Solltet ihr mit dem Gedanken spielen, eure Wohnung oder euer Haus mit einer eigenständigen Energieversorgung auszustatten, um unabhängiger vom Stromnetz zu sein, könnt ihr viel Geld sparen, indem ihr den Akku passend dimensioniert.
Dafür ist es relevant zu wissen, wie viel Energie überhaupt verbraucht wird, welche Geräte wie viel Strom brauchen und auch, welche davon euer Notfallakku überhaupt versorgen kann.
Was leisten Powerstations und Balkonsolar-Akkus?
Tragbare Powerstations und auch die Akkus moderner Balkonkraftwerke sind nicht dafür ausgelegt, bei Stromausfall einfach alle Elektrogeräte wie gewohnt nutzen zu können. Sie sind Insellösungen, an deren Steckdosen sich ausgewählte Geräte betreiben lassen. Bei Stromausfall einfach automatisch umschalten, um die gesamte Hausstromversorgung zu übernehmen, funktioniert nicht.
Es gibt Akkulösungen, primär für größere PV-Anlagen, die Notstromfähig sind, die Installation erfordert aber auf jeden Fall einen Elektriker. Wir gehen hier nur auf Akkuprodukte ein, die ohne Fachbetrieb genutzt werden können.
Gerade bei diesen kleineren Akkus mit 1-4 Kilowattstunden Kapazität ist es wichtig zu wissen, welche Geräte wie viel Energie benötigen. Dabei sind die mitunter aufgedruckten Spitzenleistungen nicht immer so schlimm, wie man annehmen mag. Eine Kilowattstunde gespeicherter Strom reicht dabei, um ein Gerät mit 1.000 Watt Leistung eine Stunde betreiben zu können. Eines mit 100 Watt also entsprechend ca.10 Stunden. Ca. 10-15% abziehen müsst ihr davon allerdings, da es Wandlungsverluste gibt.
Elektrogeräte brauchen nicht immer ihre volle Leistung, gerade Kühlschränke laufen die meiste Zeit ohne stromfressende Dauerkühlung. So kommt das Kühlgerät auf 0,3-0,8 Kilowattstunden am Tag, je nach Größe und Alter.
Ihr könnt die benötigten Leistungen (und Leistungsspitzen) zusammenrechnen und wisst dann auch, wie lange euer Akku damit ungefähr Strom liefern kann. Fast wie in einem Spiel, wo ihr begrenzte Fertigkeitspunkte habt, nur halt mit Watt. Eisiges Kühlen + 10 für eine Kilowattstunde, Zocken am PC für zwei Kilowattstunden - immerhin gilt bei Powerstations Pay-to-Win: Investiert ihr mehr, bekommt ihr mehr Fertigkeitspunkte. Sorry, Kilowattstunden.
Aber gehen wir doch einmal durch die Räume der Wohnung und schauen, welches Gerät wie stark am Energiespender saugt.
Internetrouter, NAS und weitere Kommunikationsgeräte
In vielen Wohnungen fristen Router und Netzwerkspeicher ihr Dasein im Flur der Wohnung. Eventuell unterstützt von einem DSL- oder Glasfasermodem und einem Switch für die ausufernde Netzwerkinstallation.
Hier wollt ihr höchstwahrscheinlich bevorzugt den Router mit Strom versorgen, vor allem bei lokalen Stromausfällen funktioniert die Leitung ja vielleicht sogar noch. Modems mit LTE-Backup können auch praktisch sein.
Ein gängiger WLAN-Router mit integriertem Modem nimmt 10-30 Watt auf, auch abhängig davon, wie viele Endgeräte angeschlossen sind. Einzelgeräte genehmigen sich zusammen ein bisschen mehr. Wollt ihr noch ein NAS zusätzlich laufen lassen, müsst ihr mit 20-80 Watt rechnen - wenn die verbauten Laufwerke arbeiten mehr, im Idle weniger.
