Die Hunnen kommen!!

Das Land brannte. Überall lagen die Toten gespickt mit Pfeilen, erschlagen von Schwertern oder erstochen von Speeren. Hufabdrücke. Überall...

von Sangez am: 26.02.2015

Das Land brannte. Überall lagen die Toten gespickt mit Pfeilen, erschlagen von Schwertern oder erstochen von Speeren. Hufabdrücke. Überall Hufabdrücke. Und dann sah ich ihn. Am Horizont saß er, auf einem starken, schwarzen Hengst. Mit seinen kalten Augen begutachtete er das Werk seiner Armee: Attila, der Hunnenkönig.

 

Total War: Attila ist das neueste Werk von CA und spielt direkt im Anschluss an Rome 2. Das Römische Reich ist in zwei Teile zerfallen, das Weströmische und das Oströmische Reich. Die Macht Roms ist im Begriff zu schwinden und die verstreuten barbarischen Völker machen sich auf, neue Dörfer zu gründen und sich dem sinkenden römischen Einfluss zu entziehen. Doch im Osten regt sich eine neue Bedrohung. Attila ist mit seinen Hunnen gekommen um alles unter seinen Hufen zu plündern und zu verwüsten.

 

Soviel zur Ausgangslage. Die meisten fragen sich jetzt, lohnt es sich Attila zu kaufen? Ist es nicht nur ein Addon und sind dafür 40€ gerechtfertigt? Konnte CA die Kinderkrankheiten von Rome 2 ausbügeln oder ist Attila wieder ein Reinfall? Konnte CA vielleicht sogar wesentliche Verbesserungen zu Rome 2 einbauen? Gibt es gravierende Bugs? Auf diese Fragen und ob Attila ein tolles Spielerlebnis bietet möchte ich in dieser Rezension eingehen.

 

Nach einem schicken Intro gelangen wir ins Hauptmenü von Attila. Der Aufbau ist der Selbe wie schon in Rome 2, mit einem Unterschied: Der Hintergrund ist schön animiert. In dunklem schwarz und rot reiten die Hunnen über den Bildschirm. In Rome 2 war hier noch schlicht die Kampagnenkarte zu sehen. Im Menü können wir wie gehabt Grafik und Sound einstellen, können in die Enzyklopädie reinschauen, können das Tutorial starten, uns in einer Großen Kampagne beweisen oder uns eine sofortige Schlacht mit dem NPC liefern. Die große Kampagne und eine Sofort-Schlacht können wir auch Online mit anderen Spielern bestreiten.

 

Das Tutorial ist besonders für diejenigen geeignet, die zuvor noch kein Total War gespielt haben. Hier wird einem gezeigt, wie man Einheiten auf dem Schlachtfeld auswählt, bewegt, formiert, angreifen oder zurückziehen kann. Die Kampagnen-Karte wird erklärt, wie man auf dieser Armeen bewegt, wie man sein/e Dorf/Stadt ausbaut, neue Armeen aufstellt, Politik betreibt und vieles mehr. Eben die ganzen Grundelemente des Spiels.

Wenn man eine Große Kampagne spielt, kann man sich zu Beginn ein Volk aussuchen. Die einzelnen Völker sind untereilt in Barbarische Königreiche, Nomadenstämme, Römisches Reich, Östliche Reiche und Große Wanderer. Zu dem Römischen Reich zählen West- und Ost-Rom, zu den Nomadenstämmen die Hunnen und unter den Barbarischen Königreichen sind z.B. Die Sachsen und Franken. Es gibt noch viele weitere Fraktionen die man spielen kann, hat man sich z.B. das Wikinger-DLC geholt, stehen einem die Dänen, Jüten und Gauten als spielbare Fraktion zur Verfügung. 

