Ich hatte lange ein schwieriges Verhältnis zu Marvel's Midnight Suns. Dabei mag ich sogar Superhelden und war jahrelang ein riesiger Fan des MCU. Trotzdem hätte ich mir von Firaxis nicht zwangsweise ein Spiel im Marvel-Universum gewünscht.
Da standen ganz andere Ideen deutlich weiter oben auf meiner Wunschliste. Abseits von einem XCOM 3 etwa auch ein Rundentaktikspiel mit Star-Wars-Lizenz – immerhin der letzte Wunsch wird mir jetzt noch nachträglich erfüllt, wenn 2026 Star Wars Zero Company erscheint.
Nun lag da aber dieses Superhelden-Spiel auf meinem Stapel und das in einer Zeit, als ich so langsam Marvel überdrüssig wurde. Folglich dauerte es bis Ende 2024, bevor ich mal einen Blick reinwarf – und prompt über 80 Stunden in dem Rundentaktikspiel versenkte.
Marvels's Midnight Suns ist nämlich ein kleines Strategiejuwel, das vor allem zum aktuellen Preis von lächerlichen 9 Euro auch dann zündet, wenn ihr mit Superhelden sonst weniger am Hut habt.
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Marvel's Midnight Suns - Test-Video zum Rundentaktik-Spiel der XCOM-Entwickler - Test-Video zum Rundentaktik-Spiel der XCOM-Entwickler
Erstklassige Inszenierung
Marvel's Midnight Suns ist nicht einfach nur XCOM mit Superhelden. Das Team hat sich für ihren Marvel-Ausflug völlig neu erfunden und dabei nur an einigen wenigen Grundpfeilern festgehalten, die schon XCOM 2 zum heute legendären Hit machten. Die Wichtigste davon: Inszenierung!
Einer der größten Erfolge des neuen XCOMs war schon immer seine Inszenierung. Hier wurden aus in der Vergangenheit häufig eher bieder inszenierten Rundengefechten echte Action-Kracher. Die Kamerafahrten, Animationen und Effekte lassen einen leicht vergessen, dass das alles gerade einfach nur Runde für Runde abläuft.
Marvel's Midnight Suns legt hier eine Schippe obendrauf. Wenn die Superhelden einmal loslegen, dann knallt es einfach ordentlich. Und nicht nur, weil Iron Man gewaltige Laserstrahlen verschießt, Captain Marvel ihre Photonfäuste zum Glühen bringt oder der Ghost Rider auf einem brennenden Muscle-Car Gegnern mit Ketten in die Hölle zerrt.
Auch eher »profane« Superhelden werden dank wuchtiger Hiebe und toller Choreografien passend zum Leben erweckt.
Alles andere als oberflächlich
Inszenierung ist aber auch nie eine Schwäche von Marvel gewesen, den Filmen fehlt es wenn dann eher an Substanz. Genau hier spielt Midnight Suns aber seine wahre Stärke aus. Denn über 80 Spielstunden würde ich in keinem Taktikspiel sammeln, das sich eintönig anfühlt oder zu wenig Herausforderung bietet.
Nicht nur steckt in dem Strategiespiel eine wirklich enorm große Auswahl an Superhelden, jeder davon bringt eine ganze eigene Spielweise mit aufs Schlachtfeld und damit immer neue strategische Herangehensweise.
Da hier auch eine große Portion Rollenspiel drinsteckt, lassen sich die Heldinnen und Helden zwar grob in Tank, Damage Dealer und Support unterteilen – aber wie sie diese Aufgabe interpretieren, unterscheidet sich gewaltig.
Sowohl Captain America als auch der Incredible Hulk gelten als Tanks. Doch während Cap verständlicherweise mit seinen Aktionen vor allem seinen Schildwert ins Unermessliche bufft, gerät Hulk immer mehr in Rage und steigert damit seine Lebensleiste.
Auf der anderen Seite sind Spider-Man und Blade beides Damage Dealer. Spidey nutzt dafür (je nach Build) aber eben in der Regel die zerstörbare Umgebung, Blade stackt hingegen Blutungseffekte.
Doch letztlich gibt es für jeden Helden eine Vielzahl an Strategien, und welcher Build euch am meisten hilft, müsst ihr selbst herausfinden. Zumal hier auch immer die Kombination eures dreier Teams eine Rolle spielt und sich einige Helden besser ergänzen als andere.
Seid nicht wie ich
Ich umschiffe den ganzen Artikel lang bereits ein Thema: Karten. Denn Marvel's Midnight Suns wird oft auch als Deckbuilder bezeichnet und setzt in der Tat auf ein Kartensystem in seinen Gefechten. Beispielsweise müsst ihr jede Runde aus einer Auswahl an Handkarten wählen und die perfekte Kombination finden, um den oft knackigen Herausforderungen Herr zu werden.
Mich hat das ebenfalls abgeschreckt, da mich Spielkarten in Videospielen oft rausreißen. Das war eine Dummheit von mir! Lasst euch von dem Thema Karten nicht zu sehr verunsichern. Ihr müsst zwar durchaus clevere Decks für jeden Helden bauen (was Spaß macht!), aber das ist auch nichts anderes als Skills in einem Skilltree freizuschalten.
Es gibt durchaus einen gewissen Glücksfaktor, wenn ihr Karten nachzieht, etwa. Aber das ist auch nicht viel mehr oder weniger frustrierend als, wenn ihr in XCOM danebenschießt. Viel mehr geht es beim Planen eurer Fähigkeiten und Heldenkombination genau darum, den Glücksfaktor zu regulieren und Sets zusammenzustellen, bei denen jede neue Karte hilft!
Zumal zur Strategie in einem Kampf nie nur die Handkarten gehören. Wo eure Helden stehen, welche interaktiven Umgebungsobjekte ihr einsetzt und wie ihr mit der Heldenmut-Ressource umgeht, ist genauso spielentscheidend.
Die nervigste Schwäche
Rein am Gameplay gemessen, ist Midnight Suns eine zweifelsfreie Empfehlung! So lange gegrübelt, taktiert und letztlich gejubelt, wenn alles funktioniert, habe ich selten. Aber ja, es gibt auch Schwächen. Die Story ist zwar gut, aber auch eher standardmäßiger Heldenkram und dreht sich übrigens um einen Schwerter-schwingenden Dämonenjäger namens Hunter, dessen Aussehen und Verhalten ihr selbst vorgebt.
Was auf Dauer wirklich nerven kann, ist der Social Hub. Je nach Spieltyp kann es lästig sein, zwischen den Missionen in dem Anwesen der Midnight Suns herumzulatschen. Wer sich obendrein für die Helden an sich nicht interessiert, hat wohl auch wenig Spaß daran, mit ihnen über ihre privaten Probleme zu plaudern.
Das ist eine klare Schwäche. Aber eine, die man verkraften kann. Denn andernfalls entgeht euch ein wirklich grandioses Strategiespektakel!
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