Seit Jahrzehnten kämpfen Hardware-Ingenieure mit der immer gleichen Problematik: Um Abwärme effizient aus einem kompakten Gehäuse abzuführen, ist bewegte Luft erforderlich. Bisher bedeutete das zwangsläufig den Einsatz von Lüftern, die Platz beanspruchen, Lärm verursachen und mechanischem Verschleiß unterliegen.
Auf der diesjährigen CES in Las Vegas hat das Startup YPlasma allerdings eine Lösung präsentiert, die das bisher bekannte Kühlkonzept auf den Kopf stellen könnte: die Plasma-Solid-State-Kühlung.
Wind ganz ohne lärmende Lüfter
Im Kern der YPlasma-Lösung steht die sogenannte Dielektrische-Barriereentladung. Anstatt Luftmoleküle mechanisch durch rotierende Lamellen in Bewegung zu setzen, nutzt das System elektrische Felder, um Gas zu ionisieren.
Durch das Erzeugen eines kalten Plasmas entsteht ein kontrollierter Ionenwind. Dieser Luftstrom wird direkt über die zu kühlenden Komponenten geleitet.
Da keine beweglichen Teile involviert sind, arbeitet das System nahezu unhörbar, der Hersteller gibt eine emittierte Lautstärke von 17 Dezibel an. Zudem ist die Bauhöhe der Module laut Hersteller dünner als Papier,
was völlig neue Formfaktoren für High-Performance-Laptops ermöglichen könnte.
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Die Vorteile auf einen Blick
Zumindest in der Theorie, hat die Technologie einige unbestreitbare Vorteile gegenüber den altbekannten mechanischen Lüftern:
- Formfaktor: Ohne die Tiefe eines herkömmlichen Lüftergehäuses können Laptops nochmals signifikant flacher gebaut werden.
- Akustik: Das nervige Hochdrehen der Lüfter bei Volllast entfällt. Die Kühlung ist nahezu unhörbar.
- Wartungsfreiheit: Keine klackernden Lüfter mehr und kein Staub, der sich in Lamellen festsetzt.
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Klingt gut, vielleicht schon etwas zu gut
Trotz der beeindruckenden Demonstration auf der CES bleibe ich skeptisch. Es ist nicht der erste Versuch, eine solche Solid-State-Kühlung im PC-Markt zu etablieren (man denke an die Ultraschall-Lösungen von Frore Systems).
Während das System in Notebooks Low-Voltage-CPUs bereits gute Ergebnisse gezeigt hat, ist unklar, ob es auch die massive Abwärme einer RTX 5090 oder einer High-End-Workstations bewältigen kann.
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Mit einem oder zwei Plasma-Aktuatoren dürfte es da nicht getan sein. Da die Bauteile aber wie erwähnt extrem dünn sind, könnte man natürlich einfach mehrere davon stapeln. Doch was bedeutet das dann für den Stromverbrauch?
Fazit und Einordnung
Sollte es YPlasma gelingen, die beschriebenen Plasma-Aktuatoren relativ kostengünstig anzubieten und wenn dann auch noch die Leistung stimmt, könnten wir vor dem größten Umbruch in der Notebook-Kühlung seit der Einführung der Heatpipe stehen.
Ich könnte mir vorstellen, dass wir diese Technologie bald im ein oder anderen teuren Business-Laptop sehen werden. YPlasma hat ja bereits gezeigt, dass weniger leistungsstarke Prozessoren adäquat gekühlt werden können.
Ich glaube allerdings nicht, dass in absehbarer Zeit potente Gaming-Notebooks mit Solid-State-Kühlung auf den Markt kommen. Es ist eine Sache auf der CES mit einem Plasma-Aktuator ein paar Teelichter auszupusten, eine Abwärme von 200 oder sogar 300 Watt zu bewältigen, ist aber eine ganz andere Hausnummer.
Ich kann mir zumindest aktuell nicht wirklich vorstellen, dass der Luftdurchsatz und der statische Druck dafür ausreichend sein sollen. So oder so, die Technologie ist zweifelsfrei extrem spannend, ob sie aber jemals eine valide Alternative zu konventionellen Lüftern sein wird, ist aber fraglich.
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