Ein Spiel zu Unrecht verurteilt

Dead Space 3 genießt alles andere, als einen guten Ruf. Immerhin gilt es als der Titel, der das Dead Space Franchise den Todesstoß versetzt hat. Doch nun wollte...

von Nanashi95 am: 31.08.2020

Dead Space und ich – das ist allgemein schon so eine Geschichte für sich. Zugegebenermaßen hab ich erst relativ spät mit dem Zocken angefangen, als ich 2009 mit der Playstation 3 meine erste Konsole bekommen habe. Und mein erstes Spiel darauf, Dead Space. Ich hab dieses Spiel abgöttisch geliebt. Es ist mit 17 Durchläufen das Spiel, das ich bis heute am meisten durchgespielt habe, auf allen Schwierigkeitsgraden, auf allen Plattformen. Irgendwann kannte ich das Spiel in und auswendig. Also kann man sich vorstellen, wie sehr ich mich 2011 dann auf Dead Space 2 gefreut hatte. Und das Spiel hatte mich umgehauen, empfand es in fast allen Punkten besser, als Teil 1. Dead Space 2 hielt ich immer für eine mit so viel Liebe und Feinschliff gearbeitete Fortsetzung. 2013 erschien dann Dead Space 3 und seltsamerweise hatte ich da schon keinerlei Vorfreude mehr dafür. Als ich es dann selber gespielt hatte, hab ich es gehasst. Dieser Eindruck blieb bis heute bestehen. Bis ich mir nun vor wenigen Wochen die Frage gestellt habe: warum fand ich das Spiel eigentlich schlecht? Die von den meisten genannten Punkten, der Coop, Microtransactions, zu wenig Horror, all das war mir egal. Was war also der Grund? Um dies herauszufinden, wollte ich dem Spiel eine letzte Chance geben.

 

Die bisher beste Story im Franchise

Auch wenn Dead Space 3 einige Jahre nach Teil 2 spielt, ist es eine direkte Fortsetzung. Unser Held Isaac Clarke und die aus Teil 2 überlebende Ellie Langford sind ein Paar geworden, haben sich mittlerweile aber sogar wieder getrennt. Denn Ellie wollte den Kampf gegen die Marker und den grässlichen Necromoph fortführen, Isaac wollte sich zurückziehen und all das hinter sich lassen. Daraus wird aber nichts, als Anhänger der Marker anbetenden Sekte Unitology die Regierung stürzen und Jagd auf Isaac machen wollen, da er immerhin der einzige ist, der weiß, wie man Marker zerstört. Als wäre das nicht schon genug, wird Isaac von Norton und dem Soldaten Carver eher unfreiwillig dazu überredet, sich einer Rettungsmission anzuschließen. Denn Ellie ist auf der Suche nach dem Ursprung der Marker irgendwo im letzten Eck des Universums gestrandet.

 

Also landet man im ersten Abschnitt des Spiels im Orbit des verschneiten Eisplaneten Tau Volantis, wo verlassene Raumschiffe seit 200 Jahren vor sich hin schweben.

Ellie ist schnell gefunden und gerettet, aber genauso schnell stößt die Gruppe auf Necromorph, die all die Zeit nur auf neue Opfer gewartet haben. Und siehe da, um Tau Volantis handelt es sich scheinbar wirklich um den Heimatplaneten der Marker. Also werden Teile für ein Shuttle zusammengesucht, um damit auf die eisige Oberfläche von Tau Volantis zu kommen.

Dort kommt dann nach und nach heraus, um was es sich bei den Markern wirklich handelt und dass diese nur die Vorboten einer noch viel, viel größeren Bedrohung sind.

 

Und diese Wendung ist der Grund, warum ich denke, dass dies die beste Handlung der gesamten Reihe ist. Nicht nur bekommt man hier mehr Hintergrundinformationen, als je zuvor. Diese neue, lauernde Bedrohung ist für jemanden wie mich, der kosmischen Lovecraft Horror nicht abgeneigt ist, definitiv willkommen.