 

Jede Kultur unterscheidet sich bei Einheiten, Aussehen, Boni und Malus von den anderen. Während die Römische Reiche und Barbarischen Königreiche mit einer festen Region beginnen, starten Nomadenstämme und die Großen Wanderer ohne feste Stadt oder Region. Dies ist eine der großen Neuerungen von Attila. Hat man sich für ein solches Volk entschieden beginnt man die Kampagne ohne Stadt/Dorf sondern lediglich mit einer „Zelt-Stadt“. Sprich man geht mit seinem gesamten Volk auf Wanderschaft. Man zieht von Region zu Region, wohin man gerade möchte. Will man Einheiten bauen so muss man rasten und seine Zelte aufschlagen. Jetzt ist man nicht mehr mobil, profitiert aber von den regionalen Gegebenheiten und kann Einheiten rekrutieren. Hat man sein Leben als Wander-Volk satt, kann man versuchen sich ein Dorf oder eine Stadt zu erobern. Ist einem das gelungen kann man nicht mehr umherziehen. Von jetzt an spielt man wie jedes normale andere Volk auch.

 

Beginnt man die Kampagne am Anfang mit einem Volk welches eine Start-Region hat, so hat man meist eine oder mehrere Städte und 1-2 Armeen. Eine Stadt kann man im Laufe des Spiels immer weiter ausbauen und erweitern. Man kann einen Hof, eine Schmiede, einen Versammlungsplatz und wenn man am Meer liegt kann man einen Hafen bauen und viele weitere Gebäude. Alle Gebäude lassen sich erweitern, so auch das Dorf bzw. die Stadt selbst. Jedes Gebäude bringt unterschiedliche Boni. Ein Hafen z.B. kann zu einem Handelshafen der Geld durch Handel einbringt oder zu einem Kriegshafen ausgebaut werden, der es ermöglicht Militärschiffe zu bauen. Solche Wahlen gibt es bei jeder Erweiterung eines Gebäudes. In den meisten Fällen birgt aber die Erweiterung auch einen negativen Effekt. Zum einen kostet jede Erweiterung natürlich Geld, zum anderen aber, kann die Gesundheit und die Zufriedenheit unter manchen Gebäuden leiden. Diese muss man dann mit Hilfe eines anderen Gebäudes wieder erhöhen. 

 

Um ein Gebäude zu erweitern ist es oftmals von Nöten, dass eine Technologie erforscht werden muss, die Voraussetzung für eben jenes Gebäude ist. Der Forschungsbaum besteht im Wesentlichen aus 2 Technologiebäumen, einen für Zivile-Forschung und einer für Militärische-Forschung. Geforscht wird immer eine Technologie, ist diese erforscht kann man eine neue wählen.

 

Neben dem Städtebau und dem Forschen gibt es noch das Handeln. Im Handels- und Diplomatie-Menü werden alle Fraktionen aufgelistet, welche man bislang angetroffen hat. Hier gibt es zum Vorgänger nur wenige Änderungen. Man kann eine Fraktion auswählen mit der man Kontakt aufnehmen will, kann dann versuchen Bündnisse, Handelsabkommen, Kriege oder Frieden zu schließen. Neu hingegen ist, dass man jetzt Frauen aus der eigenen Familie zur Heirat anbieten kann, um so politische Vorteile zu erreichen. Dies ist, wie ich finde eine sehr nette Neuerung, da so die Politik etwas interessanter wird und einem neue Möglichkeiten gewährt werden, mit seinen Nachbarn ein politisches Verhältnis aufzubauen.

 

