Mit der fünften Staffel von The Boys endet 2026 nach knapp sieben Jahren eine der erfolgreichsten Amazon-Serien überhaupt. Vor 18 Jahren glaubte man allerdings noch nicht an den Erfolg einer brutalen Superhelden-Satire, zumindest nicht in Hollywood.
Schon 2008 hatte der US-amerikanische Regisseur Adam McKay (Anchorman; Don't Look Up) Pläne für eine Film-Trilogie zu The Boys, das erste Drehbuch war bereits fertig. Doch die Produktionsstudios lehnten allesamt ab.
Sie waren noch nicht bereit dafür
The Boys basiert auf den Comics von Autor Garth Ennis und Zeichner Darick Robertson. Letzterer verriet 2024 in einem Interview mit der Zeitschrift Rolling Stone, warum 2008 trotz der Bemühung von McKay nichts aus der Verfilmung geworden ist:
Eine Zeit lang versuchte Regisseur Adam McKay, The Boys in eine Filmtrilogie zu verwandeln, für den ersten Film gab es sogar ein fertiges Drehbuch und Demo-Animationen von Szenen, aber er bekam im Hollywood vor dem MCU kein grünes Licht dafür. (...) Ich glaube, sie waren einfach noch nicht bereit dafür.
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Während sich Superhelden-Filme in den 2010er-Jahren als wahre Goldesel entpuppten, war das in den frühen 2000ern lange nicht der Fall. Das Film-Genre war noch nicht im Mainstream angelangt. Eine Umsetzung, die der brutalen und anzüglichen Comic-Vorlage gerecht wurde, war den Studios in Hollywood deswegen offenbar ein zu großes Risiko.
Die Pläne kamen im selben Jahr auf, in dem mit Iron Man der Grundstein für das MCU gelegt wurde und The Dark Knight demonstrierte, dass auch düstere Superhelden-Filme zu Blockbustern werden konnten. Wäre McKay wenige Jahre später mit der Idee um die Ecke gekommen, hätte er vielleicht Erfolg gehabt.
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The Boys, aber anders
Bush statt Trump: The Boys orientiert sich am aktuellen Zeitgeist, das gilt für die ab 2006 erschienenen Comics genauso wie für die Serie. Beide Produktionen behandeln autoritäre Strömungen, die Zerstörung des Heldenmythos, Lobbyismus und Populismus. Doch die Akzente zeigen deutliche Unterschiede.
Während die Serie zusätzlich Themen wie Kommerzialisierung von Superhelden, Mega-Kirchen und natürlich die USA unter Donald Trump in den Fokus rückt, stehen in den Comics die Zeit nach dem 11. September 2001, die Präsidentschaft von George W. Bush Junior, Krieg und Terror im Zentrum. Bei einer Verfilmung von 2008 wäre es vermutlich ähnlich gewesen.
The Boy Light: Auch Darstellungen von Gewalt und sexuellen Handlungen, wie sie in der Serie beinahe in jeder Folge vorkommen, waren in Hollywood-Produktionen der 00er-Jahre im Grunde kaum existent. Außerdem war das Genre damals noch mehr mit Kindern und jungen Erwachsenen assoziiert als es heute der Fall ist. Eine drastische Entschärfung der Darstellung wäre demnach nahezu sicher gewesen.
Will Ferrell? McKay ist bekannt für seine ständige Zusammenarbeit mit Will Ferrell (Anchorman; Stiefbrüder), besonders in den 00er-Jahren. Es wäre gut möglich, dass der Schauspieler eine wichtige Rolle übernommen hätte. Aber das ist natürlich reine Spekulation.
Robertson verriet obendrein, dass Autor Garth Ennis ursprünglich plante, bestehende DC-Helden wie Batman und Superman abzubilden, während sie in aller Selbstverständlichkeit die Abgründe der Menschheit demonstrierten. Die ersten sechs Ausgaben erschienen bei dem DC-Unterlabel Wildstorm, die Chancen dafür standen also gar nicht so übel.
Am Ende bekamen wir anstelle von Superman, The Flash und Co. dann aber doch Homelander, A-Train und die anderen Super(helden
). Trotz der Entschärfung fand DC die Satire aber nicht so witzig und stampfte die Comic-Reihe ein. Zum Glück eilte der Verlag Dynamite Entertainment zu Hilfe und rettete The Boys.
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