 

Der große Minuspunkt hierbei ist allerdings, dass man das richtige Ende nur per DLC bekommt. Und dieser ist mit seiner sehr kurzen Spielzeit für 10€ definitiv überteuert. Nur ist die Frage, sollte man diesen dazu zählen? Denn ohne DLC bekommt Dead Space in Sachen Story hier einen Abschluss. Doch der DLC reißt diesen Schluss wieder auf und endet mit einem Cliffhanger, schon eingeleitet hat, wie es in einem Dead Space 4 weitergegangen wäre. Ein Dead Space 4, das wir nie bekommen werden.

Ob man also lieber auf das richtige Ende verzichtet, aber dafür eine abgeschlossene Geschichte hat oder einem das wahre Ende, das allerdings offen ist, lieber ist, muss jeder selbst entscheiden.

 

Altbewährtes, neu verpackt

Im Kern erwartet Kenner der Reihe nicht viel Neues. Daher gehe ich mehr darauf ein, was tatsächlich neu und anders ist.

Besonders  wenn man erst einmal auf Tau Volantis unterwegs ist, ist es deutlich offener als die Vorgänger. Zwar ist es immernoch linear, aber die Gebiete sind deutlich weitläufiger und es gibt hin und wieder sogar Nebenmissionen. Die sind an sich zwar belanglos, aber ein nettes Extra, das einen mit vielen Ressourcen belohnt.

Ja, Ressourcen, das funktioniert in Dead Space 3 völlig anders, als vorher. Statt feste Waffen, die man sich im Shop kauft und aufbessert, bastelt man sich mit Ressourcen und Schrott komplett eigene Waffen. Viele meinen, dass dies der Seele der Reihe geschadet hat, aber ich mochte das. Und es hat im Kontext auch Sinn gemacht. Das Herumbasteln und verschiedene Kombinationen zu probieren hat mir echt richtig viel Spaß gemacht. Außerdem muss man das so sehen. Dead Space 3 spielt nicht, wie die Vorgänger, in Raumschiffen und Raumstationen, die gerade erst von den Necromorph heimgesucht wurden. Sämtliche Schauplätze sind seit 200 Jahren verlassen, also macht es für mich da nur Sinn, dass man sich eher aus Schrott was zusammenbastelt, anstatt neue Waffen zu finden.

 

Und ja, viele haben sich beschwert, dass man sich Ressourcen per Microtransactions kaufen kann. Mag sein, aber man kann dies getrost ignorieren. Spätestens ab der zweiten Hälfte hat man ohnehin so mehr als genug Ressourcen. Ein Mangel an diesen herrscht also nicht, auch wenn man dies wieder negativ sehen kann.

 

Coop – der große Dorn im Auge

 

Größte Neuerung ist allerdings der Coop-Modus, etwas, was für viele der endgültige Todesstoß war. Doch hier frage ich mich dann allerdings, warum stören sich so viele daran? Ja, im Coop geht viel vom Horror verloren. Allerdings darf man dabei eine Sache nicht vergessen: das Spiel ist dennoch im Singleplayer komplett alleine spielbar. Und anders als in Beispiel den auf Coop ausgelegten Resident Evil Teilen, wird man hier nicht von einem vom Computer gesteuerten Begleiter verfolgt. Man ist also stets alleine unterwegs, wie es in Dead Space sein sollte.

 

Allerdings birgt der verbaute Coop-Modus tatsächlich etwas, was mich an dem Spiel gestört hat. Sämtliche Gegner verhalten sich dementsprechend. Es kommen so schon deutlich mehr Gegner auf einen zugestürmt, doch diese verhalten sich auch anders, als in den Teilen zuvor. In Dead Space 1 und 2 kamen die meisten Gegner eher langsam auf einen zu, sodass man durchaus Zeit hatte, zu zielen und diese auszuschalten. Auch allgemein kamen nie übermäßig viele gleichzeitig. Anders als in Dead Space 3, dort kommen viel mehr Gegner gleichzeitig auf einen zugerannt, sodass man recht schnell eine Gegnerhorde direkt vor einen stehen hat. Wäre ja kein Problem im Coop, allerdings im Singleplayer wird dies schnell nervig. Hier hätten die Entwickler wirklich noch mehr auf den Einzelspieler anpassen müssen.

