Es ist die wohl schlimmste Nachricht, die ein Studio aus dem Nichts treffen kann: »Das Geld ist weg, wir machen alles dicht.«
Genau mit einer solchen Nachricht wurden die rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Raw Power Games am 30. Oktober für viele wohl völlig überraschend konfrontiert. Das Studio hat seinen Sitz in Kopenhagen, allerdings sind die Entwickler auf der ganzen Welt verstreut. Einige sitzen auch in Deutschland.
Laut des emotionalen Statements der Studioführung sind sowohl ihr aktuelles Projekt, Chronicles: Medieval, als auch das Studio an sich in ihrer Existenz bedroht. Die Lage wird darin wie folgt beschrieben:
Aufgrund von Umständen außerhalb unserer Kontrolle ist die notwendige Finanzierung hinter Raw Power Games nicht länger verfügbar. Ohne sie können wir Chronicles: Medieval nicht weiterentwickeln und derzeit besteht das reale Risiko, dass das Studio geschlossen werden muss.
Wir hatten darüber hinaus Kontakt zu anonymen Quellen bei Raw Power Games, die uns mehr Kontext zu den Hintergründen geben konnten sowie dazu, wie es jetzt weitergehen könnte.
10:12
Chronicles: Medieval will die ultimative Mittelalter-Fantasie werden!
Die Zeit drängt
Die Lage von Raw Power Games ist enorm vertrackt und traf vor allem viele Entwicklerinnen und Entwickler überraschend. Die Angestellten in Dänemark und in vielen anderen Ländern wurden wohl bereits entlassen und beurlaubt, lediglich in Deutschland soll noch keine Kündigung erfolgt sein.
Obendrein befindet sich die Studiolleitung derzeit in Verhandlungen, um eine neue Finanzierung für Chronicles: Medieval zu sichern, nachdem der ursprüngliche Investor nun eben ausgestiegen ist.
Da es sich wohl um eine »freiwillige Liquidation« nach dänischem Recht handelt, die der Besitzer des Studios beantragt hat, bleibt Raw Power Games dafür allerdings nicht sonderlich viel Zeit, bevor alles an den dänischen Staat fallen könnte. So sprachen unsere internen Quellen von einem »Wettlauf gegen die Zeit«.
Da es derzeit keinen Eigentümer des Studios gibt und die Besitzrechte von Chronicles: Medieval nicht geklärt sind, kann das Studio auch nicht einfach den Early Access radikal vorziehen, um erste Einnahmen zu generieren. Geplant war ein Release im Frühjahr 2027.
Auch das sorgt wohl für Irritationen bei der Belegschaft. Das Spiel soll sich bereits in einem sehr fortgeschrittenen Zustand befinden und quasi kurz vor der Fertigstellung sein. Dass in dieser Situation so plötzlich der Geldhahn zugedreht wird, wirkt äußerst ungewöhnlich und trägt zur allgemeinen Verwirrung bei.
Die Studioleitung sagt in ihrem Statement klar:
»Wir wissen nicht, wie das alles ausgeht. Aber ganz im Geiste unseres Spiels werden wir nicht kampflos aufgeben!«
Derzeit werden intensiv Gespräche mit möglichen neuen Finanzierern und Publishern geführt. Aber es ist komplett unklar, ob diese Gespräche fruchten. Den Fans wird geraten, ihre Begeisterung für das Spiel auszudrücken. Je mehr Leute Chronicles: Medieval auf Steam wishlisten und darüber öffentlich reden, umso höher sind laut Raw Power Games die Chancen, das Spiel noch zu veröffentlichen.
Was für ein Spiel ist das eigentlich?
Wir haben schon in der Vergangenheit über Chronicles: Medieval berichtet und waren ziemlich angetan davon. Oben im Linkkasten findet ihr etwa eine unserer Previews rund um das Mittelalterspiel. Am besten ist Chronicles: Medieval mit Mount & Blade zu vergleichen. Auch hier durchquert ihr eine mittelalterliche Welt und beginnt als einfacher Knecht ohne Land und Leute.
Ihr könnt aber im Verlauf weiter aufsteigen, ein Handelsimperium gründen oder zum Söldnerkommandanten mit eigener Armee werden. Die Schlachten tragt ihr dann wie in Mount & Blade aus der Third-Person-Perspektive aus. Ihr kommandiert jedoch auch eure Truppen und nicht nur den eigenen Charakter.
Anders als bei Mount & Blade spielt Chronicles: Medieval jedoch im realen europäischen Mittelalter und keiner fiktiven Welt. Rüstungen, Städte oder Länder sind also historisch geprägt und sollen durchaus authentisch umgesetzt werden. Natürlich mit den üblichen Abstrichen, da es sich weiterhin nur um ein Spiel handelt.
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