Die Wege von Tzeentch - Oder WAR: Der Langzeittest

Vor nunmehr drei Jahren wurde Warhammer Online als der neue WoW-Killer angekündigt. Die Geschichte gab den Entwicklern nicht recht.Gemeinsam mit unserem...

von Tsabotavoc am: 15.10.2011

Vor nunmehr drei Jahren wurde Warhammer Online als der neue WoW-Killer angekündigt. Die Geschichte gab den Entwicklern nicht recht.

Gemeinsam mit unserem Auserkorenen werden wir einen Blick hinter die Kulissen werfen. Das Motto des Auserkorenen - einer der Klassen in WAR ist: 'Chaos ist allmächtig. Chaos wird herrschen'

Und dieses Motto zieht sich in vielen Punkten quer durchs Spiel...

Oweh Oweh... Das PvE...

Warhammer Online ist ein MMORPG welches im bekannten Warhammer-Universum angesiedelt ist. Bei dem Spiel wird der Fokus klar auf PvP - im Speziellen Open PvP gelegt.

Zwar versuchte es seinerzeit auch PvEler zu gewinnen mit Instanzen und unzähligen öffentlichen Quests - richtig gelungen ist das aber nie.

Der Punkt ist, dass PvE in WAR sehr simpel ist. Die Gegner sind dumm wie hundert Meter Feldweg und die Wegfindung kann man allerbestens als verhaltenskreativ bezeichnen. Wirklich große Sprünge sind damit nicht möglich.

Heute liegen die meisten öffentlichen Quests brach - aber Moment! Was sind diese öffentlichen Quests eigentlicht? Das Prinzip ist simpel: Sobald man das Gebiet einer öffentlichen Quest betritt wird man mit der dort zu erledigenden Aufgabe durch eine kleine Einblendung konfrontiert. Das kann z.B sein: Töte 100 Tiermenschen. Nun ist das natürlich für einen Einzelnen Spieler ne Menge Holz. Also können alle die in dem Gebiet gerade unterwegs sind Ihren Beitrag dazu leisten. Die Quest ist dabei in Stufen aufgeteilt: Sobald eine Stufe beendet ist folgt die nächste die einen meist mit schwereren Gegnern konfrontiert. Wurden alle Stufen einer öffentlichen Quest erfolgreich gemeistert wird die Beute unter den beteiligten Spielern verteilt. Zusätzlich bekommt jeder Beteiligte noch etwas Einfluss. Wenn man genug Einfluss gesammelt hat kann man diesen gegen spezielle Belohnungen eintauschen die klassenspezifisch angepasst sind. So bleibt nichts nutzlos.

Jetzt sagt ihr: Das klingt doch toll! Warum macht das keiner?

Antwort: Weil man so den wichtigen Rufrang nicht hochtreiben kann und elend lange braucht um Erfahrungspunkte zu gewinnen. Spätestens nach 10 öffentlichen Quests hängt es einem zum Hals heraus da im Kern alle gleich ablaufen. Sollte dann doch einmal eine öffentliche Quest dabei sein die ein etwas anspruchsvolleres Spielprinzip verfolgt könnt ihr euch sicher sein das es so mangelhaft erklärt ist dass die Quest im ersten Anlauf mit Sicherheit vermasselt wird.

Dann heisst es wieder: Töte 100 Tiermenschen...

Auch die Instanzen funktionieren anders als gewohnt: Denn hier kann es durchaus sein das ihr nur noch durch leere Hallen stapft weil eine Gruppe direkt vor euch alles was Beute gibt bereits erfolgreich gelyncht hat. Generell sollte man sich von den Instanzen nicht zuviel erwarten: Ausgefeilte Bossmechaniken wie sie in WoW: Cataclysm gang und gäbe sind gibt es hier nicht.

Wer bei einem Spiel also Wert auf PvE legt... Bitte weiter gehen - hier gibts nichts zu sehen!

Geht ein Zwerg mit nem Elf in ne Bar...

Wie... Den kennt ihr schon?

Ich erzähl euch einen besseren: In Warhammer sind Elfen und Zwerge verfeindet. Die Hintergrundstory ist lang und kompliziert hat aber im Prinzip damit zu tun das die Elfen vor ein paar tausend Jahren Zwergenbotschaftern den Bart abgeschoren haben.

