Wohl keine andere Serie im Jahr 2024 wurde kontroverser diskutiert und im Internet mit mehr toxischen Reaktionen überzogen wie The Acolyte. Die Star-Wars-Serie rund um die machtsensitiven Geschwister Osha und Mae musste wöchentlich mit jeder neuen Folge neue Häme und insbesondere frauenfeindliche sowie rassistische Kommentare über sich ergehen lassen.
Der oft gehörte Vorwurf: Die inzwischen eingestellte Serie sei zu woke
.
Und hier hätte Disney einschreiten müssen. Das findet zumindest Jodie Turner-Smith, die Darstellerin der Hexe Aniseya in The Acolyte.
Rassismus und Bullshit
Im Gespräch mit Glamour richtet Turner-Smith deutliche Worte in Richtung Disney und deren in ihren Augen schädliche Passivität rund um das Thema:
[Disney muss] damit aufhören, nichts zu sagen, wenn die Leute im Internet mit Rassismus und Bullshit beschimpft werden. Es ist einfach nicht fair, nichts zu sagen. Es ist wirklich unfair. Es wäre schön, wenn die Leute, die das ganze Geld haben, ihre Unterstützung zeigen und nicht die Füße hochlegen würden.
Sagt [den Leuten], dass das inakzeptabel ist: Ihr seid keine Fans, wenn ihr das tut
. Gebt ein wirklich großes Statement ab und schaut, ob ihr dadurch wirklich Geld verliert. Ich wette, das wird nicht der Fall sein, denn People of Color machen einen sehr großen Prozentsatz der kaufkräftigen Kunden aus.
Ihr würdet feststellen, dass es sogar lukrativer ist, aber jeder benutzt woke
, als wäre es ein Schimpfwort.
Jodie Turner-Smith selbst äußert sich nach wie vor begeistert über ihre Zeit in der weit, weit entfernten Galaxis. Vor allem Hauptdarstellerin Amandla Stenberg bekommt von ihr ein dickes Lob:
Ich habe noch nie mit jemandem gearbeitet, der mir einen kompletten Aufsatz über seinen Charakter vorgelegt hat. Sie hat so viel Sorgfalt und Liebe in diese Arbeit gesteckt, und es ist enttäuschend, wenn man das Gefühl hat, dass das Studio einem in der Öffentlichkeit nicht den Rücken stärkt.
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The Acolyte: Disney zeigt, wie die Kämpfe der Star-Wars-Serie entstanden sind
Morddrohungen, Review Bombing und das Ende der Serie
Vor allem Amandla Stenberg machte vor, während und auch noch nach der Ausstrahlung eine schwere Zeit durch. So offenbarte sie, sogar Morddrohungen erhalten zu haben.
Auch Wertungsaggregatoren wie Metacritic und Rotten Tomatoes zeigen das Problem auf. Während die Serie bei vielen Kritikern noch auf durchschnittliche Wertungen kam, wurden die Publikums-Scores von sogenanntem Review Bombing, also dem gezielten Vergeben von maximal niedrigen Wertungen, stark heruntergezogen.
So finden sich haufenweise Kritiken wie diese hier:
Star Wars wurde von selbstgefälligen Aktivisten übernommen, und das zeigt sich. Die rassistische DEI-Ideologie der Linken hat diese Propaganda hervorgebracht.
[…] Was hat Star Wars ihnen denn getan? Nun, ich denke, sie versuchen, alles mit der Agenda zu zerstören, also warum bin ich überrascht.
Keine echte Star-Wars-Show. Eher eine wahnhafte, woke Disney-Fan-Fiction.
Natürlich ist deshalb nicht jede Kritik zu The Acolyte automatisch diesem Milieu zuzuordnen. Viele negative Stimmen kommen mit fundierten Meinungen und ohne toxische Elemente daher.
Disney reagierte schlussendlich tatsächlich - aber nicht mit einem klaren Statement gegen Hass und Hetze, sondern mit der Einstellung von The Acolyte nach nur einer Staffel. Eine Entscheidung, die für Amandla Stenberg nach all dem Hass kein Schock
sei.
Einige Fans versuchten sogar, per Petition eine Staffel 2 zu erwirken, doch offenbar war diese Hoffnung vergebens.
Ob diese öffentliche Kritik an Disney den Konzern dazu bewegt, sich doch noch bei diesem Thema klar zu positionieren, bleibt abzuwarten. Gegenüber Forbes erzählte vor Kurzem ein anonymer TV-Produzent, weshalb seinesgleichen bei toxischen Diskussionen im Netz keine Flagge zeigt, sondern lieber still bleibt.
Man wolle toxischen Menschen keine Luft zum Atmen geben
. Daher antworte man lieber nur auf positive Kommentare
, die das Produkt, in dem Fall die Serie, emporheben
.
Eine Stellungnahme, die vielen Schauspielerinnen und Schauspielern in der heutigen Zeit wohl nicht gefallen dürfte.