Schamlos gelogen
Jonas Gössling (Video-Redakteur):
Trotz aller Kontroversen vor dem Release war ich absolut unvorbereitet, was The Day Before wirklich ist – und wie schamlos Fntastic unsere Neugier immer wieder ausgenutzt hat. Das fängt damit an, dass es ist trotz aller Versprechen und Erklärungen kein MMO-Shooter ist. Hier hat Fntastic nicht nur schwammig geredet, sondern schlicht gelogen.
Noch heute ist auf der Steam-Produktseite von einem »Open-World-MMO« die Rede. Stattdessen ist The Day Before nun also ein Extraction-Shooter – und zwar von der allersimpelsten Sorte.
Ich suche mir eine von drei Missionen aus und muss am Zielpunkt drei Gegenstände einsammeln. Das war's. Da warten keine großen Story-Enthüllungen, keine komplexeren Missionen, kein gar nichts. So enttäuschend!
Die Welt ist unglaublich statisch und leer. Ich kann nur einen Bruchteil der Gebäude betreten, die meisten sind verrammelt. Fntastic hat vorher in den Trailern ein völlig anderes Spiel suggeriert und man kann nicht anders, als sich beim Spielen konstant hereingelegt zu fühlen. Die Macher haben sogar mittlerweile viele alte Videos von ihrem YouTube-Kanal gelöscht, die einen Open-World-MMO-Shooter versprachen.
10:51
The Day Before ist unfertig und nicht einmal das Spiel, das es sein sollte!
The Day Before ist streng genommen noch im Early Access – es kann also noch besser werden. Und das grundlegende Spielprinzip ist ja nicht verkehrt. Spiele wie The Division oder Hunt: Showdown zeigen, wie viel Spaß das Genre machen kann.
Aber nicht nur fehlt es The Day Before aktuell an allen Ecken und Enden an Feinschliff und Inhalten. Entwickler Fntastic ist auch in den vergangenen Jahren nicht unbedingt mit Spielpflege aufgefallen. Propnight bekam etwa irgendwann einfach keine Updates mehr. Wer sagt, dass das bei The Day Before nicht auch so wird?
Endlose Leere
Peter Bathge (Redakteur):
Wären Spiele wie Weine, dann wäre The Day Before eine Flasche abgestandenes Spülwasser. Als mir zum Ausklang dieses fantastischen Spielejahrs 2023 noch all die erlesenen Tropfen von Larian, Nintendo, Remedy und anderen Studios auf der Zunge lagen, hat mich das Hinunterstürzen von The Day Before im übertragenen Sinne mit einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert.
Ich bin immer noch geschockt. Erstens darüber, dass Entwickler Fntastic an diesem Prototypen (mehr ist das Spiel im aktuellen Zustand nicht) satte fünf Jahre gearbeitet hat. Und zweitens angesichts der Tatsache, dass bei den Machern irgendwann jemand gesagt hat: »Jep, das ist gut genug für Early Access. Dafür können wir mit Stolz 40 Euro verlangen.« Ich habe schlechte Neuigkeiten: Nein, das ist es nicht und nein, das könnt ihr nicht, liebe Entwickler.
Von der einstmals versprochenen schicken Grafik ist nichts mehr übrig, The Day Before sieht veraltet aus und ruckelt dennoch wie verrückt auf meinem Ryzen 7 7700 mit 32 GB RAM und Radeon RX 7900 XTX. Dazu kommt die Abwesenheit jeglicher Atmosphäre. Die Welt wirkt wild zusammengebaut, der Sound ist praktisch nicht existent, Musik gibt es nur im Lager, eine spannende Lore oder auch nur das Feigenblatt einer Geschichte sucht man vergeblich.
Zehn Jahre nach DayZ macht The Day Before nirgends auch nur einen Schritt nach vorn, im Gegenteil versprüht es erheblich weniger Spannung als Dean Halls damalige Genre-Revolution. Angeflanschte Elemente wie der Basisbau wirken fast schon lächerlich inkonsequent. Wer auf einen menschlichen Gegner stößt, ist regelrecht erleichtert, weil zumindest mal irgendwas passiert, auch wenn der Gewinner dieser hakeligen Kämpfe fast immer vom Zufall ausgewählt wird.
The Day Before versagt für mich in allen Belangen: Als Shooter, als Early-Access-Titel, als Aushängeschild für Fntastic. Ich kann nur jedem raten (auch mit Blick auf die gebrochenen Versprechen im Lauf der Entwicklung): Haltet euch von zukünftigen Spielen dieses Studios fern. Sie sind den Ärger nicht wert.
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