Nun ist es vielleicht vom Warhammerfluff noch einigermaßen erklärbar das Zwerge mit Menschen und Elfen eine Allianz bilden... Warum aber Chaosanbeter mit Orks und Dunkelelfen zusammenarbeiten ist restlos unglaubwürdig.

Wenn Orks dann mitten im Dunkelelfengebiet stehen driftet das ganze ins Lächerliche ab.

Dennoch: Die Welt von Warhammer gefällt und glänzt mit vielen liebevollen Details. Wer schon immer mal durch Altdorf spazieren wollte, Praag bewundern wollte oder durch den berüchtigten Mörderwald marschieren will den er aus unzähligen Romanen kennt: Diese Spieler werden nicht enttäuscht und darin glänzt WAR noch immer.

WAR funktioniert atmosphärisch dann am besten wenn man ganz allein durch die Wildnis und abgebrannte Dörfer zieht oder...

Kriegsspiele: 10 zu 1 für die anderen!

in der Schlacht!

Wen den müden Wanderer schließlich die Lust überkommt ein wenig zu meucheln geht er einfach ins nächste PvP Gebiet für seine Stufe und klickt dort auf 'öffentliche Gruppe beitreten' oder noch einfacher: Er ruft den WAR-Rapport auf und wird bequem dorthin teleportiert wo es das Spiel für am Wichtigsten hält.

Leider ist der Ort den das Spiel für sinnvoll hält nur selten identisch mit dem was ein Mensch für sinnvoll hält.

Seit dem Release wurde wohl kaum wo so sehr rumgeschraubt wie am PvP System. An der Kernproblematik wurde jedoch immer elegant vorbeigearbeitet: Fraktionsgleichgewicht.

Mal sehen: Wer Menschen spielt kann zum Beispiel aussehen wie eine Billardkugel (Sigmarpriester) oder ein Friseurunfall (Feuermagier)

Viele Klassen in WAR sind bei der Ordnungsseite (also den guten Jungs) recht unbeliebt weil sie eine unansprechende Optik haben. Anders die Zerstörung: Das sind die coolen Kids. Hier haben die Klassen Stil und Charakter. Dabei kann man Mythic hier nicht einmal einen Vorwurf machen: Sie haben den Stil der Miniaturen hervorragend eingefangen. Jeder wird auf Anhieb einen Auserkorenen, einen Chaosbarbaren oder einen Slayer erkennen der ihn schon mal auf einem Tabletop-Schlachtfeld gesehen hat.

Ändert aber nichts. Die Zerstörer sind mehr. Zwar ist es nicht so schlimm wie gerne in den Foren rausposaunt wird: Dennoch sind Städtebelagerungen für die Ordnungsspieler öfter mal ein Heimspiel als ein Auswärtsmatch.

Wer jedoch glaubt dass dies für Zerstörunsgsspieler von Vorteil ist irrt: Denn dadurch das die Hauptstadt mit schöner Regelmäßigkeit eingerissen wird gibt es kaum die Möglichkeit an die beste Beute im Spiel zu kommen.

Letzten Endes hat sich die Community selbst geholfen: Auf dem letzten deutschen Server existiert eine rege Twink-Community. Wenn es der Ordnung mal ganz besonders schlecht geht loggen die Zerstörungsspieler um und dann sehen auch die Ordnungsspieler mal die gegnerische Hauptstadt.

Letzten Endes lebt WAR vom Aufeinanderprallen großer Armeen. Wenn zwei gleich große Armeen - die durchaus mal 100 Spieler und mehr haben können - aufeinanderprallen dann ist es großartig.

Weniger großartig ist es wenn nichts los ist. Wenn man mal wieder stundenlang wartet. Oder wenn es mal wieder heisst: Kriegsspiele: 10 gegen 1.

Nur sollte man hier fair sein: Auch in anderen Onlinerollenspielen herrscht einiges an Leerlauf. WAR ist hier nicht schlimmer als andere Spiele auch. Aufgrund seiner speziellen Natur halte ich es jedoch für Schichtarbeiter eher ungeeignet.

Warum man keinen Mainchar haben sollte

Am besten ist es neben dem erklärten Mainchar mehrere Twinks zu haben. Warum? Nicht immer ist überall etwas los. Und wenn ihr mit Stufe 40 gerade nur noch Däumchen drehen könnt ist es gut möglich das in den Stufe 15+ Gebieten gerade die Hölle los ist.

Denn auch wenn ihr nicht Stufe 40 seid: Viele Fertigkeiten habt ihr recht schnell. Und dann kann man auch dann Spaß haben wenn für den Main gerade nichts zu tun ist.

