Lootboxen: UK-Regierung reagiert auf Petition des Parlaments

Das britische Parlament versucht die Regierung derzeit dazu zu bewegen, Lootboxen rechtlich als Glücksspiel anzusehen. Jetzt folgt die erste Reaktion.

von Mathias Dietrich,
09.07.2020 14:58 Uhr

Im Vereinigten Königreich könnte es bald neue Lootbox-Regulierungen geben. Im Vereinigten Königreich könnte es bald neue Lootbox-Regulierungen geben.

Update vom 09.07.2020: Am 6. Juli 2020 antwortete die Regierung des vereinigten Königreichs auf das Anliegen des Parlaments. Im Sommer will man so einen »Call for Evidence« starten, um zusätzliche Informationen zu sammeln.

Dazu zählt, die Behauptung zu untermauern, dass Lootboxen das Glücksspielproblem verstärken. Zudem wird die Größe des Lootbox-Marktes betrachtet und auch das Design der Zufallsmechaniken genauer unter die Lupe genommen.

Das Department for Digital, Culture, Media and Sport plant weiterhin eine Reihe von Gesprächen stattfinden zu lassen, in dem nicht nur die Probleme genauer diskutiert werden, sondern auch mögliche Lösungsansätze um die Bevölkerung vor den Gefahren der Lootboxen zu schützen.

Bis zum Ende des Jahres 2020 will man dann die Ergebnisse des Call for Evidence und der Gespräche präsentieren.

Originalmeldung: Ob man Lootboxen als Glücksspiel bezeichnen kann, wird in der Politik seit einer ganzen Weile diskutiert. Das »House of Lords« des britischen Parlaments macht nun eine neue Aussage dazu.

Sie finden, dass die bei vielen Spielern gehassten Zufallsmechaniken unter den Glücksspielakt von 2005 fallen. Deswegen fordern sie eine sofortige Reaktion der Regierung.

Was sagen die britischen Lords?

In ihrem Report drücken sich die Lords sehr eindeutig aus und sehen keinen Unterschied zwischen Casinos, in denen ihr echtes Geld gewinnen könnt, und Lootboxen in Videospielen, bei denen eure Entlohnung einige Skins oder ähnliches sind. Sie sagen:

"Wenn ein Produkt wie Glücksspiel aussieht und sich wie Glücksspiel anfühlt, dann sollte es als Glücksspiel reguliert werden."

Dabei berufen sie sich vor allem auf eine wissenschaftliche Untersuchung, die eine Verbindung zwischen dem Kauf von Lootboxen und Glücksspiel belegt. Dazu zählt unter anderem die Aussage des Experten Dr. David Zendle.

Er geht davon aus, dass Lootboxen das Glücksspiel-Problem begünstigen, oder zumindest Menschen mit einem Glücksspielproblem dazu neigen, Lootboxen zu kaufen.

Gerade Heranwachsende sieht man in Gefahr. Dem Bericht des »House of Lords« zufolge sind 55.000 der bekannten Fälle von Menschen mit Glücksspielproblemen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren. Ein weiteres Problem sollen zudem E-Sport-Wetten sein.

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Mehr Regulierung gefordert

Die Forderung ist, dass nicht nur Lootboxen selbst als Glücksspiel gehandhabt werden, sondern auch ähnliche Mechaniken mit anderen Namen, bei denen In-Game-Gegenstände mit echten Geld erworben werden. Als Beispiel nennt man die Player Packs aus Fifa Ultimate Team.

Während die Regierung eine genauere Untersuchung des Glücksspielaktes im Bezug auf Lootboxen versprach, ist das dem »House of Lords« nicht genug. Sie fordern aufgrund der Dringlichkeit des Problems sofortige Maßnahmen.

In der jüngeren Vergangenheit reagierten viele Entwickler bereits auf neue Regulierungen wie in Belgien, in denen Lootboxen seit 2018 als illegales Glücksspiel gelten. Beispielsweise entfernte Destiny 2 mit dem Start von Season 10 seine Echtgeld-Lootboxen.

Firmen wie EA, die Lootboxen in der Vergangenheit als »Überraschungsmechaniken« bezeichneten, veröffentlichten Star Wars Jedi: Fallen Order komplett ohne Mikrotransaktionen und kündigten an, selbiges auch bei Star Wars: Squadrons zu tun.

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