Manchmal entstehen Meisterwerke nicht aus sorgfältiger Planung, sondern aus purem Überlebensinstinkt. So war es auch mit der vierten Staffel von Babylon 5, die heute als eine der besten Science-Fiction-Staffeln aller Zeiten gilt. Doch das war keineswegs das ursprüngliche Ziel der Macher – es war eine Notlösung.
Der drohende Untergang von Babylon 5
Ursprünglich war die von 1993 bis 1998 im TV ausgestrahlte Serie Babylon 5 um eine von Menschen und Aliens bevölkerte Raumstation eine Geschichte geplant, die sich über fünf Seasons erstreckt. Mit dem Aus für den ursprüngliche Fernsehender PTEN wackelte dieser Plan.
Das Prime Time Entertainment Network von Warner Bros. Entertainment stellte am 27. Oktober 1997 den Sendebetrieb ein, also in dem für Staffel 4 geplanten Jahr. Serienmacher J. Michael Straczynski stand vor einem Dilemma. Sollte er seine Geschichte früher zu Ende erzählen – koste es, was es wolle? Oder darauf hoffen, dass sich ein Sender für eine fünfte Staffel finden würde?
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Babylon 5: Das legendäre Intro einer der besten Science-Fiction-Serien
Straczynski entschied sich für die erste Variante: Staffel 4 wurde so vollgepackt mit Handlung, dass viele Episoden sich wie ein Staffel- oder gar Serienfinale anfühlten. Die beiden zentralen Konflikte – der Schattenkrieg und der Krieg zwischen der Erdregierung und den Babylon-Rebellen – waren im ursprünglichen Plan nämlich über zwei Staffeln verteilt. Doch nun mussten sie beide in nur einer untergebracht werden.
Das Ergebnis war ein atemloser Ritt durch die Handlung, der kaum Zeit zum Verschnaufen ließ. Epische Raumschlachten und emotionale Höhepunkte folgten Schlag auf Schlag. Den damals verblüffenden Cliffhanger des Staffel 3-Finales »Z’ha’dum« übertraf Staffel 4 mit einer Folge nach der anderen.
Auch deshalb habe ich Babylon 5 allen Sci-Fi-Fans als eine von sechs fantastischen Serien empfohlen:
Das verschobene Finale
Bereits nach einem Drittel von Staffel 4 waren die uralten, zerstörerischen Alien-Völker der Schatten und Vorlonen endgültig besiegt. Im Rest der Season befreiten Captain Sheridan und seine Verbündeten dann noch die Erde, inklusive tragischer Verluste beim Cast.
Straczynski und Co. filmten auch eine Abschlussfolge namens »Der Weg ins Licht/Sleeping in Light«, ein bittersüßes Ende, das den Serien-Fans bis heute mit großartigem Soundtrack und vielen emotionalen Momenten ans Herz geht. Ein würdiger Abschluss der Serie (9,2 von 10 Sternen auf IMDb), der zu Recht in die Annalen der Science-Fiction eingehen sollte - aber vorerst nicht ausgestrahlt wurde.
Denn während der Dreharbeiten gab es eine frohe Botschaft: Babylon 5 bekam doch noch eine fünfte Staffel, der Fernsehsender TNT hatte die Serie unter Vertrag genommen. Auf den letzten Drücker wurde das bereits abgefilmte Finale verschoben und eine neue Abschlussfolge für die vierte Staffel gedreht, »In hundert Jahren, in tausend Jahren/The Deconstruction of Falling Stars«.
Eine Staffel zum Überspringen
Die folgende fünfte Staffel litt darunter, dass mit dem Krieg der Telepathen ein Nebenplot zur neuen Hauptgeschichte wurde. Neue Charaktere wie Captain Lochley oder Telepath Byron konnten nie richtig überzeugen, der Weggang bekannter Schauspieler am Ende von Staffel 4 wog schwer.
Ironischerweise überspringen bis heute viele Fans der Serie Season 5 fast komplett und schauen am Ende von Staffel 4 einfach das ursprüngliche Finale, die 22. Episode von Staffel 5. Denn das ist ein wundervoller Ausklang für eine der wohl intensivsten Sci-Fi-Staffeln aller Zeiten, ohne Lückenfüller-Episoden und mit einem Twist nach dem anderen.
Ironischerweise hätte die vierte Season von Babylon 5 ohne die drohende Absetzung wohl nie den gleichen Status unter Science-Fiction-Kennern erreicht. Denn wenn die Macher ihren ursprünglichen Plan hätten durchziehen können, wäre Staffel 4 nicht die actiongeladene, dramatische Tour de Force geworden, die sie heute ist.
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