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30 Jahre Sound Blaster: Wie der PC per Karte das Sprechen lernte

Im November 1989 erlebten unsere Ohren eine Revolution: Dank der ersten Sound-Blaster-Karte mit Sample-Ausgabe klangen Spiele plötzlich wie die reale Welt. Das wurde aber auch höchste Zeit.

von Henner Thomsen,
18.11.2019 08:00 Uhr

  • Sie war nicht die erste Soundkarte für den PC - aber die Sound Blaster von Creative Labs setzte sich vor 30 Jahren erfolgreich als DAS Hardware-Upgrade für Spieler durch.
  • Wo vorher nur der PC-Speaker quakte und anschließend MIDI-Klänge aus dem Syntheziser blecherne Audio-Effekte und Musik simulierten, umschmeichelten dank der Sound Blaster realistische Samples fortan die Ohren der PC-Spieler.
  • Für GameStar Plus wagt unser Retro-Hardware-Experte Henner Thomsen einen Blick zurück auf die Geburtsstunde des guten Tons.

Vom Krächzen und Piepsen zu wohlklingender Harmonie - 30 Jahre Sound Blaster PLUS 9:42 Vom Krächzen und Piepsen zu wohlklingender Harmonie - 30 Jahre Sound Blaster

Es ist ein harmloser Kinderreim, der die Welt verändert. Um seinen just erfundenen Phonographen zu testen, diktiert Thomas Edison das Gedicht »Mary had a little lamb« in das Gerät - und schafft so die erste Tonaufzeichnung der Geschichte.

Seit jeher versuchen wir Menschen, Eindrücke jener physischen Welt einzufangen und wiederzugeben, die wir »Realität« nennen, für die Kunst, für die Wissenschaft; 1826 nimmt Nicéphore Niépce das erste Foto auf, 50 Jahre darauf Edison seinen ersten Klang.

Und als ein weiteres Jahrhundert später die ersten grafischen Videospiele aufkommen, verfolgen auch sie ein klares Ziel: in Bild und Ton die Wirklichkeit nachzubilden. Möglichst realistisch, nur mit Aliens. Nach dem Fotorealismus streben sie noch immer. Den Phonorealismus aber haben sie erreicht - dank einer kleinen Revolution vor 30 Jahren.

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Am Anfang war der Piepston

Für Pong reicht's. Ataris erster Spielautomat von 1972 bietet eine Grafik, die man euphemistisch »schlicht« nennen kann, untermalt mit nichts als ein paar schnarrenden Piepsern - und wird dennoch zum ersten Welterfolg der Spielegeschichte.

Als das Medium reift, nähern sich die Spielwelten mit immer aufwändigerer Technik der Realität, vor allem in der Spielhalle: Der Battlezone-Automat nutzt 1980 schon 3D-Grafik, Journey 1983 digitalisierte Fotos, Dragon's Lair spielt im gleichen Jahr per Laserdisc sogar ganze Filmszenen ab. Diese enthalten auch Sprachaufnahmen, denn die Tontechnik hält mit der grafischen Entwicklung Schritt - und dieser Fortschritt ist ebenso daheim zu hören.

Die Atari-Konsole VCS kann 1977 immerhin zweistimmige Klänge ausgeben, Castle Wolfenstein entlockt dem Apple II 1981 gar synthetische Sprache und als Impossible Mission 1984 die unheilvollen Worte »Stay forever!« aus dem C64 ruft, entstammen sie einer echten menschliche Stimme, als »Sample« verewigt. Wie Edisons Kinderreim, vielleicht etwas bedrohlicher. Und unser PC? Der klingt immer noch wie Pong.

Der PC-Speaker kennt nur die Signale »an« und »aus«, findige Programmierer entlockten ihm damit aber durchaus komplexe Klänge. Leider. Der PC-Speaker kennt nur die Signale »an« und »aus«, findige Programmierer entlockten ihm damit aber durchaus komplexe Klänge. Leider.

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