Ich habe in diesem Jahr rund 20 verschiedene Smartphones getestet – Geräte für unter 200 Euro bis hin zu Modellen für über 2.000 Euro. Dementsprechend habe ich mit aktuellen Handys einige Erfahrung und werde im Freundes-, Familien- oder Kollegenkreis regelmäßig um eine Kaufberatung gebeten.
Bei der Wahl des passenden Handys steht oft eine Frage im Raum: Welches Handy hat die beste Kamera?
Das Problem: Eine gute Smartphone-Kamera ist nicht einfach an der Megapixel-Zahl erkennbar. Ich habe Geräte mit 200 Megapixel getestet, die schlechter fotografierten als Handys mit 50 Megapixel. Das Zusammenspiel aus Sensor, Optik, Bildstabilisierung und Software macht am Ende den Unterschied.
Nach Tests unter verschiedenen Lichtsituationen zeigt sich: Drei Smartphones haben mich in diesem Jahr besonders beeindruckt. Und diese stelle ich euch im Folgenden näher vor.
Hinweis
In diesem Artikel werden ausschließlich Smartphones berücksichtigt, die ich 2025 testen konnte. Da wir nicht von allen Herstellern mit Testmustern bestückt worden sind, werden diese nicht berücksichtigt. Das betrifft etwa die iPhone 17-Reihe oder auch Modelle von OnePlus.
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Platz 1: Google Pixel 10 Pro (XL)
Das Google Pixel 10 Pro XL sichert sich die Spitzenposition. Nicht, weil es die meisten Megapixel hat, sondern weil es die konsistenteste Bildqualität über alle Lichtsituationen hinweg liefert.
Mit seinem 50-Megapixel-Hauptsensor, der 48-Megapixel-Ultraweitwinkel-Kamera und dem 48-Megapixel-Periskop-Telezoom bekommt ihr ein sehr flexibles Kamera-System, das auf intelligente Bildverarbeitung setzt.
Bei Tageslicht liefert die Hauptkamera hervorragende Ergebnisse mit großem Dynamikbereich und natürlichen Farben. Sehr gut ist aber auch die Performance bei schwachem Licht.
Während viele Konkurrenten ihre Tele-Kameras bei Dunkelheit an ihre Grenzen treiben, macht das Pixel hier noch sehr brauchbare Aufnahmen. Die Frontkamera mit 42 Megapixeln bietet eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger und liefert bei gutem Licht schöne Selfies mit natürlichen Hauttönen.
Stärken:
- Exzellente Belichtung und breiter Dynamikbereich
- Natürliche Hauttöne und präziser Weißabgleich
- Hohe Detailgenauigkeit beim nativen 5x Telezoom
- Sehr zuverlässiger Autofokus mit schneller Konvergenz
Schwächen:
- Leichter Detailverlust bei Low-Light-Situationen.
- Gelegentliche Blendenflecke bei Außenaufnahmen
Beispielaufnahmen:
Das Pixel 10 Pro XL zeigt: Eine ausgezeichnete Handy-Kamera lebt nicht von Specs auf dem Papier, sondern von Technik, die im realen Alltag zuverlässig liefert. Und das macht das Pixel 10 Pro XL in quasi jeder Situation.
- Top-Kamera, auch bei wenig Licht
- Tolles und sehr helles Display
- Sehr langer Update-Support (7 Jahre)
- Gute Stereolautsprecher
- Magnetisches Qi2-Laden
- Leistungsseitig deutlich hinter der Konkurrenz
- Vergleichsweise teuer
- Akkulaufzeit nicht herausragend
Platz 2: Samsung Galaxy S25 Ultra
Das Samsung Galaxy S25 Ultra überzeugt mit seiner Kamera-Vielfalt. Die 200-Megapixel-Hauptkamera, die 50-Megapixel-Ultraweitwinkel-Kamera mit Makro-Fähigkeit, das 3-fach-Teleobjektiv (10 Megapixel) und das 5-fach-Periskop-Teleobjektiv (50 Megapixel) geben euch in praktisch jeder Situation eine passende Optik.
Das Quad-Kamera-System richtet sich an Nutzer, die gerne flexibel sein möchten. Die 12-Megapixel-Frontkamera mag im Vergleich zur Konkurrenz niedrig auflösend wirken, liefert aber solide Selfies bei gutem Licht.
Bei Tageslicht entstehen knackig scharfe Aufnahmen mit schönen Farben und Kontrasten.
Die Zoom-Performance ist überzeugend: Bis zum 10-fachen digitalen Zoom sind die Ergebnisse noch sehr brauchbar, erst danach wird es pixelig.
Bei niedrigen bis mittleren Lichtwerten zeigt sich aber auch eine Schwäche: Das Gerät neigt zu sichtbarem Bildrauschen, besonders in kontrastreichen Szenen.
