Während alle über KI reden, haben Handys in den letzten zwei Jahren viel wichtigere Fortschritte gemacht – und zwar beim Akku

Bei Smartphones steht momentan vor allem das Thema KI im Fokus. Dabei gab es zuletzt große Fortschritte bei der Akku-Technologie, die den meisten deutlich mehr nützen könnte.

Immer mehr Handy-Hersteller setzen auf Silizium-Kohlenstoff-Akkus. Die neue Technologie bietet einige Vorteile. (Bildquelle: tisomboon von Adobe Stock) Immer mehr Handy-Hersteller setzen auf Silizium-Kohlenstoff-Akkus. Die neue Technologie bietet einige Vorteile. (Bildquelle: tisomboon von Adobe Stock)

Wer derzeit auf der Suche nach einem neuen Handy ist, wird von Herstellern vor allem mit KI-Funktionen gelockt. Google Gemini kann etwa YouTube-Videos für euch zusammenfassen, Samsungs Galaxy AI brieft euch morgens, was den Tag über so ansteht.

Künstliche Intelligenz ist bei Herstellern ein großes Thema, wohingegen eine andere Entwicklung weitgehend unter dem Radar läuft: die neuen Handyakkus. Seit vielen Jahren kommen in Smartphones Lithium-Ionen-Akkus zum Einsatz, doch diese Ära könnte bald enden.

2023 präsentierte Honor auf dem MWC mit dem Magic5 Pro das weltweit erste Smartphone mit Silizium-Kohlenstoff-Akku. Seitdem kamen reihenweise Smartphones mit der neuen Akkutechnologie in den Handel, unter anderem von Nothing, Motorola, Realme, Honor, OnePlus, Nubia, Vivo und Xiaomi.

Was sind Silizium-Kohlenstoff-Akkus?

Ein Silizium-Kohlenstoff-Akku ist im Wesentlichen eine Variante des Lithium-Ionen-Akkus. Dabei besteht die Anode (Minuspol der Batterie) nicht mehr aus Grafit, sondern aus Silizium.

Das hat laut Welt der Physik den Vorteil, dass ein einzelnes Siliziumatom vier Lithiumionen binden kann, während bei den bisherigen Lithium-Ionen-Akkus sechs Kohlenstoffatome benötigt wurden, um nur ein einziges Lithiumion zu binden.

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Vereinfacht gesagt: Durch die erhöhte Bindung der Lithiumionen steigt die Energiedichte an. Bei gleicher Größe bieten Silizium-Kohlenstoff-Akkus damit eine größere Kapazität. Sie können theoretisch bis zu zehnmal mehr Energie speichern.

Vorteile von Silizium-Kohlenstoff-Akkus

Den Lithium-Ionen-Akkus ist die neue Technologie mit Silizium-Kohlenstoff in einigen Punkten überlegen:

  1. Silizium-Ionen-Akkus sind dank der höheren Energiedichte bei gleicher Kapazität kleiner. 
  2. Sie bieten eine bessere Temperaturbeständigkeit. Lithium-Ionen-Batterien haben Probleme mit Hitze und Kälte. Ein Silizium-Kohlenstoff-Akku ist resistenter. Laut Honor kommen die Akkus selbst mit extremen Temperaturen im Bereich von -20 Grad Celsius zurecht.
  3. Die höhere Energiedichte kann theoretisch zu einer längeren Batterie-Lebensdauer führen, da weniger Ladezyklen benötigt werden, um die gleiche Menge an Energie zu speichern.
  4. Silizium-Ionen-Akkus ermöglichen in der Theorie ein deutlich schnelleres Aufladen im Vergleich zur bisherigen Lithium-Ionen-Technik. 

Nachteil von Silizium-Kohlenstoff-Akkus

Die Silizium-Kohlenstoff-Akkus haben aber auch mit Herausforderungen zu kämpfen. Silizium neigt beim Aufladen zur Ausdehnung. Das könnte im schlimmsten Fall zu mechanischen Schäden bei den Geräten führen.

Hersteller arbeiten dem entgegen, indem sie ein Nanokohlenstoffgerüst einsetzen, welches das Silizium während des Ladens und Entladens stabilisiert.

Was bedeutet das für euch im Alltag?

Die neue Akku-Technik erlaubt Handy-Herstellern, schlankere Geräte bei gleich großem Akku zu bauen oder sie nutzen den gewonnenen Platz beispielsweise für ein größeres und besseres Kamerasystem. Ferner können sie bei gleicher Gehäusegröße auch einen größeren Akku verbauen.

Mittlerweile gibt es Smartphones, die eine Kapazität aufweisen, die in der Vergangenheit höchstens Tablets erreichten. Dazu zählen etwa:

  • Poco F7 (indische Version): 7.550 Milliamperestunden
  • Redmagic 10S Pro: 7.050 Milliamperestunden
  • Realme Neo 7: 7.000 Milliamperestunden

Größerer Akku, längere Laufzeit?

Man könnte nun denken, dass ein größerer Akku auch für eine längere Laufzeit sorgt. Das muss jedoch nicht sein. Eine entscheidende Rolle für die Akkulaufzeit spielt die Geräte-Software und daneben auch das Zusammenspiel mit CPU, RAM und Co.

Beispiel: Das Nubia Z70 Ultra besitzt einen Silizium-Kohlenstoff-Akku mit einer Kapazität von 6.150 Milliamperestunden. Im Akkubenchmark von PCMark erreichte das Smartphone jedoch gerade einmal neun Stunden und 47 Minuten.

Dem gegenüber steht das HMD Fusion mit einem traditionellen Lithium-Ionen-Akku und einer Kapazität von 5.000 Milliamperstunden. Es erreichte im gleichen Benchmark 26 Stunden und 15 Minuten.

Wichtiger als KI – zumindest noch

Die Weiterentwicklung der Akku-Technik ist aus meiner Sicht ein größerer Gewinn für Nutzer als die allerorts beworbenen KI-Features in Handys.

Warum? Ich finde, dass nur wenige KI-Funktionen zum jetzigen Zeitpunkt im Handy-Alltag einen wirklichen Mehrwert bieten – auch wenn sich dies in Zukunft sicher ändern dürfte.

Die neuen Akkus hingegen könnten die Laufzeit von Handys auf den Kopf stellen, wenn Software und Hardware stimmen. Dann sprechen wir vielleicht nicht mehr von 26 Stunden, sondern von 40 oder mehr – wer weiß.

Hinzukommt, dass die Geräte durch die neue Technik etwas robuster werden, da sie besser mit extremen Temperaturen umgehen können als jene mit traditionellen Lithium-Ionen-Akkus.

Hinweis: Dieser Artikel ist in einer früheren Version bereits auf GameStar.de erschienen.

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