Michael Thorton vs. the World

Im packenden Agentenspiel vom „Addon-Entwickler“ Obsidian durchlebt ihr als Michael Thorton eine weltumspannende Intrige, dessen Verlauf und Ausgang maßgeblich...

von FakerXXL am: 31.07.2011

Im packenden Agentenspiel vom „Addon-Entwickler“ Obsidian durchlebt ihr als Michael Thorton eine weltumspannende Intrige, dessen Verlauf und Ausgang maßgeblich von euren Entscheidungen und eurem Umgang mit den anderen Spielfiguren beeinflußt wird.

Der Stoff, aus dem die Helden sind

Eigentlich müsste man ja denken, Obsidian Entertainment könnte gar keine eigenen Spieleserien erfinden, sondern nur welche weiterführen, zumindest wenn man sich die Liste der bislang entwickelten Spiele des Studios anschaut, denn die sind ausnahmslos Add-Ons oder Fortsetzungen von Spieleserien. Obsidian kann nämlich auch anders, denn mit Alpha Protocol bieten die Kalifornier uns nicht nur eine packende Geschichte, sondern auch gutes Gameplay. Unser Alter Ego, Michael Thorton, ist ein neuer Agent beim geheimen Geheimdienst Alpha Protocol, der so geheim ist, dass sogar große Teile der US-Regierung ihn kennen. Nach einer Einführung in die Spielmechanik und der Bekanntmachung mit den Mitgliedern von Alpha Protocol setzt euer Arbeitgeber uns in den nächsten Flieger nach Saudi-Arabien, wo ihr den Scheich Al-Shaheed aufhalten sollt, denn der soll in einen Raketenanschlag auf ein Flugzeug im Nahen Osten verwickelt sein.

Alles nur Vorbereitung

Zurück nach Saudi-Arabien: Um Al-Shaheed ausfindig zu machen, müssen wir erst einmal in einigen Nebenmissionen Informationen sammeln und unser Ziel ausfindig machen, in diesem Missionsbeispiel den Waffenhändler Nasri. Doch zuvor können wir in unserem Unterschlupf noch E-Mails beantworten, die auch Einfluss auf die Beziehung zu den anderen Figuren haben und uns neue Ausrüstung von unserem Geld kaufen. Im Einsatz macht sich dann bemerkbar, für welchen Agententyp wir uns zu Beginn entschieden haben: Wenn wir ein geübter Schleicher mit Pistolenerfahrung sind, dürfen wir temporär lautlos laufen, uns unsichtbar machen oder die Zeit für einige kritische Treffer verlangsamen. Als geübter Schütze haben wir es hingegen leichter, wenn mehrere Feinde in der Umgebung sind, dafür lösen wir öfter Alarm aus. In jedem Fall aber ist Thorton ein guter Hacker, denn um Sicherheitssysteme lahmzulegen oder an Informationen zu kommen, müssen wir in drei höchst unterschiedlichen, aber auf die Dauer doch eher langweiligen Minispielen in einem sich bewegenden Buchstaben- und Zahlenmeer stillstehende Zeichenreihen ausfindig machen oder mit einem Dietrich Schlösser knacken.

Laberbacke

In Alpha Protocol wird auch viel geredet, denn die Geschichte muss ja auf irgendeine Weise erzählt werden. Wie in Mass Effect dürfen wir hier aussuchen, wie wir antworten, während wir im Spiel von BioWare aber bereits den Inhalt unserer Antwort erfahren, geben wir in Alpha Protocol nur unser grundlegendes Verhalten (Zurückhaltend, Aggressiv, Professionell) an, manchmal dürfen wir auch aktiv Entscheidungen treffen, so können wir Nasri, wenn wir ihn gestellt haben, festnehmen lassen, erschießen oder ihn verschonen, er könnte ja noch Informationen für uns haben. Hoch erfreulich ist, dass die Auswirkungen unserer Entscheidungen sich kaum abschätzen lassen, denn einige Zielpersonen haben noch ganz andere Absichten, die wir noch nicht ahnen können. Dies lässt einen fast denken, man hätte hier mit echten Menschen zu tun. Diese Illusion wird jedoch durch die schwache Grafik zerstört, denn obwohl das Spiel auf der Unreal Engine 3 basiert, könnte Alpha Protocol noch aus der letzten Konsolengeneration stammen. Hässlicher Texturenaufbau, schlechte Animationen, die teilweise nur noch lächerlich wirken, wechseln sich mit den gut designten, abwechslungsreichen Leveln ab. Die sehr unterschiedlich, gut designten Figurenmodelle gehen hingegen in Ordnung, lediglich die Klongegner nerven auf die Dauer. Beim Ton ist alles im Lot, die Sprecher machen ihren Job gut, es fehlt lediglich eine deutsche Sprachausgabe, immerhin gibt es gut übersetzte Untertitel, die manchmal aber zu schnell laufen.

