Apples TV 4K 2026 ist für mich und viele andere eine Enttäuschung. Allerdings ist die Streaming-Box für mich lediglich ein Synonym für einen stagnierenden Streaming-Markt, der nicht besser, sondern gefühlt nur teurer wird.
Ein wirkliches Qualitätsplus würde ich, wenn, von Netflix und Co. erwarten. Warum ich das für unwahrscheinlich halte und was das mit linearem Fernsehen zu tun hat, werde ich nachgehend erläutern.
Haben Streaming-Dienste kein Interesse an besserer Qualität?
4K, HDR, Dolby Atmos: Meinem Dafürhalten haben die Anbieter hier schon das ausgereizt, was für uns zuhause zweckdienlich ist. Hier nachzulegen wäre wohl vergebene Liebesmüh, denn laut Statista bucht das Gros der Kunden in Deutschland werbegestützte Abos – und die kommen gar nicht erst mit der bestmöglichen Bild- und Tonqualität.
Von einer insgesamt höheren Bitrate würden allerdings alle Tarife profitieren. Die momentanen Bitraten bei Streaming-Services sehen ungefähr so aus:
- Full HD (1080p): zwischen 3 und 8 Mbit/s
- 4K UHD (SDR): zwischen 10 und 20 Mbit/s
- 4K UHD (HDR): zwischen 15 und 30+ Mbit/s
Hinweis: Es gibt nicht den einen messbaren Wert, da die Bitrate von Faktoren wie Bildinhalten, Mastering-Prozess und Codecs abhängt. Das unterscheidet sich je nach Anbieter und teilweise von Film zu Film.
Vergleicht die mal mit den Bitraten von Disks:
- DVD: bis zu 10 Mbit/s
- Blu-ray: bis zu 40 Mbit/s
- UHD-Blu-ray: bis zu 128 Mbit/s
Schon eine Blu-ray ohne 4K steckt den bestmöglichen Tarif in die Tasche. Warum also bieten die Dienste nicht mehr Bits an? Oder zumindest im teuersten Abo? Mir fallen hierzu vier Argumente ein.
1. Hohe Bitraten sind zu teuer
Netflix, Disney+ und Co. übertragen täglich riesige Datenmengen. Wenn sie die Bitrate verdoppeln – also beispielsweise SDR-Inhalte in 4K ohne HDR für Blu-ray-Qualität –, verdoppelt sich bei vergleichbaren Inhalten ungefähr auch das übertragene Datenvolumen.
Das kostet Geld für Server, Netzinfrastruktur und die Bereitstellung der Filme und Serien. Netflix betreibt dafür beispielsweise ein eigenes Content-Delivery-Netzwerk namens Open Connect (Details findet ihr in einem Blogeintrag von Netflix). Effizientere Kompression spart dem Unternehmen also erhebliche Ressourcen, sprich: Geld.
2. Hohe Bitraten setzen eine schnelle und stabile Internetverbindung voraus
Auf seiner Hilfeseite schreibt Netflix, dass man für einen 4K-Stream bestenfalls mindestens eine 15 Mbit/s-Leitung oder höher haben sollte.
Die Krux: Das ist die benötigte Internetgeschwindigkeit für den gesamten Stream. Das garantiert keine bestimmte Bitrate bei einer Videospur. Darüber hinaus muss die Verbindung auch bei Schwankungen stabil bleiben.
Ein Film mit 80 Mbit/s übertragen ist über Glasfaser theoretisch kein Problem, aber ihr kennt das Problem: Deutschland und Glasfaser sind keine gute Kombo. Daraus folgt Grund Nummer drei.
3. Streaming-Anbieter wollen möglichst viele Kunden erreichen
Filme und Serien mit hoher Bitrate würden also allenfalls die Haushalte erreichen, die es monetär und von der Internetgeschwindigkeit her leisten können – was nur einen Bruchteil der gesamten Zielgruppe ausmacht.
Streaming-Dienste wollen natürlich möglichst alle unter einen Hut bekommen, weswegen sie die Qualität dynamisch an die verfügbare Bandbreite anpassen. Das nennt sich Adaptive Bitrate Streaming. Wird die Verbindung langsamer, sinkt die Bitrate, andernfalls drohen Ladepausen und Unterbrechungen.
Kurzum: Kundinnen und Kunden mit einer langsameren Internetverbindung würden nicht nur nicht von einer höheren Bitrate profitieren, es würde ihren Stream womöglich sogar bombardieren.
4. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer würden den Unterschied kaum sehen
Als ich neulich zum ersten Mal Apple TV abonniert hatte, war ich von der Bildqualität angetan. Klar, Heimkino ist mein Job, ich erkenne qualitative Unterschiede, wenn ich sie sehe.
Das geht allerdings nicht jedem so und das meine ich nicht despektierlich.
- Auf einem kleinen Fernseher fällt Videokompression deutlich weniger auf als auf einem 77-Zoll-OLED.
- In ruhigen Szenen fällt die höhere Bitrate gar nicht auf.
- Vielen Zuschauerinnen und Zuschauern sind ein stabiler Stream oder eine hohe Auflösung wichtiger.
All diese Argumente sprechen gegen eine höhere Bitrate bei Streaming-Diensten und abgesehen von Grund Nummer 3 lässt sich die Argumentation fast eins zu eins auf lineares Fernsehen übertragen.
Höhere Bildqualität ist teurer und wenn wir uns mit 480p oder 720p zufrieden geben, wieso mehr Geld ausgeben? Man kann’s den Fernsehsendern fast nicht verübeln.
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Warum gibt es aber kein teures Abo mit hoher Bitrate für Enthusiasten?
Davon abgesehen, dass Dienstleister immer noch die Infrastruktur bereitstellen müssten, dürften viele Filmfans, denen die Bildqualität wichtig ist, schlichtweg zur Scheibe greifen. Warum die Disk für viele immer noch Mittel der Wahl ist, habe ich in einem Special aufgearbeitet.
Fazit
Ich glaube, bei der reinen Bild- und Tonqualität haben wir beim Streaming vorerst das Ende der Fahnenstange erreicht – sowohl bei Soft- als auch Hardware.
Um beides auf ein mögliches nächstes Level zu hieven, bräuchte es eine Hand-in-Hand-Zusammenarbeit zwischen Hardware-Herstellern und Streaming-Diensten. Hier sind wir bei einem klassischen Henne-Ei-Problem.
- Die Software muss eine mögliche bessere Qualität liefern können. Dazu müssten Netflix und Co. in Vorleistung gehen, ihrerseits aufrüsten und hoffen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer mitziehen.
- Die Hardware – sowohl Streaming-Sticks und -Box als auch TVs – muss die bessere Qualität verarbeiten und darstellen können. Ohne den passenden Impuls sehen die Hersteller sich jedoch nicht genötigt, den aktuellen Standard anzupassen.
Und so bleiben wir schlussendlich wohl erstmal beim Status Quo. Oder stecken in einer Sackgasse, je nachdem, wie man es betrachten möchte. Und in so einer Sackgasse steckt man zuweilen lange fest. Im Heimkino gerne mal ein paar Hundert Jahre, schließlich schauen wir Filme und Serien immer noch mit 24 Bildern pro Sekunde, sehr zu meinem Bedauern.
Ich sehe es ja ein. Am Ende des Tages holen vor allem Inhalte die Leute ab und nicht die bessere Bild- oder Tonqualität. Neue Serien und Filme schauen sich die meisten in Full HD und mit Werbung an; da brauche ich von einer hohen Bitrate bei Streaming-Diensten gar nicht erst träumen.
Content ist King, Baby.

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