Xbox One Abwärtskompatibilität - Neue Studie: Lautstark gefordert, dann nie genutzt?

Flaute für Microsoft? Trotz einer Bibliothek aus über 200 Xbox-360-Titeln benutzt offenbar fast niemand den Service auf Xbox One. Wir haken nach.

von Dimitry Halley,
07.06.2017 14:57 Uhr

Die Xbox One bietet eine umfangreiche Abwärtskompatibilität. Nur nutzt den Service laut einer Studie kaum jemand.Die Xbox One bietet eine umfangreiche Abwärtskompatibilität. Nur nutzt den Service laut einer Studie kaum jemand.

Statistiken sind so eine Sache. Sie dienen häufig als Grundlage für extrem spannende Statements, allerdings muss man solche Angaben meist von mehreren Seiten einordnen, um ihnen vollends gerecht zu werden. So auch bei der folgenden Meldung: Laut Tech-Portal Ars Technica verwenden Xbox-One-Spieler insgesamt nur 1,5 Prozent ihrer Nutzungszeit für die 300 aufwärtskompatiblen Xbox-360-Titel, die aktuell auf der Konsole verfügbar sind. Oder anders: Gefühlt nutzt kein Mensch das Angebot.

Über eine spezielle Drittanbieter-API-Schnittstelle konnten die Statistiker diverse Nutzerdaten einsehen und auswerten. Über einen Zeitraum von fünf Monaten wurden 930.000 Spieler von September 2016 bis Februar 2017 untersucht: 54,7 Prozent der gemessenen Nutzungsdauer der One ging fürs eigentliche Zocken drauf, 16,5 für Netflix, 6,6 für YouTube, 14,1 Prozent für andere Nicht-Gaming-Apps. Und eben nur 1,5 Prozent für die abwärtskompatiblen Angebote der Konsole. Das mit Abstand erfolgreichste Spiel der 360-Liste ist dabei Call of Duty: Black Ops.

Quelle: Ars Technica.Quelle: Ars Technica.

Nach der Studie liegt ein Schluss nahe: Spieler ignorieren größtenteils die alten Spiele. Ars Technica räumt aber ein, dass die eigene Datenbasis einige Schlupflöcher und Ungereimtheiten aufweisen könnte, die die Ergebnisse beeinflussen. Die 930.000 analysierten Spieler seien schließlich nur ein kleiner Teil der über 50 bis 70 Millionen Spieler großen Xbox-Community (genauere Zahlen existieren offenbar nicht). Man kann hier zwar das Gesetz der großen Zahlen entgegenhalten, aber die API trackt zum Beispiel keinerlei Offline-Accounts - die Erhebung ist also nicht zwangsläufig repräsentativ.

Gleichzeitig scheint zumindest ein Statement von Microsoft die These zu bestätigen: Ende 2015 sprach der Publisher von 9 Millionen Spielstunden, die die Community mit den 360-Titeln verbracht habe. Verglichen mit der tatsächlichen Anzahl an Spielern und Spielstunden treffen die Prozentangaben ziemlich genau ins Schwarze.

Aber wir haben selbst bei Microsoft nachgehakt, die derlei Aussage über die geringe Nutzung der Abwärtskompatibilität nicht bestätigen können: »2016 haben Xbox-One-Spieler insgesamt 265 Millionen Stunden Xbox-360-Titel auf ihrer One gespielt. Mittlerweile sind es über 360 Millionen Stunden. Wir sehen das als Erfolg.« Und falls Ihnen jetzt ein bisschen der Kopf schwirrt angesichts all der Zahlen: Statistiken muss man eben vernünftig interpretieren - das kann schon mal anstrengend werden.

So oder so, auch wenn wir die Angaben von Ars Technica als recht verlässlich einschätzen, können die Statistiker doch keine Aussagen über die qualitative Wertschätzung machen, die individuelle Spieler dem Angebot zukommen lassen. Zumindest der sonore Teil der Community liebt die Abwärtskompatibilität. Und am Ende des Tages zählt ja ohnehin nur, dass Microsoft an den eigenen Service glaubt: Seit 2014 ist die Bibliothek der 360-Spiele enorm gewachsen - offenbar sieht der Publisher darin ein wichtiges Instrument, viele Spieler zu erreichen. Und davon profitieren wir.


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