Alternativ könnt ihr auch einer Tätigkeit nachgehen die immer mehr aus der Mode kommt: Lesen. Und worin?

Das Buch der Bücher

Im Wälzer des Wissens natürlich!

Der zeichnet alles Wichtige und Unwichtige auf was euch so im Spiel passiert ist und versorgt euch mit Hintergrundinfos und Fluff zu den einzelnen Personen. Zusätzlich entspinnt sich eine interessante Handlung um den Charakter und die Welt von WAR die besonders für Dunkelelfen wirklich lesenswert ist.

Zusätzlich gibt es überall in der Welt kleine Verstecke für deren Finden man mit besonderen Belohnungen, neuen Titeln oder weiteren Einträgen belohnt wird.

Der Wälzer ist also nicht nur aufgesetzt. Er fühlt sich echt an. Und er ist meiner Meinung nach noch immer ziemlich cool. Selbst nach 3 Jahren ist er bei mir noch immer weit davon entfernt 'voll' zu sein. Noch immer sind eine große Menge '?' für unentdeckte Einträge zu finden.

Klassensystem und Berufe

Wie alle klassischen MMORPGs gibt es in WAR Tanks, Heiler und Damagedealer.

Nun werdet ihr sagen: Tanks im PvP? Ja genau.

Ja genau! Denn die Tanks haben hier einen echten Nutzen: Aufgrund der Kollisionsabfrage und dem wuchtigen Bau der Tanks kommt man an Ihnen kaum vorbei. Sie sind die Frontschweine. Und unter diesen Frontschweinen leiden die Nahkämpfer.

Ich kann es nicht beschönigend sagen: Aber als Nahkampf-Damagedealer werdet ihr 50% der Zeit in der Nase bohren und nochmal 50% der Zeit tot sein.

Daher kann ich jedem nur davon abraten sich an einen Nahkämpfer als Erstchar zu wagen: Der Frust ist enorm.

Als Nächstes muss einem Klar sein das Mythic die Klassenverteilung im Gegensatz zu Blizzard ernst nimmt: Als Tank werdet ihr immer Tank sein. Selbst wenn ihr auf Schaden skillt werdet ihr niemals auch nur annähernd an den Schaden eines Damagedealers rankommen. Das selbe betrifft die Heiler.

Berufe? Ach ja: Gibts auch noch. Über die Berufe kann man geteilter Meinung sein. In Minispielchen baut man sich Tränke, Sockelsteine und ähnliches zusammen. Es gibt auch die klassischen 'Langweilerberufe' wie Kürschner und Entzauberer.

Letzten Endes spielen Berufe eher eine untergeordnete Rolle. Aus Spaß kann man es nebenbei mitmachen. Hier kann ich nur Anpflanzer und Alchemist empfehlen: Selber Tränke zu machen ist immer nützlich und das Minispiel gehört zu den Besseren.

Das Endgame und die Balance

Das Besondere an WAR ist das es sowas wie Endgame eigentlich kaum noch gibt. Seit 3 Jahren wurde hier kein neuer Content hinzugefügt: Noch immer geht es darum Karl Franz und sein Chaotenpendant um einen Kopf kürzer zu machen.

Warum es trotzdem noch Leute gibt die es spielen? Drei Gründe:

Rufrang: Der Rufrang ist das geheime Level in WAR. Wer auf Stufe 40 ist hat vielleicht alle Fähigkeiten - aber erst mit Rufrang 100 ist er wirklich am Ziel. Das verstehen viele Spieler nicht. Sie verstehen nicht das ein Rufrang 100 Spieler ca. 4x soviel Zeit in diesen Charakter investiert hat wie ein Spieler mit Rufrang 60. Würdet ihr euch in WoW aufregen wenn ihr mit Stufe 60 keine Chance gegen einen Stufe 85 Spieler habt? Nein? Genau so sind die Unterschiede auch in WAR. Damit muss man sich also abfinden.

Dynamik: PvP wird schon per Definition nie wirklich langweilig. Im Gegensatz zu Skripts ist der Mensch nicht vorhersehbar. Und gewisse Allianzen gehen WAR an wie einen echten Krieg: Nicht wenige Offiziere der Gilde haben sich Militärtaktiken angeeignet und diese fürs Spiel modifiziert. Die gegnerischen Allianzen haben natürlich Kontertaktiken entwickelt... Zusammen mit der in der Vergangenheit sehr turbulenten Patchhistorie war und ist WAR sehr dynamisch.

