240 Watt sind der aktuelle Goldstandard. So schnell lädt das Realme GT 3 - und ist damit der aktuelle Spitzenreiter, was die Ladegeschwindigkeit von Smartphones anbelangt. Die 4.600 mAh umfassende Batterie des Handys soll so innerhalb von 10 Minuten vollständig aufgeladen sein.
Andere Hersteller, vor allem aus China, sind dem Realme-Smartphone mit ihren Geräten dicht auf den Fersen. Das Motorola Edge 40 Pro, das Vivo iQOO Neo7 und das Xiaomis 13 Pro bieten alle superschnelle 120 Watt Schnellladen.
Auf der Liste nicht zu finden: Schwergewichte wie Apple oder Samsung. Die Abwesenheit der Branchenriesen lässt einen stutzig werden. Ist Fast Charging mit derart hoher Leistung überhaupt sinnvoll? Ist es vielleicht sogar schädlich für das Handy?
Was passiert beim Akku-Laden?
Beim Laden des Handys gelangt Strom aus der Steckdose über das Netzteil und Ladekabel in den Akku des Smartphones.
Das Netzteil
Aufgabe des Netzteils ist es, den Wechselstrom der Steckdose in Gleichstrom umzuwandeln.
Den Unterschied zwischen Wechsel- und Gleichstrom macht die Fließrichtung der Elektronen. Beim Gleichstrom bewegen sich die Elektronen konstant in eine Richtung - vom Minus- zum Pluspol. Beim Wechselstrom passiert das auch, hier ändern sich Plus- und Minuspol aber regelmäßig. Dadurch wechselt auch die Bewegungsrichtung der Elektronen.
Wechselstrom ist vor allem für große Strommengen geeignet, da er günstiger zu produzieren und besser zu transportieren ist. Für Endgeräte ist er aber ungeeignet, weshalb er für Smartphone und Co. vom Netzteil umgewandelt werden muss. Dabei entsteht Hitze.
Das Ladekabel
Das Ladekabel ist dafür zuständig, den umgewandelten Gleichstrom vom Netzteil zum Akku des Handys zu bringen. Dabei bieten moderne Kabel bis zu 12 Ampere, das zulässige Maximum des USB 3.1-Standards.
Durch die Deckelung des USB-Standards ist auch die maximale Leistung beschränkt. Alles über 240 Watt wird von USB 3.1 nicht unterstützt - und sollte euch stutzig machen.
Der Akku
Im Akku wird die übertragene Energie gespeichert. Bis zu 6.000 mAh wie beim Asus ROG Phone 6 sind im freien Handel verfügbar.
Für die Akkugesundheit wichtig ist, dass er sich innerhalb einer gewissen Temperaturspanne befindet. 15 bis 35 Grad sind das Ziel. Wird es wärmer oder kälter, schadet das dem Akku.
Ist schnelles Akku-Laden schädlich?
Wir wissen jetzt: Beim Umwandeln im Netzteil entsteht Hitze, das Ladekabel ist auf maximal 240 Watt begrenzt, ein Handyakku sollte nicht wärmer als 35 Grad werden.
Ist eine dieser Feststellungen mit Gefahren beim Schnellladen verbunden?
Beim Ladegerät und beim Ladekabel können wir Entwarnung geben - solange die Hersteller sich an geltende Richtlinien halten.
So verwenden Netzteile heute statt Silizium oft Galliumnitrid (GaN). Der Rohstoff findet bereits seit den 90ern Anwendung in Solaranlagen, LEDs oder Blu-ray-Playern. Inzwischen findet er sich oft auch in Netzteilen.
Der Vorteil: Mit Galliumnitrid können Netzteile nicht nur kleiner gebaut werden. Sie haben auch eine höhere Bandlückeneffizienz als Silizium. Was kompliziert klingt, bedeutet in der Praxis: Der Strom kann schneller und mit weniger Abwärme fließen. Die Abwärme eines Netzteils muss euch damit keine Sorgen machen.
Selbiges gilt für das Ladekabel. Solange sich die Hersteller nicht über die Grenzwerte von USB 3.1 hinwegsetzen, seid ihr auf der sicheren Seite. Sprich: Hellhörig werden müsst ihr erst, wenn euch ein Ladegerät mehr als 240 Watt verspricht.
Nicht ganz so eindeutig fällt die Einordnung beim Akku aus. Wie der Youtuber iKnowReview in seinem Video So funktioniert extremes Schnellladen!
überprüft hat, gibt es durchaus Akku, die den Wert von 35 Grad beim Laden überschreiten.
Link zum YouTube-Inhalt
In seinem Fall erreichte etwa das Motorola Moto Edge 30 Ultra einen Höchstwert von etwa 45 Grad - allerdings nur sehr kurz. Der Schaden beim Laden dürfte sich damit auch über Monate oder Jahre in Grenzen halten.
Akkuschäden durch Schnellladen: Die Hersteller sorgen vor
Damit derart hohe Ladeleistungen wie bei Realme und Co. heute möglich sind, greifen die Hersteller tief in die Trickkiste.
Die offensichtlichste Lösung ist eine gute Kühlung. Vor allem große Smartphones haben ausreichend Platz, um die Hitze mit entsprechenden Bauteilen von kritischen Stellen wegzulocken und danach an die Umgebung abzugeben.
Hilfe bekommt das Kühlsystem von allerlei Sensoren. Sie messen etwa die Temperatur von Umgebung und Akku, woraufhin das Handy seine Ladegeschwindigkeit entsprechend anpassen kann. Damit bleibt das Smartphone unterhalb kritischer Schwellenwerte.
Für den schlimmsten Fall kommen oft auch ein Flammschutz hinzu, der den Akku von sensiblen Bauteilen trennt. Die sind so vor der größeren Hitzeentwicklung beim Schnellladen geschützt.
All diese Vorkehrungen sorgen dafür, dass Smartphones mit besonders hoher Ladeleistung im Schnitt sogar langlebigere Akkus besitzen als die langsamere Konkurrenz. So spricht Apple für seine iPhones davon, dass das Gerät nach 500 Ladezyklen noch rund 80 Prozent Akku-Kapazität bieten soll. Für das GT 3 mit seinen 240 Watt spricht Hersteller Realme hingegen sogar von 1.600 Zyklen.
Nutzt ihr selbst ein Smartphone mit schnellem Laden? Oder waren euch derart hohe Leistungen bisher suspekt? Hat sich das mit diesem Artikel geändert? Und gibt es noch weitere technische Fragen des Alltags, zu denen ihr euch einen solchen Aufarbeitungs-Artikel wünschen würdet? Wir freuen uns auf eure Meinungen und euer Feedback in den Kommentaren!
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