Endlich vollendet und doch kein Meisterwerk

Was war das nicht für ein Desaster, als im Oktober 2010 'Arcania : Gothic 4' das Licht der Welt erblickte und die Firma 'Jowood' damit in die Insolvenz...

von Mysterious am: 12.12.2011

Was war das nicht für ein Desaster, als im Oktober 2010 'Arcania : Gothic 4' das Licht der Welt erblickte und die Firma 'Jowood' damit in die Insolvenz schickte.
'Zu wenig Rollenspiel' , 'Kein echtes Gothic', 'lahme Story', 'langweilige Quests', 'kaum Nebenaufgaben', usw.
Die Liste der 'Patzer' ist für die Community sehr lang und das auch zu Recht, denn als reines Gothic betrachtet ist es einfach schlecht, genauso wie das überambitionierte 'Gothic 3' auch.

Aber genau deswegen hat 'Jowood' das Wort 'Gothic' bewusst als Untertitel gewählt und beim Addon (seit 2 Monaten bereits von Nordic Games veröffentlicht) sogar auf den Gothic-Zusatz verzichtet.

Zurecht !

Denn wenn man Arcania als Spellbounds eigene Kreation (ein Spiel von der Klasse eines Gothic 2 schafft einfach nur PB!) ansieht und das Ganze als Spin-Off der Gothic Reihe betrachtet, so bekommt man ein unkompliziertes Abenteuer, mit (nun endlich kompletter!) und recht guter Story und einer wunderschönen Spielwelt.

Das AddOn hätte meines Erachtens nach dabei so wie es ist bereits im Hauptspiel enthalten sein sollen und hätte es sogar bereichert, was zu einem wahrscheinlich besseren Presseecho geführt hätte.

Warum, das erfährt ihr in meinem ausführlichen Test:

Grafik

Bei der Grafik hat sich nicht recht viel verändert und das ist auch gut so, denn die knackscharfen Texturen, die geniale Weitsicht, die tollen Partikel und die wunderbaren Lichteffekte sorgen für eine unglaublich atmosphärische Spielwelt. Das Spiel läuft zudem lustigerweise sogar (auf meinem 'Untere Mittelklasse' Notebook) noch einen Tick besser als das Hauptspiel.

Story

Eine wirklich schlechte Story habe ich bereits in 'Arcania' nicht gehabt, allerdings wies diese doch einige Lücken auf und patzte mit unfreiwilligem Humor beim (eigentlich) tragischem Wechsel unseres Helden von Feshyr nach Aargan. Im Hauptspiel wurde die Story mit einigen wirklich sehr guten Zwischensequenzen erzählt, die im späteren Verlauf sogar zu Artworksequenzen wurden, die nicht nur musikalisch gut hinterlegt wurden, sondern auch zeichnerisch hochwertig waren.
'Fall of Setarrif' verzichtet nahezu ganz auf Zwischensequenzen und wirkt alleine gesehen durchaus etwas fad von der Story her.

ABER :

Das Addon schließt viele Lücken des Vorgängers. So z.B. wird der Cliffhanger des Hauptspiels endlich aufgeklärt und es werden auch Erklärungsversuche gegeben, warum unser Held eigentlich von der Göttin auserwählt wurde, von der man sogar erfährt wer sie wirklich ist.
Das alles findet man heraus, wenn man sich wieder Zeit lässt und einfach mal allen Dialogen beiwohnt, die im Spiel existieren.
Aus diesem Umstand heraus gewinnt 'Fall of Setarrif' einiges an Spannung, da man immer wieder mit 'Aha'-Momenten belohnt wird.

Betrachtet man nun in diesem Punkt 'Arcania : Gothic 4' und 'Fall of Setarrif' gemeinsam, so ergibt sich eine interessante, spannende und nahezu lückenlose Story, die zwar bereits im Hauptspiel mit einigen Durchhängern zu kämpfen hatte (ich erwähne dabei vor allem das Bluttal , in dem man dreimal in irgendwelche Höhlen musste, um versteckte Gegenstände zu finden, die noch dazu fast immer von Goblins oder Waranen bewacht wurden ! Ganz ehrlich Spellbound, an der Stelle hättet ihr durchaus kreativer sein können, denn schließlich ist dieses Gebiet eigentlich eines der dramatischsten im ganzen Spiel und wurde aber spielerisch m.E. nach zum größten 'Fail' in 'Arcania'), aber im Gesamten recht harmonisch gestaltet wurde.

