Erwachsenenspiele
können wir in Deutschland ohnehin nicht auf Steam kaufen, das ist bekannt. Doch seit Kurzem werden auch international etliche Erotikspiele entfernt – und nicht Valve selbst hat den Bannhammer ausgepackt, sondern die ganz großen Player im Hintergrund: Visa, Mastercard und andere Zahlungsdienstleister.
Wer glaubt, dass das nur ein Randthema für ein paar zwielichtige Visual Novels ist, täuscht sich gewaltig. Denn was sich gerade auf Steam abspielt, könnte zu einem handfesten Problem für die gesamte Gaming-Community werden.
Was ist passiert?
Valve hat eine neue Regel in die Steam-Richtlinien aufgenommen: Spiele, die gegen die Standards und Regeln von Banken und Kreditkartenunternehmen verstoßen, fliegen künftig einfach raus. Und das trifft vor allem Spiele aus dem Bereich Adult Games
.
Die ersten Opfer sind bereits von der Plattform verschwunden, darunter zahlreiche Titel, deren Namen schon mit Incest
oder anderen eindeutigen Begriffen wenig Interpretationsspielraum lassen.
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SteamDB kann die neue Regel nicht offiziell als Grund für die gelöschten Spiele bestätigen, aber der Zeitpunkt spricht Bände – die meisten dieser Adult Games sind mit einem Schlag aus dem Store verschwunden.
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Im aktuellen Steam Sale gibt's Schnäppchen am Fließband!
Warum mischen sich Kreditkartenunternehmen überhaupt ein?
Wer sich fragt, warum ausgerechnet Kreditkartenfirmen plötzlich moralische Instanzen spielen: Es geht weniger um persönliche Überzeugungen, sondern vielmehr um knallharte Rechtsfragen.
Der entscheidende Wendepunkt kam 2022 in den USA, als ein Gericht in Kalifornien Visa für mitverantwortlich erklärte, dass auf Pornhub illegal hochgeladene Videos mit Kindesmissbrauch mithilfe der Kreditkarte bezahlt werden konnten – obwohl das Material längst entfernt war. Der Vorwurf: Visa hätte nicht genug Druck auf Pornhub ausgeübt, um derartige Inhalte schon im Vorfeld auszuschließen.
Das Urteil war ein Schock für die gesamte Zahlungsbranche. Seither verfolgen Visa und Mastercard eine Null-Toleranz-Politik, wenn es um potenziell illegale oder problematische Inhalte geht. Und das betrifft nicht nur Pornoseiten: Auch Plattformen wie OnlyFans, Patreon und jetzt eben Steam bekamen plötzlich ein Ultimatum – nach dem Mott: Entweder ihr haltet euch an unsere Regeln oder wir wickeln keine Zahlungen mehr für euch ab.
Kritiker in den sozialen Medien warnen von einer stillen Normalisierung finanzieller Zensur
. Die großen Kreditkartenunternehmen und Banken hätten so viel Macht, dass sie mit einem simplen gefällt uns nicht
als Begründung komplette Geschäftsmodelle oder eben Steam-Spiele lahmlegen könnten – ganz unabhängig von den geltenden Gesetzen.
Auch auf Reddit wird die Sorge diskutiert, dass sich die neue Regel künftig auch auf reguläre Spiele ausbreiten könnte:
Warum zum Teufel lassen wir Kreditkartenunternehmen entscheiden, was moralisch akzeptabel ist?
- Pyrhan
Zuerst kamen sie wegen der Pornospiele, aber ich habe keine Pornospiele gespielt, also habe ich nichts gesagt.
- Archangelcrewman
Mir persönlich ist es egal, dass ich diese Spiele nicht kaufen kann, aber das wird zu 100 % auch bei anderen echten Spielen passieren, das sollte nicht akzeptiert werden.
- Federal_Cook_6075
Die Leute machen sich also Sorgen um Spiele mit sexuellen Inhalten, aber wie sieht es mit anderen Inhalten für Erwachsene wie Mord und Drogenkonsum aus? Wo wird hier die Grenze gezogen? Sind Spiele wie Schedule 1 nun auch betroffen? Was ist mit GTA?
Das schafft einen wirklich schlechten Präzedenzfall, wenn Zahlungsdienstleister zu moralischen Richtern der Unterhaltungsindustrie werden. Die Leute, die fragen „Ist doch egal, es sind nur mit Vergewaltigungs- und Inzest-Simulationen?“, sehen hier nicht das ganze Bild…
- retro808
Die Befürchtung vieler User: Heute trifft es die Schmuddelspiele. Aber ob morgen nicht auch ganz andere Genres oder Themen in den Fokus geraten, hängt letztlich von den Launen der Finanzunternehmen ab. Landet etwa der fiktive School Shooting Simulator 2026
als Extrembeispiel auf Steam, könnten die Forderungen nach einem generellen Verbot aller Egoshooter nicht lange auf sich warten lassen.
Viel Hoffnung auf Alternativen bleibt kaum. Vorschläge wie ein Steam-eigenes Zahlungssystem oder Kryptowährungen werden zwar heiß diskutiert, scheitern aber bislang an der Realität. Solange der Großteil aller digitalen Transaktionen über wenige Konzerne läuft, bleibt die Machtfrage ungelöst.
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