upgrades von Wings of Liberty. Noch dazu wirkt sich die Talentwahl nicht auf das Aussehen der Einheiten aus, ein Flächenschaden-Ultralisk sieht genauso aus wie ein selbstheilender.

Bei diesem Bosskampf tritt Kerrigan gegen eine Brutmutter an, die Armeen von Berstlingen ausspuckt. Bei diesem Bosskampf tritt Kerrigan gegen eine Brutmutter an, die Armeen von Berstlingen ausspuckt.

Mehr Einfluss haben da die permanenten Evolutionssprünge. In regelmäßigen Abständen schalten erledigte Kampagnenaufträge insgesamt sieben spezielle Evolutionsmissionen frei, die zu den 20 Story-Einsätzen hinzukommen. Insgesamt hat Heart of the Swarm damit 27 Missionen, auch wenn die Evolutionsaufträge keinerlei spielerischen Anspruch entfalten und mangels Erzählgehalt auch nicht zu den ursprünglich angedachten 27 Story-Missionen zählen.

Vielmehr dürfen wir darin zwei alternative Varianten einer Einheit ausprobieren. Dann heißt es grübeln: Sollen unsere Zerglinge lieber Klippen überspringen, oder sollen sie künftig nicht nur in Zweier-, sondern sogar in Dreiergruppen aus den Eiern schlüpfen? Dürfen sich unsere Mutalisken in Brutlords verwandeln, die ferne Gegner mit Mini-Biestern bespucken, oder in Viper-Flieger, die feindliche Einheiten zu sich ziehen und Fernkämpfer einnebeln, damit sie nicht feuern können?

Zerglinge auf DNA-Jagd In der ersten Evolutionsmission verleiben wir dem Schwarm das Genmaterial der springenden Karaks ein, um unsere Zerglinge zu verbessern.

Ein kleiner Sprung für einen Zergling Ergebnis: Die Krabbler können Klippen überqueren und auf Feinde zuspringen.

Ein großer Schwarm Alternativ können wir uns für einen Genstrang entscheiden, der drei Zerglinge statt zweien aus jedem Ei schlüpfen lässt.

Nur eine der Spezialisierungen lässt sich wählen, wie bei der Forschung von Wings of Libertys ist die Entscheidung unumkehrbar. Das erhöht die taktische Vielfalt und den Wiederspielwert von Heart of the Swarm, weil es dazu einlädt, unterschiedliche Kombos aus Talenten und Mutationen auszuprobieren. Ist ein Ultralisk, der unterirdisch heranstürmt und Gift-Explosionen auslöst, denn nun spaßiger als einer, der sich selbst heilt und nach seinem Tod automatisch wiederbelebt?

Dabei geht es mehr um den Experimentierspaß als um die Frage, welche Variante tatsächlich am stärksten ist. Die Balance der Kampagne hängt nämlich nicht von den einzelnen Einheiten ab, sondern vom generellen Schwierigkeitsgrad.

Die Collector's Edition

Neben der normalen Verkaufsversion, die mit rund 40 Euro für ein Addon nicht ganz billig ausfällt, erscheint Heart of the Swarm auch als Collector's Edition für rund 70 Euro. Darin liegen neben dem Spiel eine Video-DVD sowie eine Blu-ray-Disc mit sämtlichen Zwischensequenzen sowie diversen Making-Of-Videos - allerdings alles in Englisch. Deutsche Untertitel lassen sich lediglich bei den Zwischenfilmen zuschalten, schwach. Hinzu kommen der Soundtrack auf CD, ein Mauspad und ein 144seitiges Artbook. Außerdem enthält die Sammleredition drei exklusive Battlenet-Porträts und einen Ultralisken-Skin für Starcraft 2, kosmetische Knochenschwingen für Diablo 3-Helden sowie ein Berstling-Pet für World of Warcraft. All diese Ingame-Dreigaben gibt's auch in der Battlenet-exklusiven Digital Deluxe Edition, deren Download 55 Euro kostet.

StarCraft 2: Heart of the Swarm - Boxenstopp-Video zur Collector's Edition 10:22 StarCraft 2: Heart of the Swarm - Boxenstopp-Video zur Collector's Edition

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