Office-Hardware generell, auch wenn sie nicht im Flur sondern im Homeoffice steht, ist recht energiesparend. Sparsame PCs verlangen im Idle teils nur unter 20 Watt und unter Last unter 90 Watt. Auch viele einfache (aber moderne) Büromonitore genehmigen sich nur zwischen 20 und 60 Watt.
So viel Strom brauchen Konnektivität und Büro
- WLAN-Router mit Modem: 10-30 Watt
- Netzwerkswitch Gigabit (8 Ports): ca. 10 Watt
- NAS (2-4 Bay): 20-80 Watt
- Desktop-PC Office: ca. 60 Watt beim Arbeiten
- Office-Monitor: ca. 40 Watt
Stromfresser Küche
Machen wir einen Abstecher in einen der Räume, die am meisten Energie benötigen. Allerdings könnt ihr den Herd als primären Stromfresser eh nicht nutzen, er würde aber auch selbst große Akkus in Kürze leeren - 3000-7000 Watt sind nicht wenig, verzichtet bei Stromausfall also aufs vier-Gänge-Menü.
Besser sieht es mit der Heißluftfritteuse aus, einige kräftige Powerstations liefern die benötigten 1.000 bis 2.200 Watt. Achtet also vor dem Kauf darauf, wie viel Watt der Akku überhaupt ausgeben kann, wenn ihr stromhungrige Gerätschaften verbinden wollt oder müsst.
Kaffee oder Tee dürfen natürlich auch nicht fehlen. Das Erhitzen des Wassers kostet kurzzeitig bis zu 2.000 Watt, was ebenfalls viele Balkonsolarakkus und kleinere Powerstations überfordern kann. Die Heizleistung ist zwar durchgehend gefordert, dafür dauert es aber meist ja auch nicht sehr lange.
Der Kühlschrank hingegen läuft meist nur kurz mit hoher Leistung, immer dann, wenn der Kompressor kurz anspringt, um nachzukühlen. Das gilt auch für Gefrierschränke. Die meiste Zeit nehmen die Geräte nur 20-50 Watt auf, beim Kühlvorgang dann 150 bis 200 Watt.
So viel Strom verbrauchen Küchengeräte
- Kühlschrank (je nach Größe und Alter): 20-50 Watt / 150-200 Watt im Kühlbetrieb
- Gefrierschrank: 20-50 Watt / 180-250 Watt im Kühlbetrieb
- Geschirrspüler: 1.200-2400 Watt in der Heizphase
- Backofen: 2.000-3.500 Watt
- Kochfeld pro Platte: 800-2.500 Watt
- Wasserkocher: 1.800-3.000 Watt
- Toaster: 800-1.600 Watt
- Kaffeevollautomat: 1.200-2000 Watt beim Aufheizen
- Heißluftfritteuse: 1-200-2.000 Watt
- Mikrowelle: 500-1.500 Watt
Wärme und Klima sind mit Powerstations schwer zu stemmen
Wohnt ihr in einem Mehrfamilienhaus mit Zentralheizung, habt ihr keinen Einfluss und könnt entsprechend wenig selbst in die Hand nehmen. Nutzt ihr eine eigene Gas- oder Ölheizung: Beim Stromausfall in Berlin beispielsweise floss das Gas noch, die Heizungen bekamen aber keinen Strom. Einige Gas- oder Ölheizungen hätten trotzdem laufen können, zumindest wenn sie einen Notstromanschluss haben. Das ist allerdings kein Standard.
Generell gilt wie beim Kochen, dass das Erzeugen von Wärme sehr viel Energie benötigt. Simple Heizlüfter setzen - genau wie euer PC - die zugeführte Energie 1:1 in Wärme um. 2.000 Watt kuschelige Wärme fressen also pro Stunde die 2 kWh einer Standard-Powerstation gemütlich weg. Wärmepumpen sind effizienter und können 2.000 Watt Wärmeleistung auch mit weniger als 750 Watt erzeugen. Leider braucht es für eine ganze Wohnung oder gar ein Haus deutlich mehr.
