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US-Heimatschutzbehörde veröffentlicht geschmackloses Video von Abschiebungen mit Pokémon-Song, jetzt äußert sich Pokémon

Der US-Heimatschutz veröffentlichte kürzlich ein geschmackloses Video, in dem Festnahmen von Migranten mit dem Pokémon-Song unterlegt werden.

Die Pokémon-Serie vermittelt eigentlich Werte wie Zusammenhalt, Freundschaft und Gemeinsamkeit. Bildquelle: The Pokémon Company International, Inc. Die Pokémon-Serie vermittelt eigentlich Werte wie Zusammenhalt, Freundschaft und Gemeinsamkeit. Bildquelle: The Pokémon Company International, Inc.

Update: Mittlerweile hat sich die Pokémon Company mit einem offiziellen Statement gemeldet.

Gaming-Inhalte wie Memes oder beliebte Charaktere werden immer wieder auch außerhalb des Spielkontextes genutzt. Etwa als Prüfungsfrage in der Schule oder weil eine Fahrschule ikonische Designs adaptiert. Dass nun aber die US-Heimatschutzbehörde Pokémon für geschmacklose Abschiebewerbung nutzt, hatte vermutlich keiner auf seiner Bingo-Karte.

Und doch ist genau das passiert. In einem kürzlich veröffentlichen Video auf X (ehemals Twitter) werden Videoschnipsel von Verhaftungen und Razzien mit dem ikonischen Pokémon-Song unterlegt. Überschrieben ist das Video mit dem Refrain des Liedes: Gotta Catch ‘Em All. Zu Deutsch: Schnapp sie dir alle.

Das Video haben wir euch bewusst nicht in den Artikel eingebunden. Zwar sind alle gezeigten Personen unkenntlich gemacht worden, die dargestellten Szenen sind trotzdem schwer zu ertragen.

Pokémon-Karten aus Fahndungsfotos

Doch damit noch nicht genug. Nachdem die Behörde das Video veröffentlichte, erstellte sie aus verschiedenen Fahndungsfotos Montagen, die an Pokémon-Karten erinnern. Mit einem Worst of the Worst-Sticker und einem Lebenspunkt stellen sie hier Fahndungsfotos von Migranten aus:

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Bei den hier gezeigten Fotos handelt es sich um Migranten, die bereits von der Behörde verhaftet worden sind. Ziel scheint also nicht die aktive Öffentlichkeitsfahndung, sondern lediglich eine Zurschaustellung der Verhaftungserfolge als Sammelkarte zu sein.

Auf einige Kommentare antwortete der Account der Behörde außerdem mit weiteren Gifs aus dem Pokémon-Universum.

Die amerikanische Polizei- und Zollbehörde (ICE) des Ministeriums für innere Sicherheit (DHS) steht immer wieder für seine Praktiken in der Kritik. Der Behörde wird unter anderem vorgeworfen, US-Bürger trotz legaler Aufenthaltsgenehmigung in Razzien zu verhaften und abzuführen, weil sie einen Migrationshintergrund haben. Darüber hinaus sollen Gefangene schlecht behandelt werden und Angehörige keine Information über ihr Verbleiben erhalten.

Schon vor diesem Video fielen hochrangige Mitarbeitende wie der Chef der ICE-Behörde mit teils haarsträubenden Aussagen auf. So soll er laut des Guardian auf einer Konferenz darüber sinniert haben, die Abschiebetätigkeiten als Geschäft aufzubauen und Migranten wie Amazon Prime für Menschen abschieben zu wollen.

Nintendo sollte euch verklagen

Unter dem Video selbst finden sich unzählige Kommentare, die ihr Entsetzen über die erschreckende Werbung kundtun. Sie vertaggen zu hunderten die offiziellen Kanäle von Nintendo und Pokémon und bitten die Firmen um schnelle Reaktion. Sie sollen die Behörde und ihr Video wegen eines Verstoßes gegen das Urheberrecht verklagen.

Das Video ist seit dem Mittag vom 23. September 2025 online. Bisher wurde es noch nicht offline genommen. Eine Reaktion des offiziellen Nintendo-Kanals gab es bisher noch nicht. Der ehemalige Leiter der Pokémon-Rechtsabteilung in den USA teilte IGN gegenüber mit, er glaube, dass die Pokémon Company bisher aus verschiedenen Gründen (noch) nicht aktiv geworden sei:

Ich glaube, sie sind aus mehreren Gründen noch nicht aktiv geworden. Einerseits müsst ihr daran denken, wie wenig ihr den Namen [der Pokémon Company] in der Presse seht. Sie sind UNGLAUBLICH öffentlichkeitsscheu und lassen die Marke einfach die Marke sein. Andererseits haben viele ihrer Chefs in den USA eine Green Card [Anm. d. Redaktion: also eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in den USA]. Selbst wenn ich noch in der Firma wäre, würde ich die Finger davon lassen. Und ich war bekannt dafür, der abmahnfreudigste [eng. triggerhappy] Chef der Rechtsabteilung zu sein. Der Staub wird sich in ein paar Tagen wieder legen und darüber werden sie froh sein.

Ob sich der Staub tatsächlich legen wird, oder ob das Entsetzen und damit der Druck auf die Behörde, die Pokémon Company, Nintendo oder gar X als Plattform wächst, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Die Pokémon Company äußert sich

Einige Tage nach der Veröffentlichung des Videos hat sich nun die Pokémon Company gegenüber Kotaku geäußert:

Wir wissen von dem veröffentlichten Video der amerikanischen Heimatschutzbehörde, welches Bilder und Sprache verwendet, die mit unserer Marke in Verbindung stehen. Unsere Firma war nicht bei der Erstellung oder Verbreitung des Videos beteiligt und es wurde keine Erlaubnis erteilt, unser geistiges Eigentum zu nutzen.

So weit, so bereits vermutet. Ob die Pokémon Company aber nun auch Gebrauch von ihrem Recht macht und das Video aufgrund von Urheberrechtsverletzungen offline nehmen wird, bleibt unklar. Aktuell ist es noch online und wurde mittlerweile über 71 Millionen mal allein auf X angesehen. Die Behörde selbst hat seit der Veröffentlichung des Videos und einiger weniger Antworten auf den Tweet sich nicht mehr mit Pokémon beschäftigt.