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Seite 2: Battlefield 4 im Test - Mit Rumms und Routine

Levolution statt Revolution

Die maritime Aufrüstung macht aber deutlich: in Battlefield 4 geht's wesentlich öfter ins kühle Nass. Die Hälfte der - leider nur zehn - Karten des Spiels verfügt über mehr oder weniger große Wasserflächen. Unser neuer Favorit verzichtet sogar gänzlich auf Landfahrzeuge. »Sturm auf Paracel« verlegt die bleihaltige Flaggeneroberung auf eine kleine Inselkette mitten im Chinesischen Meer - im wunderschönen Chinesischen Meer.

Die neue Frostbite Engine 3 lässt die Muskeln spielen und zaubert einladende Sandstrände, tropischen Bewuchs und eine riesige, toll animierte Wasserfläche auf den Bildschirm. Viel Platz also, um sich mit den neuen Pötten auszutoben.

Dass uns die Karte innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen ist, liegt neben der tollen Spielbarkeit und dem ungewöhnlichen Setting auch an einer fantastischen Atmosphäre, die das ohnehin serientypisch grandiose Schlachtfeld-Gefühl in ungeahnte Höhen treibt. Herrscht zu Beginn einer Runde noch bestes Urlaubswetter, zieht nach einiger Zeit ein handfester Sturm auf und lässt riesige Wellentürme gegen die Ufer branden.

Battlefield 4 - Die zehn Mehrspieler-Karten in der Übersicht ansehen

Gleichzeitig reißt sich ein riesiger Zerstörer aus seiner Verankerung und bohrt seinen Bug in bester Speed-2-Manier in eine der Inseln. »Levolution« nennt Dice dieses Feature und meint damit besondere Ereignisse, die das Spielgefühl einer Karte während laufenden der Partie verändern. Leider wirkt sich das aber nicht immer so stark aus wie auf »Sturm auf Paracel«.

Negativer Höhepunkt ist der Dammbruch auf der Karte »Langcang-Damm«. Statt gigantischer Wassermassen stürzen lediglich einige Trümmerteile auf das Spielgebiet, in denen unsere Spielfigur dann auch noch ständig hängen bleibt. Nach den vollmundigen Ankündigungen ist das, gelinde gesagt, ziemlich unterwältigend. Aber immerhin gibt's sowas überhaupt.

Zudem setzt jede Karte andere spielerische Schwerpunkte: Mal stehen Infanteristen im Mittelpunkt, mal Panzer, mal Boote. Mal wird über größere Distanzen gekämpft, mal auf engstem Raum. Das klingt simpel, beeinflusst das Spielgefühl aber spürbar - auch wenn nicht alle Schlachtfelder wirklich perfekt gestaltet sind.

Entschärfter Rush

Enttäuschend ist für uns etwa die Umsetzung einiger Karten im extrem beliebten Rush-Modus. Schon bei den DLCs zu Battlefield 3 hat sich Dice hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert (absoluter Tiefpunkt: Armored Kill).

Ganz so schlimm ist es in Battlefield 4 zwar nicht, doch die Idee ein MCOM in einem Kellerraum zu platzieren (»Zavod 311«), einen Abschnitt nur auf einem unzugänglichen Flugzeugträgerdeck ablaufen zu lassen (»Sturm auf Paracel«) oder Angreifer einen engen Strandbereich nur mit leichten Hubschraubern und Gummibooten erstürmen zu lassen (»Hainan-Resort«), lässt uns an der Zurechnungsfähigkeit der Map-Designer zweifeln.

Battlefield 4 - Technikvergleich: PC gegen Next-Gen-Konsolen 2:48 Battlefield 4 - Technikvergleich: PC gegen Next-Gen-Konsolen

Und wer »Operation Spind« verbrochen hat, sollte gleich bei Wasser und Brot in selbigen gesperrt werden. Ziel war es wohl eine Karte zu schaffen die sich »so ähnlich wie Operation Métro« aus Battlefield 3 spielt. Herausgekommen ist ein finsterer Levelschlauch, dessen viele schmale Durchgänge von den Spielern becampt und mit Granaten bombardiert werden - Spielspaß ist anders!

Richtig Laune macht »Operation Spind« eigentlich nur im neuen Spielmodus Entschärfung (»Defuse«). Hier kämpfen beide Teams darum, eine Bombe in der Gegnerischen Zielzone scharf zu machen und zur Detonation zu bringen.

Der Twist daran: Jeder Spieler hat wie bei Counter-Strike nur ein Leben. Wer erschossen wurde, muss bis zur nächsten Runde Däumchen drehen. Die Gefechte spielen sich so einen Hauch taktischer, erfordern koordiniertes Vorgehen und der Defibrillator des Sturmsoldaten wird immens wichtig. Wer allerdings einen Server mit mehr als zwanzig Spielern aufsucht, muss entweder extrem gut sein oder kann in den langen Zwangspausen endlich mal die Wohnung putzen oder Altchinesisch lernen.

Zähe Vernichtung

Ebenfalls neu dabei ist der Modus Vernichtung (»Obliteration«). Wieder geht es ums Bombenlegen, diesmal gibt es aber auf der ganzen Karte nur einen einzigen Sprengsatz, der zufällig in einem Bereich etwa in der Mitte der Karte erscheint. Beide Teams zanken sich also um den Besitz des explosiven Pakets, um damit nacheinander drei feindliche Ziele zu pulverisieren. Klar, dass es dabei ordentlich zu Sache geht.

