Monkey Man macht aus seiner Nähe zu John Wick keinen Hehl. In einer Szene kauft sich Hauptfigur Kid bei einem dubiosen Schwarzmarkthändler eine Knarre, der Dealer legt ihm eine Pistole auf den Tisch und johlt: »Du magst John Wick? Das hier ist eine TTI! Selbe Waffe wie im Film, aber aus China!«
Dass Kid abwinkt mit »Ich brauche was Kleineres«, ist aber mindestens genauso sinnbildlich für den ganzen Film: Ja, Monkey Man weiß, wie modernes Actionkino seit John Wick funktioniert, schlägt aber eine ganz eigene Route ein. Und diese Route gehört zum Besten, was ich seit langer Zeit gesehen habe, also reden wir mal kurz über Monkey Man. Natürlich ganz spoilerfrei.
Worum geht's in Monkey Man?
Monkey Man ist ein Actionfilm aus dem Jahr 2024. Regie führt Dev Patel, den ihr vielleicht schon in Slumdog Millionaire oder The Green Knight gesehen habt. Patel spielt auch die Hauptrolle: In der fiktiven indischen Großstadt Yatana schlägt er sich als Ringkämpfer Kid in abgekarteten Untergrund-Fights durch.
Parallel startet er als Tellerwäscher in einem Edelclub, der aber bloß als Fassade für Kokain- und Prostitutionsgeschäfte fungiert. Als Zuschauer merkt ihr ab der ersten Sekunde: Kid verfolgt einen Plan. Es geht um Rache, um eine geraubte Heimat, eine geraubte Familie und letztlich auch um eine geraubte Kindheit.
Unerträgliche Ungerechtigkeit
Klingt erstmal sehr genre-typisch – und das ist es auch. Monkey Man trumpft nicht beim »Was«, sondern beim »Wie«. Der Film nutzt seinen sehr klassischen Rachestoff, um mich als Zuschauer emotional auf die Barrikaden zu bringen.
Die ersten 30 Minuten gibt's fast gar keine Action, stattdessen baut Monkey Man seine Unrechtsgesellschaft ähnlich wie Parasite oder eben Slumdog Millionaire in fast unerträglichen, aber beeindruckend inszenierten Bildern auf.
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Kid schläft inmitten unzähliger armer Menschen Körper an Körper auf Paketpappe, er füttert einen ausgemergelten Straßenköter mit Essen, das die Reichen in den Müll werfen. Die Szenerien sind schmutzig, Patel filmt in Hinterhöfen, Kellern, in den Schatten, Fugen und Abflüssen der ach so prunkvollen Oberschicht.
Yatana mag eine fiktive Großstadt sein, Monkey Man verknüpft seine Story aber durchaus mit echten sozio-politischen Spannungen. Kid sucht zum Beispiel Unterschlupf in einem Tempel der Hijra, also trans- und intergeschlechtlichen Menschen, die in Indien (und darüber hinaus) noch immer brutal ausgegrenzt und diskriminiert werden.
Monkey Man zieht seine Grenzen mit dicken, klaren, manchmal fast schon plumpen Strichen. Die Reichen sind im Film fast karikativ bösartig, Graustufen gibt's an keiner Stelle. Und all das, damit diese angestaute Wut in mir als Zuschauer genauso aufflammt wie in Kid, um dann ab der Mitte des Films in einem unaufhörlichen Action-Feuerwerk zu verbrennen.
Warum ist Monkey Man so gut?
Während der eigentlichen Fights erreicht Monkey Man nie ganz das Niveau eines John Wick oder The Raid. Wo diese Action-Meisterwerke die Kamera im Prinzip einfach draufhalten können, weil die Stunt-Leute krasse Choreographien abreißen, muss Monkey Man viel häufiger hin- und herschneiden, um die Dynamik aufrechtzuerhalten. Die Action ist trotzdem gut, keine Frage, aber eben nicht John-Wick-gut.
Ein Stückweit scheint das aber auch gewollt: Kid ist am Ende des Tages ja kein kampferprobter Auftragskiller, sondern ein normaler Kerl, der die Rache einfach nicht aus dem Kopf bekommt. In den Kämpfen passieren ihm immer wieder Missgeschicke, das erinnert dann weniger an Wick und mehr an die Bus-Szene aus Nobody – und kommt entsprechend charmant rüber.
Dass mir die Action trotzdem genauso im Gedächtnis bleibt wie zuletzt John Wick 4, liegt an dem, was sie mit mir emotional anstellt. Weil ich die komplette erste Filmhälfte damit verbringe, die Schauplätze, Charaktere, das ganze Gebilde von Arm und Reich kennenzulernen, fühlt sich die Eskalation unglaublich intensiv an. Ohne Spoiler ist das natürlich schwierig zu beschreiben, aber vergleicht es mit Oceans Eleven: Den ganzen Film über wird der Casino-Raub geplant, damit ich am Ende voll und ganz mitfiebere, wenn die eigentliche Performance losgeht.
Also: Falls ihr mal wieder Bock auf einen ziemlich beeindruckenden Action-Ritt habt, dann gönnt euch Monkey Man. Der Film gehört aktuell zum regulären Angebot von Prime Video – falls ihr dort ein Abo habt, könnt ihr ihn bequem streamen und müsst nur die olle Werbung ertragen. Alternativ gibt's ihn aber auch für 5 Euro bei Apple TV und Sky zum Einmal-Kauf.
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