Stärken:
- Quad-Kamera-System mit vier unterschiedlichen Brennweiten
- Hervorragende Zoom-Leistung mit sehr gutem Detail bei langen Distanzen
- Tolle Detailwiedergabe und Schärfe der Hauptkamera bei Tageslicht
- Breiter Dynamikbereich
Schwächen:
- Sichtbares Bildrauschen in Low-Light-Szenen
- Gelegentliche Highlight-Clipping in schwierigen Lichtsituationen
Beispielaufnahmen:
Das Galaxy S25 Ultra ist die richtige Wahl, wenn euch die Flexibilität bei der Brennweite wichtig ist und ihr gerne unterschiedliche Optiken zur Hand habt. Es überzeugt mit tollen Tageslicht-Aufnahmen und guter Zoom-Performance.
- Hervorragende Kamera
- Tolles Display
- Langer Update-Support (7 Jahre)
- Gute Akkulaufzeit
- Top-Leistung
- Bildrauschen in Low-Light
- Speicher nicht erweiterbar
- S Pen ohne Bluetooth (Funktionen entfallen)
Platz 3: Honor Magic 7 Pro
Das Honor Magic 7 Pro komplettiert das Podium: Mit seinem 200-Megapixel-Periskop-Teleobjektiv (3-fach optisch) habt ihr eine Zoomkamera, die hervorragend ist. Dazu kommen die 50-Megapixel-Hauptkamera mit variabler Blende (f/1.4 bis f/2.0), die 50-Megapixel-Ultraweitwinkel und die 50-Megapixel-Frontkamera.
Das größte Alleinstellungsmerkmal des Magic 7 Pro ist aber die konsistente Farbwiedergabe über alle Brennweiten hinweg – ein Feature, das nicht alle Hersteller so gut hinbekommen.
Die Hauptkamera liefert bei guten Lichtverhältnissen natürliche, scharfe Aufnahmen. Die variable Blende ermöglicht kreative Kontrolle über die Tiefenschärfe. Der Ultraweitwinkel überzeugt neben Landschafts- auch mit schönen Makroaufnahmen.
Aber das Herzstück ist definitiv das Zoom-Teleobjektiv: Honor bietet eine richtig gute Qualität. Allerdings geht der Hersteller bei der Rauschunterdrückung mitunter sehr aggressiv vor – das führt zu weniger Details bei schwachem Licht.
Stärken:
- Periskop-Telekamera mit sehr guter Zoom-Auflösung
- Konstante Farbdarstellung über alle Brennweiten
- Variable Blende (f/1.4 bis f/2.0) am Hauptsensor
- Schneller und zuverlässiger Autofokus
Schwächen:
- Aggressive Rauschunterdrückung führt zu Detailverlust bei Low-Light
- Gelegentlich übermäßig geglättete Hauttextur durch KI-Processing
- Ultraweitwinkel schwächelt bei schlechtem Licht
Beispielaufnahmen:
Das Honor Magic 7 Pro ist die richtige Wahl, wenn ihr Wert auf ein herausragendes Zoom-System legt. Es glänzt bei mittleren Zoom-Distanzen und liefert dabei noch Details, wo die Konkurrenz mitunter schon zu Pixelbrei wird.
- Hervorragendes Kamerasystem
- Top-Leistung
- IP69-Zertifizierung
- TOF-Sensor für sichere Gesichtserkennung
- Hohe Aufladegeschwindigkeit
- Speicher nicht erweiterbar
- Akku-Downgrade beim EU-Modell
Günstigere Alternativen mit guter Kamera
Nicht immer muss es ein Flaggschiff sein, wenn ihr ein Handy mit einer guten Kamera haben wollt. Folgende zwei Alternativen beweisen, dass es auch deutlich günstiger möglich ist.
Xiaomi 15T Pro
Das Xiaomi 15T Pro ist ein Preis-Leistungs-Tipp in Sachen Kamera. Mit seinem 5-fach optischen Periskop-Telezoom bekommt ihr Zoom-Hardware, die deutlich über die Preisklasse hinausgeht. Die 50-Megapixel-Hauptkamera liefert auch bei Dunkelheit sehr gute Ergebnisse – dank des großen Sensors mit hervorragender Lichtempfindlichkeit.
Die Aufnahmen haben allerdings einen eigenen Look, der nicht immer natürlich ist – das ist Geschmackssache und kommt womöglich auch durch die Kooperation mit Leica zustande. Für den Preis von etwa 600 Euro ist das 15T Pro eines der besten Kamera-Smartphones.
Beispielaufnahmen:
Nothing Phone (3)
Das Nothing Phone (3) wird oft übersehen, dabei hat es eine Kamera, die sich nicht verstecken muss. Mit drei 50-Megapixel-Sensoren (50-Megapixel-Periskop mit 3x Zoom, 50-Megapixel-Ultraweitwinkel) habt ihr ein ausgewogenes Triple-Kamera-System.
Die Hauptkamera nutzt einen großen Sony-Sensor mit optischer Bildstabilisierung, was exzellente Tageslichtbilder ermöglicht.
Nothing nutzt knallige, gesättigte Farben – das ist Geschmackssache. Bei Low-Light liefert besonders die Ultraweitwinkel überraschend brauchbare Ergebnisse.
Für etwa unter 600 Euro bekommt ihr hier eine exzellente Kamera. Wer jedoch natürlichere Farben bevorzugt, wird sich an der Ästhetik reiben.
