Die Nachricht über die kommende Werbung für WhatsApp machte mir erneut deutlich: Ich will diesen Dienst nicht mehr nutzen. Es reicht.
Doch dann denke ich an meine Eltern, die Familiengruppe und meine Freunde. So einfach ist es nicht, zu wechseln. Denn die meisten sind bei WhatsApp – obwohl so viele Dinge stören. Wie kann es sein, dass wir bei einem Dienst bleiben, der uns immer mehr nervt?
Warum ich von WhatsApp Abschied nehmen will
Werbung: Erst kürzlich kursierte die Nachricht, dass WhatsApp nun im Messenger Werbung schalten will. Künftig will Meta, das WhatsApp vor einigen Jahren aufkaufte, im Bereich Aktuelles
Anzeigen zulassen. In dem Messenger, den ich dafür nutze, mit Freunden und meiner Familie zu kommunizieren.
In dem Bereich, in dem ich mir anschaue, was meine Kontakte jetzt gerade machen, wo sie im Urlaub sind oder in welcher lustigen Position ihr Hund mal wieder eingeschlafen ist. Zwar kommt diese Werbung erstmal
nicht zu uns in die EU, aber das ist vermutlich nur eine Frage der Zeit.
Ein weiterer Schritt, der das Gefühl von Privatsphäre im Messenger schrumpfen lässt. In einem Blogpost (via WhatsApp.com) aus dem Jahr 2012 warnt das ursprüngliche Team von WhatsApp: Denkt dran. Wenn Werbung im Spiel ist, seid ihr als Nutzer das Produkt.
KI: Plötzlich war da dieser blaue Kreis in WhatsApp. Meta-AI kam durch die Tür hereinspaziert und setzte sich an den gedeckten Tisch. Ohne anzuklopfen, mit einem kurzen Hallo und ohne Aussicht darauf, jeweils diesen Tisch wieder zu verlassen. Eine KI in einem Messenger kann hilfreich sein, aber der Fakt, dass man das Feature nicht deaktivieren kann, nervt.
Jeder muss es haben. Jedoch ist die Nutzung keine Pflicht. Wie sicher sind meine Daten aus den privaten Chats denn noch, wenn stets eine KI anwesend ist? Meta sagt: Nur die Anfragen, die ein Nutzer direkt an Meta AI schickt, werden von Meta verarbeitet und zur Analyse und Training genutzt.
Datenschutz: Bei der Übernahme durch Facebook/Meta wurde mir und vielen weiteren meiner Freunde mulmig. Gerade der Konzern, dessen Geschäftsmodell auf Datensammlung basiert, übernimmt nun den Messenger?
Trotz Ende-zu-Ende-Verschlüsselung landet eine Menge an Daten nun bei Meta. Zwar sickern die Inhalte meiner Nachrichten nicht durch – allerdings sieht man, wer zu welcher Zeit mit wem chattet. Was ihr zum Datenschutz bei WhatsApp wissen müsst.
Was sind die Alternativen?
Die offensichtlichen Kandidaten: Als Alternativen zu WhatsApp werden oft Threema und auch Signal genannt.
- Signal hat einen großen Fokus auf Sicherheit und Datenschutz, dafür aber teilweise weniger komfortable Features für beispielsweise Gruppenchats
- Threema bietet viel Anonymität (kann ohne Telefonnummer genutzt werden), ist dafür aber kostenpflichtig.
Beide Alternativen nutzen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und verzichten auf Werbung. Erst kürzlich versprach Signal: Keine KI und keine Werbung bei uns. Doch der Nachteil liegt auf der Hand: Gegen die etwa 3 Milliarden Nutzer auf WhatsApp kommt Signal mit etwa 40 Millionen Nutzern und Threema mit etwa 12 Millionen Nutzern kaum an.
Mehr zu den WhatsApp-Alternativen zeigen wir euch hier:
Darum kann ich nicht wechseln
Mir geht es da vermutlich genauso, wie vielen von euch. Ihr wollt gerne wechseln, aber das Umfeld ist nun mal fast ausschließlich bei WhatsApp vertreten. Es ist der größte Messenger, die Installation ist kostenlos und irgendwie hat es ja auch jeder
.
- Die Schulklasse oder der Kindergarten organisiert dort Events und gibt Infos bekannt
- In der Familiengruppe werden Bilder und Termine geteilt
- Mit Freunden spricht man sich für Treffen ab oder versinkt in Sprachnachrichten
- Ich bekomme täglich 50 bis 100 Nachrichten bei WhatsApp (ob die alle so wichtig sind, sei mal dahingestellt)
Es spielt sich viel in WhatsApp ab. Und wer installiert schon extra eine App, nur weil dieser eine Kontakt kein WhatsApp benutzen will? Wenn ich also den Messenger deinstalliere, dann erreichen mich meine Kontakte noch übers Telefon oder per SMS oder eben über eine der genannten Alternativen.
Es wird also vermutlich erst einmal sehr still. Aber irgendjemand muss den ersten Schritt machen, um zu schauen, ob die anderen nachziehen. Oder?
Ich wage den Versuch: Tschüss, WhatsApp
Statt mich jetzt weiter darüber zu ärgern, in welche Richtung sich WhatsApp entwickelt und trotzdem weiterzumachen, will ich es versuchen. Ich springe für euch ins kalte Wasser. Was soll schon passieren?
Ich werde meine Kontakte informieren, dass sie mich ab jetzt bei Signal erreichen können. Meine Telefonnummer haben sie ja – ein Anruf, eine SMS oder ein persönliches Treffen funktionieren natürlich weiterhin. Ich bin gespannt darauf, ob jemand mitzieht oder ob ich jetzt ein paar Tage kaum bis gar nichts von meinen Kontakten höre.
Ein bisschen »Fomo« (Fear of missing out) schwebt durch den Raum. Was ich wohl alles verpasse?
Ich werde das Ganze mal für 14 Tage ausprobieren und euch anschließend berichten. Ich kann mir vorstellen, dass ein paar Kontakte mit mir wechseln. Vielleicht sogar so viele, dass ich gar nicht mehr zurückwill. Vielleicht zieht aber auch niemand mit und ich sitze erst einmal ganz ohne Messenger-Nachrichten im Internet.
Nutzt ihr noch WhatsApp und wollt wechseln oder seid ihr zufrieden?

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