Wer sich nun fragt, wieso spricht er von Frauen aus der eigenen Familie? Ja genau, es gibt endlich wieder einen Stammbaum. CA musste sich einiges an Kritik von den Spielern anhören nachdem in Rome 2 kein Stammbaum eingebaut war. Zum Glück hat sich CA die Kritik zu Herzen genommen und in Attila einen integriert, und wie ich finde sogar sehr gut. Zu Beginn war ich etwas überfordert mit den ganzen Möglichkeiten die dieser bietet, aber mit etwas Zeit und Geduld kann man sich da sehr gut einarbeiten. Was kann man also mit dem Stammbaum machen? Zunächst bietet er erst einmal eine Übersicht über die eigene Familie und zeigt andere Kandidaten für Ämter und Generalsposten. Man kann sowohl Männliche Familienmitglieder als auch Männer die nicht zur Familie gehören eine Armee oder Flotte aufstellen lassen und sie in verschieden Ämter einstellen. Jedes Amt hat bestimmte Voraussetzung wie ein Mindestalter oder ein zuvor ausgeübtes Amt. Ob Richter, Ältester oder Stammesoberhaupt jedes Amt bringt andere Vorteile. Die weiblichen Mitglieder der Familie können an andere Völker verheiratet werden, um so politische Vorteile zu ergattern. Als Generäle oder in Ämter eingeführt werden können sie nicht. Jedes Familienmitglied kann Nachwuchs bekommen. Hier gibt es die Möglichkeiten Adoption, Bastard oder ehelicher Nachwuchs. Bei jedem Familienmitglied hat man verschieden Möglichkeiten sich die Unterstützung zu sichern. Einen Mann kann man als Erben ernennen, man kann ihnen politische Ämter geben, eine Frau oder andere Aufmerksamkeiten. Bei all den Optionen besteht aber auch die Möglichkeit, dass es von anderen Verhindert wird und so zu Innerpolitischen Spannungen kommt bis hin zu Putsch- und Mordversuchen. 

 

Kommen wir nun zum Herzstück eines jeden Total War Spiels - Schlachten mit riesigen Armeen bestehend aus mehreren Tausend Soldaten. Wie schon in den Vorgängern gibt es wieder mit viel Liebe zum Detail gestaltete Schlachtfelder. Nur als kleines Beispiel: Ich belagerte die Hauptstadt der Angeln. Am Anfang der Belagerung schaute ich mir das gesamte Gelände an. Während meines Überflugs schaute ich mir ein paar außen gelegene Höfe genauer an und entdeckte auf einem kleinen Hügel eine sehr Detaillierte Odins-Statue mit seinen beiden Raben Hugin und Munin auf den Schultern. Die Städte sind mit unterschiedlichen Häusern, Straßen, Mauern, Tempeln und Wahrzeichen ausgestattet die ebenfalls bis ins kleinste Detail erschaffen wurden. Vom Prinzip hat sich an den Schlachten nicht viel geändert. Man kann Truppen in verschiedene Formationen Aufstellung nehmen lassen, kann sie zu Gruppen zusammenfassen, kann jeder einzelnen Einheit Befehle erteilen. Jede Einheiten- Art ist gegen eine andere gut oder schlecht, z.B. ist Speer-Infanterie gut gegen Kavallerie aber dafür schlecht gegen Nahkampf-Infanterie. Jede Truppe hat Moral und Ausdauer, wobei die Ausdauer im Gegensatz zu Rome 2 sehr stark reduziert wurde, sich im Gegenzug aber schneller regeneriert. Die Moral wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Stirbt der eigene General sinkt sie, stirbt hingegen der gegnerische General steigt sie. Ist die eigene Armee am Gewinnen oder die gegnerische, ist man von Feinden umzingelt oder steht man Seite an Seite mit Verbündeten, all das beeinflusst die Moral. Ist die Moral zu niedrig, flieht die Betroffene Einheit aus der Schlacht. Im Gegensatz zu Rome 2 ist es jetzt möglich, Wälder, Häuser und ganze Städte während des Kampfes in Brand zu setzen. Atmosphärisch definitiv ein Sprung zum Vorgänger und auch nicht ganz ohne Auswirkungen auf den Kampf. Je mehr im Kampf von einer Stadt zerstört wird durch Brände oder durch Belagerungswaffen, desto mehr muss auch nach dem Kampf repariert werden. Mit den Schlachten hat CA wieder einmal bewiesen, dass sie es einfach verstehen gute Atmosphärische Kämpfe darzustellen.

 

Kommen wir nun zu den eingangs gestellten Fragen.

Gibt es gravierende Bugs?