So viel Strom verbrauchen Wärme und Klima
- Heizlüfter: 1.000-2.500 Watt
- Infrarotpanel: 300-1.200 Watt
- Split-Klima (Wärmepumpe): 500-2000 Watt
- Ventilator: 20-80 Watt
- Boiler/Durchlauferhitzer: 3.000-27.000 Watt
- Mobiles Klimagerät: 700-1.500 Watt
Endlich Gaming: Wie lange kann ich mit einer Powerstation bei Stromausfall zocken?
Je nach Ausstattung genehmigt sich ein Gaming-PC beim reinen Internetsurfen oder Office-Arbeiten gar nicht so viel Strom: Zwischen 20 und 60 Watt. Hier kommt es auch auf Energiesparmaßnahmen und sogar die Menge der angeschlossenen Bildschirme, GPU/CPU-Hersteller und sogar SSD-Typ an.
Müssen CPU und GPU beim Gaming ackern, geht der Energiebedarf in die Höhe. Eine Mittelklasse-GPU wie eine RTX 5060 oder RX 9060 XT legen dann zwischen 150 und 200 Watt oben drauf, Intels ARC B580 ordnet sich eher am oberen Ende dessen ein. Und auch die CPU genehmigt sich mehr Strom, wenn sie gefordert wird. 50 bis 100 Watt könnt ihr je nach Modell draufrechnen.
Habt ihr euch eine noch schnellere Grafikkarte gegönnt, kann der gesamte PC unter Last auch 800 und mehr Watt schlucken. Zusammen mit Monitor(en) seid ihr dann schnell vierstellig und saugt eine 2-lWh-Powerstation in zwei Stunden komplett leer. Grafisch weniger spektakuläre Spiele wie der Zeitfresser Megabonk fordern die Hardware übrigens deutlich weniger und lassen den Akku daher länger durchhalten. Wohl dem, der per Laptop oder Steam Deck zockt, deren Akkus verlängern eure Zockdauer noch weiter.
Etwas sparsamer wäre das Spielen mit einer Konsole: Die Playstation 5 verlangt nach etwa 200 Watt wenn ein Spiel läuft, die PS5 Pro kommt auf 230 Watt. Der dazugehörige Fernseher schluckt dann, je nach Diagonale und Displaytyp, zwischen 60 und 150 Watt. Dunkelt das Bild ruhig etwas ab, das spart Strom.
Mit einer PS5 + 55 Zoll TV könnt ihr also bis zu vier Stunden zocken, wenn die Powerstation 2 kWh bietet.
So viel Strom verbrauchen PC, Konsole und TV
- TV 55 Zoll SDR: 60-100 Watt
- TV 55 Zoll HDR: 100-180 Watt
- Soundbar: 20-100 Watt
- Streaming-Stick: 3-15 Watt
- Smart Speaker: 2-10 Watt
- Gaming-PC Mittelklasse: 50-350 Watt (Idle/Last)
- Gaming-PC Oberklasse: 90-850 Watt (Idle/Last)
- Gaming-Monitor 27 Zoll 144 Hz: 50-80 Watt
- VR-Headset: 5-30 Watt
- Konsole (PS5 Pro): bis 230 Watt (Last)
- Gaming-Laptop: 200-350 Watt (Last)
Nur zwei bis drei Stunden mit einer Powerstation zocken können? Geht da nicht noch mehr? Doch, es kommt aber auf die Größe des Akkus an.
Wer etwa sein Auto nah genug an der Wohnung parken kann, um ein Verlängerungskabel zu legen, kann bei vielen Elektroautos dank Vehicle to Load (V2L) seine Elektrogeräte auch mit dem Autoakku betreiben.
Um die 3.000 Watt liefern viele aktuelle Modelle und dank 50-100 kWh Kapazität tun sie das auch tagelang.
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