Weil man die immer gleichen Spawnpunkte der Bombe schnell verinnerlicht hat, reicht aber häufig schon ein gut geführtes Squad, um die Runde für sich zu entscheiden. Einmal mit dem Heli reingebrettert, Bombe geschnappt und ab dafür. Wenn die Verteidiger jetzt nicht gut positioniert sind, ist die Runde schneller vorbei als wir »Wo ist denn schon wieder die Luftabwehr?« rufen können.

Battlefield 4 - Boxenstopp zur Standard- und Deluxe-Edition 7:38 Battlefield 4 - Boxenstopp zur Standard- und Deluxe-Edition

Zu Problemen ganz anderer Art führt die standardmäßig abgeschaltete Rundenzeit-Begrenzung. Verschanzt sich ein Team an seinem letzten Ziel, zieht sich eine Partie schon mal länger als eine Quintupel-Vorführung der Twilight Filme - mit ähnlichem Spannungsfaktor. Hier sollte Dice schnell nachbessern.

Trotz dieser Kinderkrankheiten hoffen wir, dass der Obliteration-Modus nicht so schnell wieder in der Mottenkiste verschwindet wie Capture-the-Flag, dafür macht er nämlich jetzt schon viel zu viel Spaß.

Insbesondere Battlefield-Einsteiger helfen zudem zwei neue Kamera-Funktionen: die Spawn- und die Kill-Cam. Letztere zeigt wie in anderen Shootern, wo der miese Feind herumhockt, der uns gerade ausgeknipst hat. So können wir Camper beim nächsten Mal eins auswischen. Die Spawn-Cam wiederum zeigt uns vorab, was gerade an dem Punkt des Schlachtfelds passiert, an dem wir spawnen wollen. Das hilft dabei, nicht sofort mitten in den Kugelhagel zu springen.

Nicht durchdachter Kommandant

Beim Entschärfen, Vernichten und sonstigen Kämpfen können wir unsere Kameraden nun auch endlich wieder von oben zuschauen - und zwar im Commander-Modus, der in Battlefield 4 seine Rückkehr feiert.

Als Befehlshaber betrachten wir das Spielgeschehen auf einer Übersichtskarte. Von hier befehlen wir unseren Squads, Flaggenpunkte anzugreifen oder zu verteidigen. Zur Unterstützung lassen wir Aufklärungsdrohnen ausschwärmen, die feindliche Positionen aufdecken. Mit jeder gelungenen Aktion füllen wir eine Leiste, die besondere Squad-Unterstützungen freischaltet. Das Halten bestimmter Flaggenpunkte ermöglicht außerdem den Einsatz besonders mächtiger Fähigkeiten wie dem Gunship.

Anders als in Battlefield 2 stehen die Commander der beiden Teams nicht mehr als Soldaten auf dem Schlachtfeld auf und müssen sich beim Befehligen folglich nicht mehr in Gebüschen oder Containern verstecken. Stattdessen kommandieren sie ihre Truppen unsichtbar von außerhalb der Karte, die Spielerzahl steigt sich somit auf 66, also 64 Spieler plus zwei Kommandanten.

Battlefield 4: Der Commander Modus aus Battlefield 2 kehrt zurück, diesmal darf der Commander aber nicht direkt auf dem Schlachtfeld mitspielen. Battlefield 4: Der Commander Modus aus Battlefield 2 kehrt zurück, diesmal darf der Commander aber nicht direkt auf dem Schlachtfeld mitspielen.

So interessant die Möglichkeiten des Commanders auch sind und so gerne wir ihn in Battlefield 2 auch gespielt haben - ganz durchdacht ist die Befehlshaber-Funktion derzeit noch nicht. Denn weil die Squad-Anführer keine direkten Belohnungen fürs Erfüllen von Kommandeurs-Befehlen bekommen, halten sie sich auf öffentlichen Servern auch kaum an unsere Vorgaben. Das fühlt sich dann so an wie ein Echtzeit-Strategiespiel, in dem die Soldaten nicht das tun, was wir anordnen.

Also beschränken wir uns hauptsächlich darauf, Aufklärungsdrohnen anzufordern und Cruise Missiles abzufeuern. Nett, aber es ginge spannender. Die Commander-Übersichtskarte können wir momentan übrigens nur direkt im Spiel aufrufen. Später möchte Dice auch eine App veröffentlichen, mit der wir unsere Teamkameraden auch auf einem separaten Tablet herumkommandieren können.

Matches suchen wir wie gehabt über das nicht übermäßig komfortable Battlelog im Internet-Browser, von dem aus wir direkt in die Partie springen - allerdings manchmal erst nach sehr langen Ladezeiten, zudem haben wir im Test viele Spiel- und Serverabstürze erlebt -Daumen runter, Dice!

Abschließend blicken Sie doch noch einmal mit uns in die Vergangenheit. Damals attestierten wir Battlefield 3 zwar nicht das alte Battlefield-Gefühl aufleben zu lassen, dafür aber ein neues und noch besseres zu bieten. Dieses neue Gefühl fängt auch Battlefield 4 routiniert ein - aber eben wirklich nur routiniert, denn am grundsätzlichen Konzept hat Dice nichts geändert.

In Verbindung mit dem anspruchsvollen Hardcore-Modus und dem Ranking-System motiviert Battlefield 4 zwar durchaus, ein neues Spielgefühl entfaltet es aber nicht. So ist Battlefield 4 tatsächlich kein vollwertiger oder gar origineller Nachfolger geworden, dafür aber eine gute, wenn auch nicht ganz perfekte Fortsetzung eines großartigen Multiplayer-Shooters.

GameStar-Testlabor - Dog-Edition - Battlefield 4 vs. Call of Duty: Ghosts 2:28 GameStar-Testlabor - Dog-Edition - Battlefield 4 vs. Call of Duty: Ghosts

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