Größere Akkus halten nicht automatisch länger durch
Als ich meine Testgeräte durchgemessen habe, fiel mir eines besonders auf: Die Akkukapazität allein sagt wenig über die tatsächliche Laufzeit aus.
Ein gutes Beispiel ist der Vergleich zwischen dem CMF Phone 2 Pro (5.000 mAh, 18:40 Stunden) und dem Nubia Z70 Ultra (6.150 mAh, nur 9:47 Stunden).
Auch das Poco F7 mit seinem 6.500-Milliamperestunden-Akku klingt auf dem Papier unschlagbar. Die Nothing-3a-Reihe hält trotz kleinerem Akku allerdings länger durch. Ihr solltet euch beim Kauf also nicht von möglichst großen mAh-Werten blenden lassen.
Wie ich die Akkulaufzeit teste
Für meine Tests verwende ich PCMark für Android. Dieses Benchmark-Tool simuliert realistische Alltagsaufgaben: Web-Browsing, Videobearbeitung, Textverarbeitung, Bildbearbeitung und Datenmanipulation. Der Test läuft dabei kontinuierlich, bis der Akku von 100 auf 20 Prozent fällt.
Was PCMark macht: Anders als reine Akku-Drain-Tests berücksichtigt PCMark das Zusammenspiel aller Komponenten - CPU, GPU, Display, RAM und Speicher arbeiten wie im Alltag. Das macht die Ergebnisse aussagekräftig.
Was bedeuten die PCMark-Werte für euren Alltag?
Aber was heißt das konkret für euch als Nutzer? Ein Smartphone mit 15 Stunden PCMark-Laufzeit sollte bei normaler Nutzung etwa 1,5 bis 2 Tage durchhalten. Morgens aufgeladen kommt ihr über den ganzen Tag und müsst voraussichtlich erst am nächsten Abend wieder ans Ladegerät.
Wichtig zu wissen: Die tatsächliche Akkulaufzeit variiert natürlich stark von Nutzer zu Nutzer – deshalb ist eine Aussage zur voraussichtlichen Laufzeit schwierig.
Power-User, die viel streamen, spielen, Social Media nutzen oder fotografieren, erreichen bei langen Bildschirmzeiten natürlich deutlich kürzere Laufzeiten. Wer hauptsächlich WhatsApp, E-Mails und gelegentlich Social Media nutzt, kann durchaus länger als die PCMark-Werte suggerieren durchhalten.
Als Faustregel gilt: PCMark-Ergebnisse geben eine gute Vergleichsbasis zwischen Geräten, aber eure individuelle Nutzung entscheidet letztendlich über die tatsächliche Akkulaufzeit im Alltag.
Wichtige Faktoren für die Akkulaufzeit
1. Prozessor-Effizienz ist entscheidender als Rohleistung
Schwächere Chips mit geringerer Taktfrequenz halten oft länger durch. Der Snapdragon 7s Gen 3 in den Nothing-Geräten verbraucht weniger Energie als High-End-Chips wie der Snapdragon 8 Elite, auch wenn er bei der Rohleistung natürlich nicht mithalten kann.
2. Das Display macht einen Unterschied
OLED-Displays verbrauchen bei dunklen Inhalten etwas weniger Strom, weil die Pixel im Gegensatz zu LED-Displays einzeln angesteuert werden können. Ein schwarzer Bereich bedeutet also nichtleuchtende Pixel und verbraucht keine Energie.
Wichtiger sind beim Bildschirm allerdings Helligkeit und Refresh-Rate-Anpassungen. Wer das Display auf die höchste Helligkeitsstufe stellt oder bei hellem Sonnenlicht nutzt, muss frühzeitig wieder an die Steckdose.
Und wenn Inhalte dauerhaft mit 120 Hertz angezeigt werden, führt auch das zu einem erhöhten Stromverbrauch. Viele moderne Smartphones bieten daher eine variable Bildwiederholrate und regeln sie intelligent je nach Display-Inhalt.
3. Software-Optimierung und RAM-Management
Nothing und CMF haben ihre Geräte softwareseitig offensichtlich auf eine gute Akkulaufzeit optimiert. Das sowie ein gutes RAM-Management sind wichtig für eine lange Laufzeit, da weniger Prozesse permanent im Hintergrund aktiv sind.
Das zeigt auch der Vergleich zwischen Nubia Z70 Ultra und dem Sony Xperia 1 VII. Beide Top-Smartphones besitzen den Snapdragon 8 Elite, das Nubia hat außerdem einen größeren Akku.
Die Laufzeit des Nubia fällt mit unter 10 Stunden dennoch deutlich niedriger aus. Hier scheint Sony also die besseren Laufzeit-Optimierungen einzusetzen.
Die neuen Silizium-Kohlenstoff-Akkus
Einige der neuesten Smartphones setzen bereits auf Silizium-Kohlenstoff-Akkus statt der klassischen Lithium-Ionen-Technologie. Die neue Akkugeneration könnte die Smartphone-Welt grundlegend verändern.
Was macht Silizium-Kohlenstoff-Akkus besser?
- Höhere Energiedichte: Ein einzelnes Siliziumatom kann vier Lithiumionen binden, während bei herkömmlichen Akkus sechs Kohlenstoffatome für nur ein Lithiumion benötigt werden. Das bedeutet theoretisch bis zu zehnmal mehr Kapazität bei gleicher Größe.
- Bessere Temperaturbeständigkeit: Die neuen Akkus verkraften extreme Temperaturen besser als klassische Lithium-Ionen-Zellen.
- Schnelleres Aufladen: Die veränderte Chemie ermöglicht in der Theorie höhere Ladeströme ohne Schäden am Akku.
Fazit
Die Top 5 zeigen, dass es nicht immer das teuerste oder technisch fortschrittlichste Gerät sein muss. Manchmal ist weniger mehr - weniger Leistung, dafür eine mitunter deutlich längere Laufzeit. In meiner Bestenliste sind günstige und teure Smartphones bunt gemischt.
Für die Zukunft erwarte ich, dass es vor allem im Bereich Silizium-Kohlenstoff-Akkus noch größere Fortschritte geben wird. Inzwischen sind hier bereits Akkugrößen möglich, die früher Tablets vorbehalten waren.
Hinweis: Dieser Artikel ist in einer früheren Version bereits auf GameStar.de erschienen.





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