Beispielaufnahmen:
Günstig vs. teuer
Bei Tageslicht fällt es nicht immer leicht, ein High-End-Handy von einem Mittelklasse-Smartphone zu unterschieden. Mittlerweile sind nämlich auch diese häufig mit einem guten Kamerasystem ausgestattet. Tageslichtaufnahmen – gerade mit dem Weitwinkel (Hauptkamera) – sehen auch auf günstigeren Geräten oftmals gut aus.
Größere Unterschiede gibt es einerseits bei der Sensorgröße sowie beim Umfang der verschiedenen Optiken. Teure Handys haben beispielsweise mesit den besseren optischen Telezoom mit einer größeren Brennweite.
Zudem trennt sich nicht selten bei Aufnahmen mit wenig Licht die Spreu vom Weizen. Auch hier können die Hauptkameras bei vielen erschwinglicheren Handys zwar mittlerweile gute Ergebnisse erreichen. Bei den weiteren Linsen sieht das mitunter aber schon anders aus, wie folgendes Beispiel zeigen soll:
Ultraweitwinkel-Vergleich: Google Pixel 10 Pro XL vs. Samsung Galaxy A56 (Bildquelle: GameStar Tech)
Beim Ultraweitwinkel sieht man gut den Unterschied. Das Pixel 10 Pro XL zeigt noch viele Details, gut zu erkennen bei den Pflastersteinen am Boden. Das Galaxy A56 hingegen verliert durch eine starke Weichzeichnung zugunsten der Rauschunterdrückung viele Details.
Worauf ihr beim Handykauf achten solltet
Nach meinen diesjährigen Handy-Tests wird eines deutlich: Die Kamera-Qualität hängt von deutlich mehr ab als von der bloßen Megapixel-Angabe.
Hier sind die wichtigsten Kriterien, auf die ihr achten solltet:
- Sensorgröße und Pixelpitch: Ein größerer Sensor bedeutet größere Pixel, und größere Pixel fangen mehr Licht ein – das Ergebnis ist weniger Bildrauschen. Hersteller geben die Sensorgröße oft nicht an. Hier müsst ihr recherchieren oder in Tests nachlesen. Dabei gibt das Verhältnis von Pixelgröße zu Sensorgröße (Pixelpitch) die wahre Aussage ab. Ein 200-MP-Sensor auf einer winzigen Sensorfläche ist meist schlechter als 50 MP auf einem großen Sensor.
- Blende: Die Blendenöffnung bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Die Blendenzahl wird mit „f/" gekennzeichnet – und hier gilt: je kleiner die Zahl, desto größer die Öffnung. Eine f/1.7-Blende lässt mehr Licht durch als f/2.8. Das macht einen großen Unterschied, besonders bei Dunkelheit.
- Optischer Zoom: Ein optischer Zoom ist immer besser als Digitalzoom. Optischer Zoom nutzt tatsächliche Linsen und Brennweiten, Digitalzoom vergrößert einfach nur einen Bildausschnitt – mit sichtbarem Qualitätsverlust. Allerdings gibt es auch Hybrid-Zoom-Lösungen, bei denen nur ein Teil des Sensors genutzt wird (In-Sensor-Zoom) – das ist verlustfrei bis zu einem bestimmten Grad.
- Autofokus: Ein guter Autofokus ist essenziell, besonders bei schnellen Bewegungen. Hersteller nutzen dafür Phase Detection Autofocus (PDAF), Laser-Autofocus oder Dual Pixel-Technologie. Ein schneller Autofokus macht den Unterschied zwischen scharfem und unscharfem Bild aus.
- Mehrere Kameras: Eine 50-MP-Hauptkamera, ein spezialisierter Ultraweitwinkel (für Landschaften) und eine Telekamera (für Zoom) ermöglichen mehr Flexibilität.
- Optischer Bildstabilisierung (OIS): OIS ist ein großer Helfer, besonders bei Videos und bei Low-Light. Sie gleicht Handzittern aus und ermöglicht längere Verschlusszeiten ohne Verwacklung. Ohne OIS wird es bei Dunkelheit und Videos schnell problematisch.
Tipps für bessere Handyfotos
In den folgenden Artikeln geben wir euch Tipps, wie ihr mit einfachen Mitteln mehr aus euren Smartphone-Aufnahmen herausholen könnt.
Fazit
Wer die beste Handy-Kamera sucht, findet diese in den Premium-Modellen der Hersteller. Hier kommen schließlich die neusten Technologien zum Einsatz, ob nun Hardware- oder auch Software-seitig.
Ob Samsung, Google, Honor oder ein anderer Hersteller – die Qualität der Kamera unterscheidet sich nur in Details und durchgängig bieten die Flaggschiffmodelle der bekannten Hersteller eine richtig gute Kameratechnik.
Allerdings zeigen meine Empfehlungen im Bereich um 600 Euro auch, dass ihr eine hervorragende Handykamera bereits für deutlich unter 1.000 Euro bekommt. Selbst wenn ihr viel und gerne fotografiert, müsst ihr also nicht zwangsläufig zu den teuren Spitzenmodellen greifen.





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