Es ist ein sonniger Sonntagmorgen. Die Brötchen beim Bäcker sind eingekauft und der Frühstückstisch ist großzügig gedeckt. Lediglich die enorme Aufregung über das bevorstehende Musikkonzert, den Freizeitparkbesuch oder die Urlaubsreise übertüncht das Gefühl von Ruhe.
Plötzlich vibriert der Tracker am Handgelenk und das Display zeigt an: »Stress erkannt«. Wer schon einmal ein solches Gerät länger getragen hat, kennt derartige Meldungen zuhauf. Oft weicht das Ergebnis vom tatsächlichen Empfinden ab.
Im Falle von Stress etwa liegen Tracker mitunter daneben und dafür gibt es eine plausible Erklärung: Sie schätzen diesen Wert anhand anderer Gesundheitsdaten wie der Herzfrequenz.
Eine Studie mit rund 800 Teilnehmern hat untersucht, wie genau die Stressdaten in Wirklichkeit sind – mit einem ernüchternden Ergebnis.
Der Stresswert wird laut einer Studie überschätzt
Das sagt die Studie: Forscher haben im Jahr 2025 im Journal of Psychopathology and Clinical Science eine Studie veröffentlicht, in der sie rund 800 Teilnehmer über drei Monate hinweg mit der Garmin Vivosmart 4 ausgestattet haben.
Ziel war es, die von den Geräten gemessenen Stress-, Müdigkeits- sowie Schlafdaten mit den Berichten der Teilnehmer zu vergleichen (Quelle: Guardian-Bericht).
Das Ergebnis war eindeutig: Zwischen den gemessenen Stresswerten und dem tatsächlichen Empfinden bestand praktisch keine Übereinstimmung. Die Geräte verwechselten oftmals Stress mit positiver Aufregung, etwa beim Sport, auf Feiern oder in emotionalen Momenten.
Immerhin zeigte die Vivosmart 4 zuverlässige Ergebnisse beim Schlaf. Die Tracker konnten die Schlafdauer in der Regel gut erfassen, aber nicht unbedingt die Schlafqualität oder das Erholungsempfinden akkurat widerspiegeln.
16:02
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So messen Tracker den Stress
Fitness-Tracker wie die Garmin Vivosmart 4 nutzen auf der Unterseite Sensoren, um Puls, Herzfrequenzvariabilität (HRV) und Aktivität zu messen. Daraus wird schließlich der Stresswert abgeleitet.
Das Problem:
- Diese körperlichen Signale sind für die Gadgets nicht eindeutig. Sie können sich wie erwähnt, durch andere Faktoren unterscheiden (Sport, Freude, etc.).
- Ein hoher Stresswert spiegelt also nicht das eigene Empfinden von Stress wider. Er beschreibt vielmehr, wie der Körper physisch reagiert. Fairerweise weisen einige Tracker in ihrer Begleit-App auf diese Information hin.
- Zudem ist der Wert relativ. Was für den einen selbst hoch ist, kann für eine andere Person ganz normal sein. Derartige Stresswerte sind lediglich Trends und keine genauen medizinischen Diagnosen.
Die Informationen sind also mit Vorsicht zu genießen. Wer oftmals einen falschen Stress-Hinweis von seiner Smartwatch erhält, entwickelt mitunter unnötige Angst oder Sorge gegenüber den Warnungen.
Die Daten ersetzen schlichtweg keine Selbstwahrnehmung. Der eigene »Biosensor« funktioniert eben am besten. Die Auswertungen sind hingegen für Trendanalysen beziehungsweise Veränderungen über mehrere Monate hinweg hilfreich. Einzelne Tagesauswertungen sind dagegen schlichtweg nicht aussagekräftig.
Könnten neuere Tracker die Stressmessung verbessern?
Die Garmin Vivosmart 4 wurde 2018 vorgestellt und gilt heute als überholt. Neuere Modelle wie die Apple Watch, die Samsung Watch, der Oura Ring und ähnliche Produkte nutzen modernere Sensoren und ausgefeilte Algorithmen. Dadurch könnten Stress- und Schlafmessungen präziser sein.
Dennoch bleibt die Stressmessung eine enorme Herausforderung. Auch aktuellere Tracker messen die gleichen körperlichen Signale, die eben nicht eindeutig auf Stress zurückzuführen sind. Selbst mit heutigen Modellen ist und bleibt Stress ein grober Richtwert.
Welche Daten werden gemessen, welche geschätzt?
Bei den Messungen von Smartwatches, Smart Ringen und anderen Fitness-Trackern sind primäre Messwerte die grundlegenden Daten, die direkt von den Sensoren der Gadgets erfasst werden. Sie bilden in der Regel die Basis für die sekundären Messwerte.
Beispiele für primäre Messwerte:
- Herzfrequenz / Herzfrequenzvariablität (HRV): Optische Pulsmessung (PPG – Photoplethysmographie)
- Schritte: Beschleunigungssensoren messen Bewegungen
- Blutsauerstoffsättigung (Sp02): Optische Sensoren (PPG)
- Hauttemperatur: Sensor auf der Haut
Beispiele für sekundäre Messwerte:
- Kalorien: Bewegung, Herzfrequenz, Körperdaten (Gewicht, Alter)
- Stresslevel: Bewegung, HRV, Aktivitäten und weitere Daten
- Schlafqualität: Bewegung, Herzfrequenz, Hauttemperatur
- Ready Score: Schlaf, Aktivität, HRV vom Vortag
Hier findet ihr ein Video, das die Messung und Interpretation der Daten sehr gut erklärt.
Die Qualität und Aussagekraft sekundärer Messwerte hängt also stark von den primären Messungen sowie den verwendeten Algorithmen ab.
Häufig entstehen Unterschiede zwischen Geräten, weil proprietäre Algorithmen unterschiedlich die gleichen Rohdaten auswerten und die Genauigkeit der Sensoren variiert.
In diesem Sinne: Lasst euch nicht stressen.

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