Entfernt sich WoW von seinen Wurzeln? Langjähriger Designer übt Kritik

Nach über 13 Jahren verlässt ein Designer von WoW jetzt das Team. Als Grund erklärt er, dass es sich zu sehr von dem entfernte, was ein MMORPG ausmacht.

von Mathias Dietrich,
20.11.2020 09:40 Uhr

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Wenn ein Designer ein Entwicklerstudio verlässt, ist das meist nicht sehr aufsehenerregend. Chris Kaleiki arbeitete jedoch seit nunmehr 13 Jahren an World of Warcraft und nannte in einem 15-Minuten-langen Video (siehe oben) bemerkenswerte Gründe für seinen Fortgang. So verlässt er das Tean, weil er der Meinung ist, World of Warcraft entferne sich zu sehr von seinen MMORPG-Wurzeln.

Ganz alleine dürfte er mit seiner Meinung nicht dastehen. Der Release von World of Warcraft Classic im Jahr 2019 zeigte, dass viele Spieler ein Interesse daran haben, doch lieber wieder die ursprüngliche Version des MMORPGs zu spielen. Kaleki selbst erklärt zudem, dass gerade WoW Classic ihm zeigte, was WoW heutzutage fehle.

Was misfällt dem Designer an WoW?

Im großen und Ganzen stellt der Designer insgesamt drei Punkte heraus, die ihn mittlerweile stören und die zudem miteinander verbunden sind.

Es geht ihm vor allem darum, dass WoW eigentlich kein richtiges MMORPG mehr ist. Denn dieser Schwerpunkt wurde im Laufe der Zeit immer weiter abgebaut.

Von Gilden bis zur Progression

Weniger anonym: Gilden sollen ihm zufolge früher viel wichtiger gewesen sein als heutzutage. Wer im Endgame etwas erreichen wollte, musste einer Gruppe Gleichgesinnter beitreten. Das habe Kaleiki zufolge teils zwar zu Restriktionen geführt - immerhin musste man sich absprechen, um etwa einen Dungeon oder Raid anzugehen - gleichzeitig erschuf es aber auch ein Gemeinschaftsgefühl.

Dieser Fokus verschwand im Laufe der Zeit jedoch immer mehr, wodurch Kaleiki zufolge auch der Fokus auf die Spieler selbst verloren ging. Stattdessen drehe sich jetzt alles nur noch um die Geschichte und die NPCs.

Progression zu wichtig: Weiter empfindet er, dass der Fokus von World of Warcraft heutzutage zu sehr auf diversen Fortschrittssystemen liege statt auf dem Kerngameplay. Es sei ihm hierbei zufolge wichtig, dass sich ein MMORPG auf die Dinge konzentriere, die nur ein MMORPG umsetzen kann und nennt dabei erneut die Gilden als Beispiel.

Bei GameStar testete Michael Graf seinerzeit World of Warcraft als Trainee. Zum Release von WoW Classic erinnerte auch er sich noch einmal an die Anfangszeit des MMORPGs zurück.

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Was steckt dahinter?

Bei Kaleikis Aussagen handelt es sich selbstverständlich nur um seine subjektive Meinung, was er auch klarstellt. Es sei kein generelles Problem mit dem Spiel, sondern was er von ihm erwartet. Auch wünscht er seinen Kollegen alles Gute und denkt, dass das kommende Addon Shadowlands durchaus erfolgreich sein wird. Auch er selbst wird es spielen, auch wenn er lieber an einer neuen virtuellen Welt arbeiten will.

Grundsätzlich ist es verständlich, wenn manche einer lieber alleine loszieht, um etwa schnell einen Dungeon zu erledigen und sich dafür nicht erst mit Freunden oder Fremden auf dem Server verabreden will. Gleichzeitig wird das Spiel selbst dadurch anonymer. Denn wer eine Gruppe nicht mag, verlässt diese einfach und wir die jeweiligen Spieler wohl nie wieder sehen.

Ob ihr eher bei Shadowlands oder der Classic-Version aufgehoben seid, sagen wir euch in einem Special, in dem wir die Unterschiede zwischen beiden im Detail hervorheben und darauf eingehen, welche Variante sich für welche Art von Spieler besser eignet.

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World of Warcraft geht genauso weiter wie auch die Classic-Variante. Während ersteres bald mit Shadowlands das nächste große Addon bekommt, erhält Classic zumindest vorerst mit Naxxramas das letzte große Inhaltsupdate.

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