(Da meiner Meinung nach 'Fall of Setarrif' bereits im Hauptspiel integriert hätte werden sollen, bewerte ich diesen Punkt gemeinsam mit der Geschichte des Hauptspiel)

Gameplay/Kampfsystem

Meiner Ansicht nach zeigt sich hier die größte Schwäche des AddOns, wie auch im Hauptspiel, denn...

...das Kampfsystem macht zwar Laune und man kann durchaus jeden Kampf anders bestreiten, aber mit stumpfsinnigen Mausgehämmere kommt man genauso gut durch das Spiel.

...das Skillsystem ist immer noch das selbe wie in 'Arcania' und hätte durchaus die ein oder andere neue Fähigkeit vertragen können.

...große Teile bestehen auch im AddOn aus kurzweiliger Schnetzelei, die aber schnell (wie bei Punkt 1 bereits erwähnt) in doofes Mausgeklicke umschlägt.

...die Linearität ist in 'Fall of Setarrif' noch ausgeprägter.

Alles in allem nichts weltbewegendes, aber auch nicht mieser als sonst.

Atmosphäre

Ich mochte bereits die Atmosphäre im Hauptspiel, auch wenn man immer und überall brauen ohne Destillierkolben (konnte man in Two Worlds 2 übrigens auch, war aber irgendwie jedem egal) und Schwerter auch einfach mal während dem Kampf und ohne Amboss etc. schmieden konnte.
Auch die Tatsache, das man von jeder Truhe ohne irgendwelche Konsequenzen etwas mitgehen lassen konnte, hat mich auch nicht sonderlich gestört.
Realistisch ist das alles natürlich nicht und für die gesamte Atmosphäre mag das bei einigen auch durchaus störend wirken, aber es fördert die Spielgeschwindigkeit.
Im AddOn ist die Atmosphäre (bis auf oben genanntes) auch sehr gut, denn die Dungeons wurden noch einmal um einiges liebevoller ausgearbeitet und das zerstörte Setarrif ist eine ganz nette (, wenn auch lineare) Kulisse.
Außerdem gibt es jetzt noch mehr Fallen, als in 'Arcania'.

Quests

Hier hat sich Einiges getan!
Die kleinen Einschübe, bei denen man Gorn und Lester spielen darf sind ganz nett und witzig (Ich sag nur 'Thorus' und 'Truhe' ^^), aber leider auch etwas zu kurz.
Zudem darf man bei den (leider wieder viel zu) wenigen Nebenquests (, die im AddOn aber recht lustig gestaltet sind) nun auch mal eine verwöhnte Prinzessin eskortieren, 'Diplomatie' anwenden (.*g*.) und bessesene Wölfe töten (<--- das war nicht unbedingt das spannendste).

Auch die Hauptquest ist nochmal um einiges abwechslungsreicher als die des Hauptspiels (Man darf Hebel umlegen, Fallen ausweichen, Schlüssel sammeln, Streitereien zwischen Lee und Hagen beobachten, usw.), aber leider auch zu kurz, wie das gesamte AddOn (leider !).

Ein großer Schritt in die richtige Richtung, aber warum nicht bereits im Hauptspiel so ?

Umfang

Viele beklagen sich über die recht kurze Spielzeit für 15€ und das auch zu Recht, aber 2-3 Stunden ist dann doch übertrieben.
Wer wie ich beim Hauptspiel wirklich jeden einzigen Winkel untersucht hat, mal die Aussicht genossen hat und jede Nebenaufgabe angenommen hat
(habe 'Arcania' beim ersten mal in ca. 25 Stunden auf 'Schwer' durchgehabt und beim zweiten mal in ca. 28 Stunden, ebenfalls auf 'Schwer'), der wird für das AddOn so ca. 5-6 Stunden benötigen.