Level Up

In den regelmäßigen Levelaufsteigen könnt ihr wie in Mass Effect und Deus Ex euren Umgang mit den einzelnen Waffentypen, eure Tarnung oder eure Hackfähigkeiten verbessern. Das alles hat spürbare Auswirkungen auf euren Spielstil, denn ihr schaltet mit fortschreitendem Level auch immer neue Fähigkeiten frei, die zwar nicht immer realistisch sind (Stichwort Unsichtbarkeit), aber gut ins Gesamtbild passen. Leider ist das Balancing zwischen den Spielstilen durchwachsen: Manche Einsätze sind als Schleicher kaum schaffbar, während wir durch andere fast durchrennen können. Außerdem gibt das Spiel sehr wenig Feedback, ob wir entdeckt wurden, vor allem wenn wir wenig Punkte auf das Attribut „Tarnung“ verteilt haben. Auch gestalten sich die Bossfights sehr simpel, wenn man den Pistolenskill sehr stark weiterentwickelt, so darf man gegen Ende die Zeit für bis zu sechs kritische Kopftreffer verlangsamen, die einen Bosskampf ganz oder zur Hälfte entscheiden. Auch so gibt es kleinere Ragdoll-Bugs, über die man sich aber eher amüsiert als ärgert. Nervender ist da schon, wenn Michael und die mögliche Romanze Mina (wieder einmal: Stichwort Mass Effect) die selbe Konversation zweimal hintereinander führen, immerhin hindert es nicht am Weiterspielen.

Around the World

Nach dem ersten Missionsblock in Saudi-Arabien mit einem spannenden Finale, dessen Ausgang auch von unserem Handeln abhängt, müssen wir uns wieder auf drei Attribute festlegen, die wir besonders weiterentwickeln wollen. Hier setzt der zweite Akt ein, in dem wir in Moskau, Rom und Taipeh weiteren, teils skurillen Charakteren wie der ehemaligen Stasi-Agentin SIE oder dem eher schrulligen Gangster Brayko begegnen und weitere Nachforschungen über die weltweite Verschwörung anstellen. Auch wie wir mit diesen Personen umgehen, hat Einfluss auf die Geschichte, wenn wir bestimmte Personen töten, könnten wir den Kontakt zu anderen Personen verlieren, wenn wir hingegen Leute verschonen, stehen diese uns im späteren Spielverlauf zur Seite, oder sie treiben doch ein falsches Spiel mit uns und wollen uns hintergehen. Gerade diese Ungewissheit macht Alpha Protocol so spannend. Nach einem ebenfalls packenden Schlussakt mit unzähligen, möglichen Enden bleiben zwar einige Fragen unbeantwortet, die meisten Antworten können wir aber mit erneutem Durchspielen beantworten, sofern wir uns anders verhalten.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Figurenmodelle, abwechslungsreiche Schauplätze
  • Sound: passende Musik, sehr gute Sprecher...
  • Balance: gut gesetzte Speicherpunkte, Schwierigkeitsgrade
  • Atmosphäre: interessante Schauplätze, skurrile Charaktere
  • Bedienung: gut gestaltetes Inventar, übersichtliche Menüs
  • Umfang: viele Schauplätze, Wiederspielwert, Spieldauer
  • Quests/Handlung: spannende Geschichte mit vielen Wendungen
  • Charaktersystem: sehr unterschiedliche Attribute, Beziehungssystem
  • Kampfsystem: unterschiedliche Vorgehensweisen
  • Items: Waffen und Ausrüstung mit Vor- und Nachteilen
  • Grafik: Animationen, Texturen(aufbau)
  • Sound: ...leider nur auf Englisch, zu schnelle Untertitel
  • Balance: Anspruch der Missionen schwankt
  • Atmosphäre: -
  • Bedienung: unpräzise Maussteuerung, Deckungssteuerung
  • Umfang: -
  • Quests/Handlung: auf die Dauer nervende Minispiele
  • Charaktersystem: -
  • Kampfsystem: Gegner-KI, schwankender Anspruch
  • Items: die meisten Gadgets sind nutzlos

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(1)

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