The Conjuring und sein Filmuniversum waren noch nie perfekt. Ähnliche Muster, vorhersehbare Schockmomente, dünne Handlungsstränge, Logiklücken, der Katholizismus als einziger Ausweg ... und dann gibt es ja noch die ganze Kontroverse um die echten Ed und Lorraine Warren, denen Betrug und Manipulation vorgeworfen wurde.
Aber die Conjuring-Filme (einschließlich aller Spin-Offs) sind absolutes Guilty Pleasure für mich. Die hohe Produktionsqualität, die fantastische Stimmung, die visuellen Ideen und natürlich allen voran Vera Farmiga und Patrick Wilson in den Hauptrollen: Die Filme machen Spaß und ich kehre alle paar Jahre gerne zu ihnen zurück.
The Conjuring: Das letzte Kapitel schickt das Dämonologen-Ehepaar ab dem 4. September 2025 auf eine letzte Mission und dann in den Ruhestand. Mit seinen 136 Minuten Laufzeit ist es nicht nur der längste Film der Conjuring-Reihe, sondern auch der uninspirierteste.
Worum geht's in Conjuring 4?
Wie in der Reihe üblich, wird auch für The Conjuring 4 ein realer Fall als Vorlage genommen. Diesmal geht es um die Smurl Familie, die in den 1980er Jahren angeblich Opfer einer Dämonenbesessenheit werden. Die in Pennsylvania sesshafte Familie gab an, heimgesucht und körperlich wie seelisch misshandelt worden zu sein.
Im Film geht der Spuk von einem antiken Spiegel aus, den eine der Töchter zu ihrer Konfirmation geschenkt bekommt und in dem sich gleich mehrere Entitäten eingenistet haben.
Natürlich darf der letzte Fall der Warrens nicht einfach eine zufällige Familie betreffen – der Spiegel hat also selbstverständlich einen starken Bezug zu Ed (Patrick Wilson) und Lorraine (Vera Farmiga) ... und zu ihrer Tochter.
Denn kurz vor Judys (Mia Tomlinson) Geburt warf Lorraine während eines anderen Falls einen Blick in den verfluchten Spiegel und hetzte damit einen Dämon auf ihre ungeborene Tochter, der über zwei Jahrzehnte nicht locker ließ.
The Conjuring 4 entscheidet sich diesmal für eine ungewöhnliche Erzählstruktur. Mehr als die Hälfte des Films haben die Warrens nämlich nichts mit den Smurls zu tun. Denn eigentlich nehmen Ed und Lorraine keine Fälle mehr an.
Wir beobachten die beiden also in ihrem Alltag, wie sie Geburtstag feiern; Judys Freund in Verlegenheit bringen, ihm aber dann trotzdem ihre Zustimmung zur Verlobung geben; wie Ed zum Arzt geht, weil er Herzbeschwerden hat.
Erst im letzten Moment überschneiden sich die Erzählstränge und es folgt eine gehetzte Ermittlung und ein Finale, bei dem so viele Dinge zusammengeworfen wurden, dass ich kurz mit den Augen rollen musste. Details zur Story werde ich euch aber natürlich nicht spoilern.
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Conjuring 4: Die erfolgreichste Horror-Reihe aller Zeiten verabschiedet sich mit einem letzten Teil
Durchschnittlicher Popcorn-Horror ohne Tiefe
Eins vorweg: The Conjuring 4 ist keine Katastrophe. Wie gewohnt erwartet uns hier sehr hohe Produktionsqualität, die Lichtstimmung ist fantastisch, die Kamerawinkel und inszenierten Bilder unheimlich, Vera Farmiga und Patrick Willson in ihren Rollen als die Warrens wie immer grandios.
Aber The Conjuring 4 traut sich auch nichts. Die gruselige Stimmung wird fast ausschließlich durch Jump Scares erzeugt, die ich schon kilometerweit riechen kann. Ja, ich zucke mehrmals zusammen, aber Überraschungs-Schocker sind wirklich nicht die hohe Kunst des Horrors. Hier hätte ich mir mehr Mut gewünscht, auch mal neue Ideen auszuprobieren und sich nicht nur auf laute Soundeffekte zu verlassen.
Das letzte Kapitel scheint außerdem das Zepter abgeben zu wollen und rückt neben Ed und Lorraine auch Tochter Judy und ihren Verlobten Tony (Ben Hardy) mehr ins Zentrum der Ereignisse – verliert dabei aber den Fokus.
In den 2 Stunden und 15 Minuten springt der Film zwischen unterschiedlichsten Handlungssträngen hin und her, die sich erst im letzten Moment überschneiden. Dadurch wirken die Geschichten gehetzt, unvollständig und die Beteiligten recht blass ... und ihre Schicksale reißen mich deshalb auch bei Weitem nicht so sehr mit wie in den Vorgänger-Filmen.
Ein paar Szenen wirkten zudem sehr deplatziert und wie ein unglücklicher Vorwand, um ikonische »Charaktere« aus dem Conjuring-Universum als kleinen Fan-Service zurückzuholen.
Hinzu kommt, dass Ed und Lorraine zwischen den Filmen wohl jegliche Kompetenz verloren zu haben scheinen. Es wird nicht ganz klar, ob es ein schwacher Versuch war, den Katholizismus nicht mehr als alleiniges Heilmittel gegen Dämonen darzustellen ... oder ob der zusätzliche Fokus auf Judy die Ereignisse verwässert. Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem.
Der letzte Exorzismus verkommt durch all die merkwürdigen Entscheidungen allerdings zu einem Finale, bei dem ich mehrfach den Kopf schütteln muss und dann mit einem unbefriedigtem Gefühl aus dem Kinosaal gehe. Gesiegt hat die Macht der Liebe oder so ...
Für wen lohnt es sich also?
Wenn ihr absolute Fans der Reihe seid und auch alle Spin-Offs verschlungen habt, dann werdet ihr trotzdem Spaß mit The Conjuring: Das letzte Kapitel haben. Es ist nun mal trotz allem solider Popcorn-Horror, den man sich gemeinsam mit Freunden reinziehen kann. Und allzu ernst sollte man die Conjuring-Filme ja so oder so nicht nehmen.
Trotzdem bin ich über das große Finale enttäuscht. Dabei habe ich gar nicht so viel erwartet: Ein Film, der sich nochmal komplett auf das Warren-Ehepaar konzentriert und einfach nur eine spannende, klassische Dämonen-Geschichte erzählt, wäre hier vielleicht die bessere Wahl gewesen.
Die Conjuring-Reihe hat das Genre schon mit den ersten Filmen nicht auf den Kopf gestellt. Warum ausgerechnet der krönende Abschluss von der Formel abweicht und ein verwässertes Chaos erschafft, bleibt mir schleierhaft. Aber vielleicht wird damit ja eine neue Spin-Off-Reihe mit Judy in der Hauptrolle eingeleitet ...
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