Bei einem Preis von 15€ ist das ein wenig überteuert (mein Lieblingsaddon 'Flames of Vengeance' für 'Divinity II' hat mir 15-17h zusätzlichen Spielspaß gebracht, wobei ich dafür auch 27€ gezahlt habe).
Verglichen aber mit den 'Dragon Age' DLC´s geht der Preis absolut in Ordnung.

Nichtsdestotrotz wäre bei der neugewonnenen Abwechslung eine längere Spielzeit durchaus nett gewesen.

Soundtrack

Ich liebe den 'Arcania'-Soundtrack und das hat sich mit dem AddOn auch nicht großartig geändert. Zudem wurden einige bekannte Stücke leicht abgeändert.

ABER :

An die Klasse eines 'Divinity II'-Sondtracks reicht auch der hier nicht ran.

Balance

Wie im Hauptspiel :

Auf 'Leicht' und 'Normal' eindeutig zu leicht.
Auf 'Schwer' und 'Gothic' angenehm.

Richtig überfordert ist man genauso wenig wie unterfordert, wenn man den richtigen Schwierigkeitsgrad einstellt.

Items

Bereits in 'Arcania' gab es derartig viele Rezepte, Waffen, Pflanzen usw., sodass bereits im Hauptspiel eine große Motivation für mich der diabloähnliche Sammelrausch war.

Auch das ändert sich nicht in 'Fall of Setarrif'.
Entgegen der Meinung von GameStar habe ich immer stärkere Waffen gefunden und war mächtig stolz diese tollen 'Geräte' einsetzen zu dürfen.
Auch eine neue Rüstung ist dabei, sowie die Klasse der 'durchwirkten' Pflanzen, die einen noch stärkere Heiltränke (mit dem richtigen Rezept) zubereiten lässt.

Monster

Für mich ein besonders wichtiger Punkt bei Rollenspielen, denn schließlich will man als gestandener Rollenspielcharakter seine Hieb- oder Stichwaffe oder sogar seine Magie nicht gegen irgendwelche Hans Würste einsetzen.

'Arcania' folgte mit seinem Monsterdesign dem Gothic/Risen-Design, setzte aber kleine eigene Akzente, wie z.B. bei den Frostspinnen, den Ahn´Bael usw. .

Bei den 'neuen' Monstern in 'Fall of Setarrif' handelt es sich eigentlich um genau dieselben Monster wie im Hauptspiel, nur mit roten Augen.
Aber 1-2 neue Kreationen haben es trotzdem ins Spiel geschafft.
Welche das sind, dass dürft ihr selber herausfinden.

Da hätte sich Spellbound durchaus mehr Mühe geben dürfen, denn verglichen mit anderen Genrevertretern sieht es in diesem Bereich mau aus.

Jetzt eigenen Artikel veröffentlichen

Schreib Deinen eigenen Artikel auf GameStar und tausche Dich mit anderen Lesern aus.

Eigenen Artikel schreiben

Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: abwechslungsreiche Gebiete, knackscharfe Texturen
  • Sound: stimmig, passend
  • Balance: ausgewogen bei letzteren Schwierigkeitsgraden
  • Atmosphäre: lebendige Landschaft
  • Bedienung: eingängig und unkomliziert
  • Umfang: viele Truhen und Höhlen zum Entdecken
  • Quests/Handlung: abwechslungsreicher als in
  • Charaktersystem: einfach, spürbare Auswirkungen
  • Kampfsystem: flott, actionlastig
  • Items: viele neue Gegenstände (z.B. Waffen)
  • Grafik: ab und an kleinere Grafikfehler
  • Sound: reicht nicht an die Klasse eines
  • Balance: auf
  • Atmosphäre: Crafting
  • Bedienung: ab und an gehen Schläge daneben
  • Umfang: 5-6 Stunden Spielzeit
  • Quests/Handlung: wenig Nebenquests
  • Charaktersystem: keine neuen Fähigkeiten, zu simpel
  • Kampfsystem: endet schnell in Mausgeklicke
  • Items: ab und an Schrott

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



Kommentare(0)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.