Community: Es lässt sich nicht anders sagen: WAR hat eine der freundlichsten Communitys. Natürlich wird in den Szenarien (Gegenstück zu den BGs in WoW) auch mal ordentlich geflamed. Allerdings sitzen alle letzten Endes im selben Boot. Und jeder möchte auf diesem Boot akzeptiert sein. Niemand kann sich hinter der Anonymität verstecken. Und genau diese Community hält einen dann auch im Spiel. Man bekommt leicht Hilfe und oft Hilfe. Eine angenehme Abwechslung zu anderen Onlinerollenspielen.

Und die Gilden?

Das Gildensystem zu erklären würde wohl den ganzen Tag dauern. Aber versimpelt ausgedrückt: Auch Gilden steigen Stufen auf. Und je mächtiger eine Gilde ist desto eindrucksvoller ist auch die Standarte die sie in die Schlacht trägt. Und diese Standarte ist der Dreh- und Angelpunkt der Schlacht: Es gibt in jeder Gilde nur eine Hand voll Standartenträger. Und diese geben allen im Umkreis nachdem sie die Standarte auspacken Boni. Mehr Erfahrung, besser kämpfen, besser heilen...

Wer Standartenträger in einer großen Stufe 40 Gilde ist darf zurecht stolz sein. Und diese Spieler kennt dann meist der halbe Server.

Kaufen oder nicht kaufen?

Diese Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Die Quintessenz ist jedoch: Wollt ihr EA wirklich eure Kontodaten geben?

Frei heraus gesagt ist das Zahlungssystem in WAR eine Frechheit seit EA die Abzock... äh die Kontoverwaltung direkt übernommen hat.

Wer Gamecards bei Amazon, Saturn oder Mediamarkt kauft ist sowieso im Eimer. Denn die gehen schon seit Monaten nicht mehr. Eine Rückerstattung ist dabei reiner Kulanzfall. Von ElectronicArts werdet ihr jedenfalls keine bekommen.

Und solltet ihr Probleme mit eurer Kreditkartenabbuchung haben steht ein Anruf in Amerika an. Denn der Support ist nur über eine amerikanische Mehrwertnummer erreichbar.

Die empfehlenswerteste Alternative ist das Kaufen von Prepaid-Cards über den Onlinestore von EA. Die Codes dort funktionieren zwar auch nicht immer aber zumindest wird einem dann geholfen.

Fazit

Warhammer Online ist in vielen Punkten nicht rund. Es hat Ecken und Kanten. Aber es hat Charakter.

Dieser Charakter ist es der das Spiel noch immer am Leben hält. Und eine ganz besondere Community. Ich hoffe dass ich hiermit halbwegs ehrlich, unvoreingenommen und neutral über die aktuellen Zustände in WAR berichtet und informiert habe.

Wer sich durch das Spiel angesprochen fühlt aber nicht gleich entscheiden will:

http://www.warhammeronline.com/trial/

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Tolle Charaktergestaltung
  • Sound: Orchestrale Musik, Super Kampflärm
  • Balance: Die Balance ist auf Massenkämpfe ausgelegt
  • Atmosphäre: Tolle Warhammerwelt, Wunderschöne Umgebung
  • Bedienung: Hält sich an alle MMORPG Standards
  • Umfang: 40 Stufen, 100 Rufränge, Burgenbelagerungen etc..
  • Quests: Öffentliche Quests, drei Questgebiete je Stufe
  • Charaktersystem: 6 Völker mit je 4 Klassen
  • Kampfsystem: Tanks haben einen Sinn, Ressourcensystem
  • Items: Jede Menge, frei färbbar und gestaltbar
  • Grafik: Teils ruckelige Animationen
  • Sound: Unvollständige Sprachausgabe, Musik nicht überall
  • Balance: Die Fraktionen sind zahlenmäßig sehr verschieden
  • Atmosphäre: Unglaubwürdige Allianzen
  • Bedienung: Viele Maustasten können nicht belegt werden
  • Umfang: PvE sehr schlecht integriert
  • Quests: Viele Quests verlaufen gleich
  • Charaktersystem: Das Aussehen der Klassen ist stark vordefiniert
  • Kampfsystem: Nahkämpfer sind benachteiligt
  • Items: Hier gibts echt nix was man besser machen kann

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Häufiger, unregelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



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