49 Tote bei Terroranschlag in Neuseeland - Schütze streamt Attentat auf Facebook, bittet um Abos für PewDiePie

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat ein mutmaßlicher Rechtsterrorist in Christchurch, Neuseeland 49 Menschen in zwei Moscheen erschossen. Seine Tat hat er live gestreamt.

von Sandro Odak,
15.03.2019 11:45 Uhr

Ein rechtsextremer Terrorist hat in Christchurch, Neuseeland 49 Menschen in zwei Moscheen erschossen. Seine Tat kündigte er im Internet an und streamte sie live auf Facebook.Ein rechtsextremer Terrorist hat in Christchurch, Neuseeland 49 Menschen in zwei Moscheen erschossen. Seine Tat kündigte er im Internet an und streamte sie live auf Facebook.

Um 13:45 neuseeländischer Zeit hat ein mutmaßlich rechtsextremer Terrorist in Christchurch ein Blutbad in zwei Moscheen angerichtet. Insgesamt 49 Menschen, die sich zu dem Zeitpunkt in den Gebetshäusern oder in der Nähe befanden, sind laut Aussagen der New Zealand Police getötet worden. 48 weitere Personen sind noch verletzt und in Behandlung.

Der Schütze hat seine Tat in der rechtsgerichteten und mit der Gamergate-Bewegung sympathisierenden Online-Community 8chan angekündigt und dort auch ein knapp 90-seitiges Manifest veröffentlicht, in dem er von einem Austausch der Rassen spricht. Der mutmaßliche Schütze ist ein Australier, das bestätigte der australische Premierminister Scott Morrison. Er nannte den Täter einen "rechtsextremistischen, gewalttätigen Terroristen".

Die Polizei hat vier Verdächtige (drei Männer, eine Frau) festgenommen, darunter auch den mutmaßlichen Täter. Ihn hatte die Polizei auf der Straße im Auto gerammt und nur so stoppen können.

Morde live gestreamt

Der Täter fuhr mit mehreren Sturm- und Schrotgewehren sowie beschusshemmender Ausrüstung in einem weißen Van zu den Tatorten und überrumpelte die Opfer seiner Tat vermutlich beim Freitagsgebet.

Den ersten Anschlag hat er live auf Facebook gestreamt. Zu Beginn des Videos bittet er seine Zuschauer darum, den Let’s Player PewDiePie zu abonnieren, der 2017 mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen wiederholt in die Schlagzeilen geriet. PewDiePie entschuldigte sich allerdings später für diese Aussagen und distanzierte sich ausdrücklich von der rechtsextremen Szene.

Der populäre YouTuber (89,4 Millionen Abonnenten) war laut einem ersten Statement auf Twitter von der Tat schockiert und sprach den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus:

Keine Verlinkung auf das Video
Wir wissen, dass eine Videoaufnahme der Tat im Internet herumgeht. Die neuseeländische Polizei unternimmt alles, um diese furchtbaren Aufnahmen vom Netz zu nehmen. GameStar wird diese Maßnahmen unterstützen: Wer das File verlinkt, User darauf aufmerksam macht, wo und wie man es finden kann oder Ausschnitte aus dem Video auf GameStar oder im Forum veröffentlicht, wird ohne Vorwarnung der Seite verbannt. Gleiches wird mit Usern geschehen, die sich respektlos über die Tat äußern oder gar die Opfer verhöhnen.

Reaktionen auf den Terroranschlag

Der mutmaßliche Terrorist ist ein 28-jähriger, männlicher Australier oder zumindest gebürtiger Australier. Neben Schusswaffen und Schutzausrüstung führte er auch Sprengsätze mit sich herum. Diese sollen von der neuseeländischen Armee entschärft worden sein.

Die Polizei reagierte mit einem Großaufgebot in Christchurch auf die Tat und riegelte im Lauf des Nachmittags alle Schulen und öffentliche Gebäude ab. Die Bevölkerung - insbesondere aber auch die muslimische Minderheit im Land - wurde aufgefordert, zu ihrer eigenen Sicherheit zu Hause zu bleiben.

Von den vier Festgenommenen sind drei Verdächtige der Straftat. Der Haupttäter und Schütze soll am Samstag (Ortszeit) einem Haftrichter vorgeführt werden. Er wird wegen Mordes angeklagt.

Zwei Personen bleiben noch in Haft, gegen sie wird ermittelt. Eine Person, die festgenommen wurde, war offenbar nicht an der Tat beteiligt.

Politiker auf der ganzen Welt verurteilen das Massaker. Neuseelands Nachbar Australien ließ noch am selben Abend die Flaggen des Landes auf Halbmast wehen.

Die Bundesregierung und Außenminister Heiko Maas verurteilten das Verbrechen auf friedlich betende Muslime als einen Angriff auf uns alle:

Waffengesetze von Neuseeland

Obwohl es nach einem ähnlichen Attentat in den 1990er Jahren zu einer Verschärfung des Waffenrechts in Neuseeland kam, wurde dieser Prozess später langsam eingefroren. Einer Untersuchung zufolge sei eine strikte Waffenkontrolle zu teuer und ineffizient, weshalb der Staat lieber in Gewaltprävention allgemein investiert hat.

Dadurch gilt Neuseeland als eher lasches Land was den Zugang zu Waffen angeht: Menschen, die eine Waffe kaufen wollen oder besitzen, müssen eine Lizenz beantragen. Die Hürden dafür sind relativ niedrig.

Die Anzahl der Waffen wird jedoch nicht registriert. Lizenzen für militärische und automatische Waffen sind zwar schwerer zu bekommen, jedoch finden sich in der leichter zugänglichen "A-Kategorie" Gewehre wie die AR-15 oder Schrotwaffen, die sich durch leichte Anpassungen des Magazins in eine "Military-style Semi-Automatik" umwandeln lassen.

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