Filmkritik zu Tron Ares: Die Fortsetzung der Kult-Reihe sieht makellos aus, aber genau das ist ihr größtes Problem

Als Fan blicke ich auf Tron: Ares und finde in der makellosen Fassade eines Sci-Fi-Epos nur Leere, Glanz und das Echo vergangener Visionen.

Ich mag sogar den ersten Teil, der weniger ein guter als ein wegweisender Film war. (Bildquelle: Disney, GameStar) Ich mag sogar den ersten Teil, der weniger ein guter als ein wegweisender Film war. (Bildquelle: Disney, GameStar)

Auf zwei Blockbuster habe ich mich in diesem Jahr besonders gefreut: auf Tron: Ares und Avatar 3: Fire and Ash. Letzterer steht uns noch bevor.

Dabei sei vorweggesagt: Kino muss für mich nicht immer große Geschichten erzählen oder mit tief gezeichneten Figuren überzeugen. Manchmal genügt es, wenn es mich audiovisuell überwältigt, wenn es einfach gut aussieht und gut klingt.

Tron: Ares schien für mich genau in diese Kategorie zu fallen. Und die ersten Kritiken gingen auch in die Richtung: Der dritte Teil der Tron-Reihe sei ein berauschendes Erlebnis für Augen und Ohren, dem es allerdings an Seele fehle.

Dem kann ich nur zustimmen, allerdings mit einem Zusatz. Denn selbst auf der Ebene, auf der Tron: Ares eigentlich glänzen sollte, enttäuscht mich der Film maßlos.

Leere Figuren in leuchtenden Kulissen

Schon nach wenigen Minuten merke ich, dass etwas fehlt: dieser digitale Herzschlag, der Tron: Legacy einst durchzog und seine Welt mehr als nur leuchten ließ. Die Figuren bewegen sich durch neonrot leuchtende Kulissen, doch diese Welt, die bewusst künstlich wirkt, lässt jede Spur von Leben vermissen.

Jared Leto bleibt in seiner Rolle als Ares so distanziert, dass ich nie das Gefühl bekomme, er wäre mehr als eine perfekt designte Hülle. Nach seinen Auftritten in Morbius und Suicide Squad überrascht das leider kaum:

Er schafft es erneut nicht, seiner Figur glaubhaft Leben einzuhauchen – obwohl er längst bewiesen hat, dass er es kann. Für Dallas Buyers Club erhielt er einst einen Oscar.

Auch ist viel zu schnell klar, welche Entwicklung Ares nimmt. Wobei Entwicklung eigentlich schon zu viel gesagt ist.



Jared Leto sieht als Ares zwar cool aus, aber mehr auch nicht. (Bildquelle: Disney) Jared Leto sieht als Ares zwar cool aus, aber mehr auch nicht. (Bildquelle: Disney)

Auch Greta Lee (alias Eve Kim), die offenbar als zentrale Figur neben Ares gedacht war, bleibt blass. Ihr Spiel entfaltet weder Tiefe noch jene Strahlkraft, die eine emotionale Verbindung entstehen ließe.

Gillian Anderson als Elisabeth Dillinger hätte dieser makellosen Welt Tiefe verleihen können, doch auch sie verliert sich im Nichts der Inszenierung. Mehr als ihren Filmsohn unentwegt zu ermahnen, scheint man ihr nicht zugetraut zu haben. Dabei weiß jeder, der sie in Sex Education oder The Crown gesehen hat, wozu sie fähig ist. Gerade deshalb schmerzt ihr verschenktes Potenzial so sehr.

Am überzeugendsten ist noch Evan Peters als Julian Dillinger, der seinen Antagonisten zwar eindimensional, aber immerhin konsequent spielt. Es ist wenig, doch es funktioniert – in einer Welt, die sonst nur glüht, aber nicht brennt.

Eine Idee ohne Bewusstsein

Was die Geschichte angeht, so stolpert sie zwischen großen Ideen und orientierungslosen Momenten hin und her. Es gibt keinen klaren roten Faden, nur das Gefühl, dass man längst weiß, wohin alles führen wird. Und als die Figuren dann endlich dort ankommen, habe ich emotional schon längst abgeschaltet.

Dabei liegt in Tron: Ares eigentlich ein hochaktuelles Thema: der Einbruch Künstlicher Intelligenz in die physische Welt.

Doch der Film streift Fragen von Bewusstsein, Autonomie, Verantwortung nur flüchtig, ohne sie je wirklich zu durchdringen. Ares sucht nach seinem eigenen Ich, doch der Film selbst wirkt seltsam geistlos. Als hätte die KI das Menschliche längst überschrieben, nur will niemand es bemerken.

Bis hierhin gehe ich mit den Kritikerinnen und Kritikern d’accord. Doch danach trennen sich unsere Wege.