Ganz ausschließen kann ich es nicht, jedoch sind mir bis jetzt keine schlimmen aufgefallen. Die Performance ist völlig in Ordnung, Abstürze hatte ich bis jetzt nur einen. Schlimme KI- Aussetzer gab es nicht, ich würde sogar sagen, dass die KI verbessert wurde. Der einzige Fehler der mir bislang aufgefallen ist, dass Neugeborene von selbst verheirateten auch als „Bastarde“ geboren werden und nicht als „eheliche“ Kinder. Des Weiteren war es in einem Gefecht der Fall, dass eine Einheit nicht aus Belagerungstürmen gehen konnte, obwohl dieser an einer Mauer stand.

Konnte CA die Kinderkrankheiten von Rome 2 ausbügeln oder ist Attila wieder ein Reinfall?

Ja, CA haben definitiv die ganzen Kinderkrankheiten die Rome 2 damals hatte ausgebügelt. Der Multiplayer funktioniert ohne Verbindungsprobleme oder Abbrüche. Die Züge von NPCs sind zwar etwas langsamer als bei Rome 2 nach den ganzen Patches, aber in jedem Fall erträglich. Die KI agiert meiner Meinung nach wesentlich Intelligenter als bei Rome 2 zu Anfang. Attila ist definitiv kein Reinfall.

Konnte CA vielleicht sogar wesentliche Verbesserungen zu Rome 2 einbauen?

Mal abgesehen von der verbesserten KI, der schöneren Grafik, den Stammbäumen, den Zelt-Städten und dem sich im Kampf ausbreitendem Feuer wurde noch das Balancing von Seeschlachten verbessert. Waren in Rome 2 noch Landeinheiten auf See genauso stark wie richtige Seeeinheiten, wurde das jetzt geändert. Landeinheiten werden auf dem Meer „Seekrank“ und haben so  einen beträchtlichen Malus. Des Weiteren hat man jetzt die Möglichkeit eine Stadt oder gar ein ganzes Gebiet niederzubrennen. Dies bietet nicht nur ein Fest für die Augen wenn sich eine Feuerwalze über ein ganzes Gebiet frisst, sondern verhindert so auch die Übernahme durch Feinde. Um ein Gebiet wieder zu restaurieren sind viele Einheiten und eine Menge Geld nötig.

 

Ist es nicht nur ein Addon und sind dafür 40€ gerechtfertigt?

Technisch gesehen ist es ein Addon, das das Hauptspiel nicht braucht. Schaut man es sich aber genauer an erhält es meiner Meinung nach die Berechtigung als eigenes Spiel zu stehen. Insofern sind die 40€ gerechtfertigt. Für die 40€ bekommt ein komplettes und rundes Spiel, welches keinen Day-One Patch benötigt und mit welchem man viele Stunden spaß haben kann. Es gleicht sich in vielen Punkten mit seinem Vorgänger, unterscheidet sich aber auch in vielen von ihm und macht auch sehr vieles besser. Es verbreitet eine ganz andere Stimmung als Rome 2.

Lohnt es sich Attila zu kaufen?

Für Serien-Einsteiger lohnt es sich in jedem Fall. Serien-Liebhaber werden es sich so oder so kaufen und ich kann eigentlich nur allen nahelegen die sich der Überlegung stellen ob sie Attila kaufen sollen, macht es. Es ist ein tolles Spiel, welches zu unterhalten weiß. Ich bereue es keineswegs es gekauft zu haben. Die Vorteile und Verbesserungen zu seinem Vorgänger rechtfertigen einen Kauf in jeder Hinsicht. CA hat hier einen guten Job gemacht und ich kann mir nur wünschen, dass sie aus dem Rome 2 Debakel gelernt haben und in Zukunft Spiele releasen, die von Beginn an so sind wie Attila.

 

Damit klinke ich mich aus, denn hinter mir vernehme ich schon wieder das Huf-Gestampfe tausender Pferde.

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Wertung
Pro und Kontra
  • hübsche Grafik
  • Integrierter Stammbaum
  • gute KI
  • toll inszenierte Schlachten
  • keine Kinderkrankheiten
  • kein Day-One Patch
  • so gut wie keine Bugs
  • ein paar kleine Bugs
  • Performance immer noch steigerungswürdig

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(2)

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