Das Steam Next Fest ist eigentlich ein richtig coole Sache. Kleine Entwickler bekommen die Chance, ihre Spiele zu bewerben, Spielerinnen und Spieler können haufenweise Titel kostenlos ausprobieren und wir bei GameStar können über Spiele berichten, die ihr nicht schon 200 Mal gesehen habt.
Deshalb schaue ich dem Steam Next Fest für gewöhnlich immer in froher Erwartung entgegen. Manchmal kann ich Spiele auf meiner Wunschliste ausprobieren und euch empfehlen, manchmal entdecke ich aber auch komplett neue Sachen. Letzteres wird mit jedem Next Fest aber immer schwieriger und das hat nur einen Grund: KI-Slop.
Mein Problem mit Generativer KI in Spielen
Ich verteufle generative KI nicht grundsätzlich. Es gibt durchaus Anwendungsbereiche, in denen sie sehr nützlich ist, auch für meine Arbeit. Das schließt vor allem Dinge ein, wie das Erstellen und Zusammenfassen von Transkripten und Unterstützung bei der Recherche. Wenn es aber darum geht, Dinge zu schaffen und kreativ zu werden, will ich GenAI irgendwo auf einem dieselbetriebenen Kreuzfahrtschiff jenseits der Polkappen wissen – ganz weit weg von mir.
Genau wie die Texte, die ihr hier auf GameStar.de lest, sollten meiner Meinung nach auch Bilder, Filme und Spiele von Hand gemacht sein. Ich will die Künstler und Entwickler für das bewundern, was sie kreiert und mit harter Arbeit und Leidenschaft umgesetzt haben.
Wenn ich dann auf der Seite des Next Fest ein KI-generiertes Artwork nach dem anderen sehe, dreht sich mir der Magen um. Da, wo sich früher Leute Gedanken gemacht haben, wie sie ihr Spiel am besten präsentieren können, prangen jetzt seelenlose 0815-Bilder, die in meinem Kopf zu einer Masse verschwimmen. Damit lassen Entwickler mich am Respekt vor ihrem eigenen Spiel zweifeln. Und ja, ich weiß: menschliche Grafiker sind teuer. Aber sie sind das Investment in meinen Augen allemal wert.
Denn selbst wenn GenAI »nur« auf der Shopseite der Spiele genutzt wird, ist mein Interesse am Spiel damit sofort gekillt. Und da bin ich längst nicht die einzige.
Auch, wenn in der Offenlegung der KI-Inhalte am Ende der Page ausdrücklich gesagt wird, dass sich im Spiel selbst keine GenAI befindet: Wer sagt mir, dass das überhaupt stimmt? Wie streng Steam Spiele darauf prüft, wissen wir schlichtweg nicht.
Mir ist übrigens auch bewusst, dass Asset-Flips und Shovelware schon vor dem KI-Boom ein großes Problem auf dem Gaming-Markt waren. Aber KI lässt diese Sparte gerade ins Unermessliche anwachsen.
10.000 Spieledemos, aber zu welchem Preis?
Bereits zum letzten Next Fest im Juni empörten sich Steam-Nutzer in Online-Foren darüber, wie dominant die Spiele mit offensichtlichem KI-Anteil sind. Und schon da konnte ich die Aufregung verstehen, war aber fest entschlossen, mich auf die positiven Dinge zu konzentrieren.
Spiele wie das entspannte Over the Hill oder die Artilleriesimulation Iron Nest konnten mit ihrer Demo etliche Spielerinnen und Spieler begeistern und blicken mittlerweile auf einen richtig starken Launch zurück. Over the Hill sichert sich auf Steam bei 2.700 Bewertungen eine Gesamtwertung von 92 Prozent, Iron Nest kommt bei mehr als 14.500 Bewertungen sogar auf 97 Prozent.
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Steam Next Fest: Ab heute könnt ihr wieder über 6.000 Spiele kostenlos ausprobieren
Was ich sagen will: Das Steam Next Fest ist großartig, doch es wird immer schwerer, diese Großartigkeit überhaupt zu sehen. Mit jeder Ausgabe des Festivals steigt die Anzahl der angepriesenen Demos, aber damit leider auch die Anzahl der Titel, die in irgendeiner Form KI nutzen.
Mit SteamDB lässt sich ganz gut abstecken, wie groß das Thema KI beim Steam Next Fest wirklich ist. Laut der Übersicht nehmen dieses Mal rund 10.000 Titel am Event Teil. Filtert man diese Liste nach dem Parameter »AI Content Disclosed« – also Spielen, die angeben, KI-Inhalte zu nutzen – landet man bei einer Zahl von 3.656. Dieses Tag wird von SteamDB vergeben, sobald ein Spiel entsprechende Inhalte offenlegt. Auf Steam selbst gibt es so ein Tag nicht.
Mein Wunsch an Steam
Was bringt es mir also, wenn die Anzahl der partizipierenden Demos immer weiter steigt, wenn ich dafür immer länger wühlen muss, um die Spiele zu finden, die meine Aufmerksamkeit wirklich verdienen? Steam muss hier meines Erachtens nach endlich mal Nägel mit Knöpfen machen. Auch wenn Entwickler beim Einreichen ihrer Spiele Fragebögen ausfüllen müssen, ist nicht sichergestellt, dass ihre Angaben auch korrekt sind.
Was fehlt, ist mindestens ein user-unabhängiger Tag, mit dem sich im Launcher selbst Spiele und Demos ausblenden lassen, die KI-Inhalte enthalten. So könnte Menschen wie mir das Problem wenigstens beim Browsen durchs Next Fest beiseiteschieben. Das würde mir obendrein auch noch die Arbeit erleichtern, für vielversprechende Spieleperlen zu finden, die ich euch empfehlen kann.
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