Wenn Perfektion das Staunen ersetzt

Denn auch visuell spiegelt sich meiner Meinung nach diese Leere wider. Das CGI sitzt perfekt, beinahe klinisch präzise, aber es bleibt unterkühlt, ohne jede Textur.

Tron: Legacy war gewiss kein erzählerisches Meisterwerk, doch Regisseur Joseph Kosinski gelang es, eine glaubhafte Welt zu erschaffen: ein Raster, das Leben atmete. Joachim Rønning hingegen schneidet viel zu oft, in zu hoher Kadenz zwischen dem Grid und realer Welt. Diese ständigen Brüche machen den Film unruhig; sie lassen mich in keine der beiden Welten wirklich eintauchen.

Ja, es leuchtet alles schön neonrot, die Lightcycles schneiden durch das Dunkel wie Blitze – und doch bleibt nichts, was wirklich nachhallt.

Die Retro-Ästhetik zitiert das frühere Tron-Universum, doch sie wirkt nur noch wie eine Simulation ihrer selbst. Eine ästhetische Schleife ohne Risiko, ohne Widerspruch, ohne Herz.



Der Klang der Leere

Selbst die Musik, auf die ich mich besonders gefreut hatte, kann mich nicht auffangen. Trent Reznor und Atticus Ross, die Nine Inch Nails, haben oft gezeigt, wie man mit Klangräumen Emotionen formt. Hier aber bleiben ihre Sounds kaum mehr als Soundeffekte.

Ich erinnere an ihre düsteren, einprägsamen Kompositionen für die Watchmen-Serie – voller Spannung, Tiefe und Schmerz. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. Stattdessen bekomme ich ein Klanggewitter, an das ich mich schon jetzt kaum mehr erinnern kann.

Im Nachgang habe ich mir den Soundtrack in Gänze angehört. Und erstaunlicherweise gefällt er mir weit besser als im Film. Auf der Leinwand wirkt er oft fehl am Platz, als würde er gegen die Bilder anspielen statt mit ihnen. Fast so, als stamme er aus einem anderen Film.

Vielmehr dröhnt er, als wolle er ihn wachrütteln – doch er schläft längst in einem digitalen Traum, aus dem es kein Erwachen mehr gibt. Wo Daft Punk einst für Tron: Legacy einen Soundtrack für die Ewigkeit schufen, der mir selbst 15 Jahre später noch in den Ohren klingt, bleibt diesmal nur ein kalter Nachklang zurück.

Das Kino als Algorithmus

Vielleicht war meine Erwartung zu hoch. Vielleicht wollte Tron: Ares das wiederholen, was Tron und Tron: Legacy einst so besonders machte: dieses Gefühl von Staunen, als Kino und Computerästhetik perfekt verschmolzen, als die Beats von Daft Punk nicht nur begleiteten, sondern erzählten.

Doch was damals Kreativität war, ist heute Routine. Die Zutaten sind die gleichen, doch der Zauber ist verschwunden.

Ares versucht verzweifelt, ästhetisch am Vorgänger anzuknüpfen – und verliert sich dabei. Alles wirkt auf Hochglanz poliert. Beeindruckend, aber ohne Puls.

Am Ende verlasse ich das Kino nicht elektrisiert wie 2010, sondern unangenehm leer. Es flimmert noch ein bisschen nach, aber ohne Bedeutung. Für einen Moment hoffe ich, dass die Lichter wieder angehen, nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in dieser Welt, die ich eigentlich so liebe. Doch Tron: Ares bleibt, was er ist: ein seelenloser Schatten seiner selbst.



Fazit der Redaktion

Alexander Köpf
@NebulaMutara

Tron: Ares will größer, lauter und moderner sein als seine Vorgänger – und verliert dabei genau das, was die Reihe einst besonders machte: Seele, Atmosphäre und die Fähigkeit, mich staunen zu lassen.

Die Handlung bleibt oberflächlich, die Figuren wirken leblos, und selbst das Design, so makellos es auch sein mag, strahlt keine echte Faszination aus. Jared Leto überzeugt nicht als Ares, Greta Lee und Gillian Anderson bleiben unterfordert, einzig Evan Peters bringt eine Spur von Konsequenz in diese sterile Welt.

Auch musikalisch kann der Film nicht an das Erbe von Tron: Legacy anknüpfen: Der Score von Trent Reznor und Atticus Ross ist für sich genommen zwar solide, fügt sich aber kaum stimmig ins Geschehen ein – als wäre er für einen anderen Film komponiert worden.

Letztlich bleibt Tron: Ares ein Sinnbild seiner eigenen Themen: ein Werk über Künstliche Intelligenz, das selbst algorithmisch wirkt.

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