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Seite 2: 11-11: Memories Retold im Test - Ein Spiel für den Frieden

Ein Krieg, viele Schicksale

Meine Spielfiguren sind mittendrin: Harry ist ein junger Fotograf, der nur Soldat wird, um seine Flamme Julia zu beeindrucken. Kurt wiederum erfährt, dass die Einheit seines Sohnes verschwunden ist und macht sich auf die Suche nach ihm. Es geht um persönliche Geschichten, statt um das große Ganze.

Beide Charaktere sind mit Elijah Wood und Sebastian Koch prominent und sehr gut vertont. Die Synchro bringt zudem einen Kniff mit: Jeder spricht in seiner Landessprache. Als Spieler helfen mir zwar Untertitel, die Figuren verstehen aber nur ihre eigene Sprache, was zu Missverständnissen führen kann - beispielsweise, wenn man jemandem klarmachen will, dass man ihn nicht töten möchte.

Besonders interessant wird es, als Kurt und Harry unfreiwillig gemeinsam eingeschlossen werden und sich irgendwie verständigen müssen. Als die beiden merken, dass sie einander nichts tun wollen, entsteht eine zarte Freundschaft. Obwohl die beiden Gegner im Krieg sind, versuchen sie, sich zu helfen.

Man steuert sie abwechselnd, während ihre Geschichten sich immer wieder beeinflussen. Das sorgt für eine besonders intensive Erfahrung, weil man immer zwei Blickwinkel auf ein Ereignis mitbekommt. Zusätzlich erfährt man über in der Welt verstreute Sammelobjekte viel über die Hintergründe und realen Umstände des Ersten Weltkriegs, was das Erlebte glaubhafter wirken lässt. Memories Retold bemüht sich sichtlich, den Konflikt authentisch darzustellen und Wissen zu vermitteln.

Über Sammelobjekte erfährt man mehr über den Ersten Weltkrieg. Über Sammelobjekte erfährt man mehr über den Ersten Weltkrieg.

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Gewehre abkühlen statt schießen

Die Spielmechaniken fallen zwar rar und simpel aus, vermitteln dafür aber ein gutes Bild dessen, was Soldaten im Ersten Weltkrieg (durch)gemacht haben. Ich ballere mich nicht wie in Battlefield 1 über das Schlachtfeld, sondern kühle überhitze Maschinengewehre ab oder versuche, den Feind abzuhören. Dabei muss man immer wieder kleine Rätsel lösen, zum Beispiel Funkgeräte reparieren; wirklich herausfordernd wird Memories Retold spielerisch aber nie.

Ein wenig lästig ist auch, dass es keine Questmarker oder Hinweise gibt, weshalb man oft eine Weile durch den Schützengraben irrt, bevor man Person X oder Gegenstand Y gefunden hat. Dafür nutzt Memories Retold clever seine zwei Hauptfiguren: Kommen sie zusammen, ist Teamwork angesagt. Man muss zum Beispiel eine Schleichpassage mit Harry meistern, während Kurt deutsche Soldaten ablenkt oder ihm den Weg freiräumt.

Zusätzlich verfügen beide über ein (etwas kitschig symbolträchtiges) Haustier: Harry wird von einer Taube begleitet, Kurt von einer Katze. Beide darf man zwischendurch spielen, um für Ablenkungsmanöver zu sorgen oder unerreichbare Collectibles aufzusammeln, was etwas Abwechslung reinbringt.

Harry und Kurt müssen sich gegenseitig helfen, um zu überleben. Harry und Kurt müssen sich gegenseitig helfen, um zu überleben.

Es gibt auch Entscheidungen im Spiel. Viele fallen klein aus und dienen eher dazu, mir unterschiedliche Möglichkeiten zu geben, mit dem Krieg umzugehen. Neben Dialogoptionen bei denen ich mich flott entscheiden muss, darf ich als Kurt auch Briefe an meine Familie schreiben und dabei ehrlich von den Schrecken des Krieges berichten oder alles beschönigen. Harry sucht sich abseits der festen Story-Schnappschüsse eigene Foto-Motive, die er an Julia schicken kann.

Das beeinflusst ihr Verhältnis zur Familie und zu Julia, wirklich wichtig wird meine Wahl aber erst bei den großen Entscheidungen am Schluss. Die legen fest, welches der mehreren Enden ich zu sehen bekomme. Dadurch fühlt es sich trotzdem wie meine Geschichte an, auch wenn viel vorgegeben bleibt. Letztlich kann ich den Krieg als einfacher Soldat eben nur im Kleinen verändern. Aber allein, dass die Figuren trotz aller Widrigkeiten an den Frieden glauben, macht sie für mich schon zu Helden.

11-11: Memories Retold - Video: Herr-der-Ringe-Star Elijah Wood erklärt das außergewöhnliche Weltkriegsspiel 4:52 11-11: Memories Retold - Video: Herr-der-Ringe-Star Elijah Wood erklärt das außergewöhnliche Weltkriegsspiel

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