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Seite 2: Total Recall 2012 - Zum Vergessen

Und in der Praxis?

In der Praxis wirkt die Neuverfilmung von Total Recall austauschbar und einfallslos. Die Special Effects sind handwerklich sauber umgesetzt, aber nie überraschend. Einige Actionszenen sind in die Länge gezogen, ohne dadurch spannender und dementsprechend sehenswerter zu werden - unnötig. Die psychologische Frage nach dem „Was ist real?“ spielt fast keine Rolle mehr, zum Mitdenken wird also nicht viel geboten. Total Recall ist kein cleverer Film, der seine Zuschauer nach dem Kinobesuch lange begleitet – ein Makel, den man einem Actionfilm verzeihen kann.

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Wenn schon nicht denken, dann will ich bei einem Actionfilm aber wenigsten mitfiebern können. Und hier liegt vielleicht die größte Schwäche des Films. Underworld-Regisseur Len Wiseman gelingt es nicht, die Bedrohung, die in dieser fiktiven Welt für die Hauptfiguren aber besonders auch für die Bewohner der Kolonie herrscht, glaubwürdig zu vermitteln.

Der Held kämpft, aber sein Schicksal und das der unterdrückten Menschen bleibt mir beim Zusehen völlig egal. Da war der Schwarzenegger-Film von 1990 viel weiter. Die Mars-Mutanten von Verhoeven hatten Gesichter und Geschichten, sie waren entstellt, aber greifbar und einige sogar herzlich. Ich wollte nicht, dass ihnen Schlechtes widerfährt. Ich hatte diese Figuren kennen gelernt, sie waren mir wichtig.

Lieber mit Arnie

Auch beim Hauptdarsteller kann die 2012er Version nicht mithalten: Arnold Schwarzenegger wird nie als klassischer Charakter-Darsteller in die Filmgeschichte eingehen. Aber so merkwürdig es klingt, für die Rolle des Arbeiters Quaid, der unfreiwillig in eine Spionagegeschichte hineingezogen wird, war Arnie die bessere, glaubwürdigere Wahl. Colin Farrell wirkt im neuen Total Recall immer etwas zu spitzbübisch, zu abgeklärt. Er ist der Agent, der kurzzeitig einen einfachen Mann spielt. Schwarzenegger war der einfache Bauarbeiter, der nicht fassen kann und nicht akzeptieren will, dass er früher ein Superagent war.

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Kate Beckinsale macht in ihrer ersten Bösewicht-Rolle hingegen eine gute Figur. Ohne Rücksicht auf Verluste jagt sie Quaid und widersetzt sich dabei auch direkten Anweisungen ihres Kanzlers (gewohnt gut: Bryan Cranston). Obwohl so auch Unbeteiligte in ihre Schussbahn kommen, ist der neue Total Recall längst nicht so brutal wie die erste Verfilmung – die zeitweise auf dem Index war. Die Hochglanz-Renderwelt von Len Wiseman bleibt selbst in den vermeintlichen Slums der Kolonie noch zu sauber. Die Elendsviertel der Gegenwart wären wohl die schlimmere Erinnerung.

Fazit

Christian Schneider: Wer das Buch und den ersten Film kennt, wird vom neuen Total Recall wahrscheinlich enttäuscht. Es geht um nichts, es gibt keine Überraschungen, nichts zu entdecken. Als Actionfilm in einem technisch solide umgesetzten Zukunftssetting kann Total Recall zwar durchaus punkten, aber dem Namen wird diese weichgespülte Neuverfilmung nicht gerecht.

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