Lootboxen sind laut EA so harmlos wie Überraschungseier

Electronic Arts musste sich in einer Parlamentsanhörung zum Thema Lootboxen äußern. Die getroffenen Aussagen treffen bei der Community auf wenig Gegenliebe.

von Fabiano Uslenghi,
21.06.2019 14:16 Uhr

Lootboxen gelten in den Niederlande und Belgien als Glücksspiel, EA teilt diese Meinung wenig überraschend nicht. Lootboxen gelten in den Niederlande und Belgien als Glücksspiel, EA teilt diese Meinung wenig überraschend nicht.

Sind Lootboxen unethisch? Dieser Frage musste sich EAs Vizepräsidentin für juristische Belange Kerry Hopkins während einer Anhörung vor dem britischen Parlament für Digitales, Kultur, Medien und Sport stellen. Ihre Antwort viel dabei recht deutlich aus: nein.

Laut Hopkins bezeichne EA Lootboxen auch nicht als Lootboxen, sondern als »Überraschungs-Mechanik«. Diese sollen nicht nur unproblematisch sein, sondern vielen Leuten Spaß machen. Zumal es schon seit Jahren Spielsachen mit Überraschungen gebe, als ein Beispiel nennt Hopkins an dieser Stelle Überraschungseier.

"Wenn ihr in einen Spielzeug-Laden geht und nach Überraschungs-Spielzeugen sucht, dann werdet ihr herausfinden, dass das etwas ist, an dem Leute Spaß haben. Menschen mögen Überraschungen. Das war schon immer ein Teil von Spielsachen, ob jetzt Überraschungseier, Hatchimals oder LOL Surprise. Wir denken, die Art wie wir diese Mechaniken in unsere Spiele eingebaut haben, wie etwa bei FIFA Ultimate Team, ist recht ethisch und unterhaltsam."

»Lootboxen sind kein Glücksspiel«

Weltweit finden seit einiger Zeit verschärft Diskussionen darüber statt, wie Lootboxen und andere Bezahl-Mechaniken rechtlich zu bewerten sind. In Belgien wurden Lootboxen inzwischen zu Glücksspiel erklärt und auch die Niederlande kamen zu diesem Ergebnis. Großbritannien hat sich 2017 ebenfalls mit der Frage befasst, wollte allerdings vorerst keine Gesetzesänderungen vornehmen. In den USA wird derzeit über ein Verbot von Pay2Win und Lootboxen diskutiert.

Sind Lootboxen Glücksspiel? Das sagt der Anwalt.

EA scheint hier allerdings anderer Meinung zu sein. So stimme das Unternehmen britischen und australischen Glückspielkommisionen zu, die Lootboxen bislang noch nicht als Glücksspiel einstuften. EA sieht Lootboxen laut Hopkins viel mehr als ein Produkt, an dem eine Menge Leute auf sehr gesunde Art und Weise Spaß haben.

Konkret wollte Hopkins trotzdem nicht abstreiten, dass Lootboxen oder Überraschungs-Mechaniken auf unethische Weis in ein Spiele integriert werden könnten. Im Falle von EA sei dies aber bei keinem ihrer Spiele der Fall:

"Bei allen unserer Spiele, die auf dem Markt sind, in denen es zufällige Content-Mechaniken, Überraschungs-Mechaniken oder Lootboxen gibt, habe ich keine Bedenken, dass sie auf unethische Weise implementiert wurden."

In Online-Gaming-Foren wie Reddit werden die Aussagen von Hopkins wenig überraschend sehr kritisch und teilweise auch sarkastisch kommentiert - gerade die Klarstellung, es seien keine Lootboxen, sondern Überraschungs-Mechaniken, wird von den Usern auf die Schippe genommen.

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