 

Mehr Action, weniger Horror

 

Ich glaube man kann zweifelsfrei sagen, dass viel Horror zugunsten der Action gewichen ist. Das mag einigen stören, allerdings mich weniger. Teil 1 war noch richtig schön beklemmend, aber selbst Dead Space 2 war schon nicht mehr wirklich gruselig. Was auch schwer zu vermeiden ist, wenn man die Gegner kennt und weiß, was los ist. Und in Teil 3 ist dies noch schlimmer. Man hat mittlerweile gegen genug Necromorph gekämpft, sie sind also ein bekanntes Übel und kein unheimliches Mysterium mehr. Das Problem ist eher, wie schon erwähnt, die Menge an Gegnern. Diese hätten deutlich reduziert und eventuell weniger vorhersehbar platziert werden müssen.

Aber letztendlich ist hier auch der Kontext völlig anders, als in den Vorgängern. Man ist nicht mehr irgendwo gefangen und muss überleben und entkommen. Nein, man stürzt sich bewusst in diesen Kampf, um es zu beenden.

Neu hingegen sind menschliche Gegner, Soldaten von Unitology. Soldaten mit Schusswaffen und ein Deckungssystem wirken in einem Dead Space zunächst sehr deplatziert und damals zur Veröffentlichung fragte ich mich wirklich, was sich die Entwickler dabei nur dachten. Aber nun störte mich das weniger. Im Gegenteil, diese Szenen waren dennoch eher selten und fühlten sich ein wenig wie Abwechslung an. Soldaten als Gegner brauch ich in einem Dead Space 4 garantiert nicht mehr, aber im Kontext von Dead Space 3 kann ich diese mittlerweile akzeptieren.

 

Viel mehr störe mich – nervte mich regelrecht sogar – waren die geskripteten Action-Szenen. Man kennt es aus so vielen anderen Spielen. Man läuft einen Weg entlang, aber dann entreißt das Spiel einem die Kontrolle, weil irgendwas explodiert, der Weg bricht vor einem zusammen etc. Sowas gab es in Dead Space 2 zwar auch, aber war dort viel, viel seltener. In Dead Space 3 wurde damit einfach übertrieben. Es beeindruckte nicht oder war nicht cool anzusehen, es nervte nur. Besonders wenn diese Szenen, dann mit Quick Time Events oder auf Tasten Einhämmern gepaart wurde.

 

Allerdings mochte ich die allgemeine Atmosphäre des Spiels. Diese war kalt, trostlos und ohne Hoffnung. Es ist vielleicht ein anderes Gefühl, als in den anderen Teilen. Denn da hatte man immer im Hinterkopf, man entkommt von da und alles wird gut. Dead Space 3 vermittelte jedoch stets das Gefühl, sich hier auf einem finalen Himmelfahrtskommando zu befinden, fernab der Heimat. Da braucht es nicht unbedingt super beklemmenden Horror oder beeindruckende Action.  Mit einer guten Atmosphäre ist viel gewonnen.

 

Fazit

Dead Space 3 ist definitiv der schwächste Teil der Reihe. Es hat gravierende Mängel und es fehlt auch der Feinschliff, den man besonders in Dead Space 2 gesehen hat. Aber ist es ein so schlechtes Spiel, das einen schlechten Ruf verdient und für den Tod der Reihe verantwortlich ist? Auf keinen Fall. So wie es Mängel hat, hat es auch seine Stärken. Es ist als eigenständiges Spiel durchaus solide, aber im Kontext der ganzen Reihe konnte es mich nun auch als Finale rund um Isaac Clarke und seinem Kampf gegen die Marker überzeugen. Besonders in Sachen Handlung, auch wenn die Sache mit dem DLC ärgerlich ist. Also, das Spiel ist mittlerweile günstig zu haben, eine zweite Chance hat es durchaus verdient.

Und wer weiß, vielleicht gibt EA auch Dead Space an sich nochmal eine zweite Chance.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Bisher beste Handlung der Reihe
  • Isaac Clarke ist nach wie vor ein sympathischer Held
  • Stimmiger Eisplanet als Setting
  • Das Basteln an Waffen macht viel Spaß
  • Nette Nebenmissionen als Bonus
  • Gelungene, hoffnungslose Atmosphäre
  • Richtiges Ende nur als überteuerter DLC
  • Überfluss an Ressourcen
  • Zu viele Gegner
  • Geskriptete Action-Szenen nervig

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(1)

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