Civilization 6 verpasst mit seinem neuen Maya-DLC eine große Chance

Meinung: 2020 bekommt Civilization 6 mit dem New Frontier Pass zahlreiche neue DLCs. Der erste bringt ein paar interessante Ideen, macht aber nicht unbedingt Appetit auf mehr.

von Fabiano Uslenghi,
22.05.2020 16:00 Uhr

Simón Bolívar und Wac Chanil Ajaw gesellen sich mit dem ersten DLC des New Frontier Passes zur Riege der nationalen Anführer in Civilization 6. Simón Bolívar und Wac Chanil Ajaw gesellen sich mit dem ersten DLC des New Frontier Passes zur Riege der nationalen Anführer in Civilization 6.

Wenn es nach den Maya geht, dann würde niemand diese Zeilen hier lesen. Die Welt wäre nämlich schon 2012 untergegangen. Also, ob die Maya das wirklich dachten, wissen wir nicht. Trotzdem waren sich vor acht Jahren einige Menschen aufgrund einer »Analyse« das Maya-Kalenders ziemlich sicher, dass es passieren wird.

Deshalb haftet den Maya bis heute wohl das Vorurteil an, sie stünden mit dem Ende der Welt in Verbindung. In der Realität ist das Mumpitz, in Civilization 6 bleibt diese Verbindung aber bestehen. Denn der erste DLC des brandneuen New Frontier Pass (also des zweiten Season Passes für Civ 6) bringt neben den Maya als neue Fraktion auch einen Apokalypse-Modus.

Klang für mich spannend genug, um mal wieder einen Blick in das Rundenstrategiespiel zu werfen und den neuen Inhalten ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Wenn ihr euch vorher noch über den neuen Season Pass informieren wollt, schaut in unserem FAQ vorbei:

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Die perfekte Gelegenheit

Die Veröffentlichung des neuen DLCs als Startschuss für den aktuellen Season Pass könnte momentan kaum besser sein. Immerhin kann jeder gerade Civilization 6 im Epic Games Store komplett gratis abstauben. Sicherlich kein Zufall, aber auch nicht selbstverständlich.

Wer hier zuschlägt, spart sich also schon einmal den Kaufpreis für eines der besten Strategiespiele der letzten Jahre, selbst wenn es unter Civ-Fans nicht als der strahlendste aller Serienteile bekannt ist. Der neue Season Pass kostet stolze 40 Euro, kauft ihr das Maya-Pack hingegen einzeln, zahlt ihr bloß 9 Euro. Das steckt drin:

Was steckt genau in dem Maya & Gran Colombia Pack?

  • Neue Fraktionen: Das Mayareich mit ihrer Anführerin Wac Chanil Ajaw und Großkolumbien über das Simón Bolívar regiert.
  • Neue Einheiten: Die Maya setzen Fernkämpfer namens Hul'che ein und Großkolumbien die Llanero, die sich gegenseitig buffen.
  • Neue Gebäude: Die Maya können ein Observatorium-Bezirk bauen, während Großkolumbien die Hacienda als Modernisierung erhält.
  • Neuer Apokalypse-Spielmodus: Hier treten dauernd heftige Naturkatastrophen auf und die Welt kann untergehen.
  • Neue Naturkatastrophen: Es gibt jetzt Waldbrände, Meteorschauer, Sonneneruptionen und Kometeneinschläge.
  • Neue Ressourcen: Honig als Luxusgut und Mais als Bonusressource.
  • Neue Naturwunder: Ihr könnt jetzt das Bermudadreieck, das Paititi und den Jungbrunnen entdecken.
  • Neue Stadtstaaten: Es gibt 6 neue Stadtstaaten, und zwar Caguana, Singapur, Lahore, Taruga, Hunza und den Vatikan.

Der erste DLC hätte hier also richtig glänzen können. Neuen Spielern gleich zeigen, was für tolle Inhalte noch auf sie warten und Rückkehrern beweisen, dass Civilization 6 noch lange nicht am Ende ist. Doch der DLC scheitert an beidem.

Für wen ist der DLC gedacht?

Der DLC hat nämlich eine eklatante Schwäche: Ein Teil der Neuerungen ist von der großen Erweiterung Gathering Storm abhängig. Andernfalls gibt es für euch keinen Apokalypse-Modus. Im Epic Store müsst ihr dann also direkt auf die kostenpflichtige Platinum Edition upgraden, das verwirrt vor allem Neueinsteiger. Und ist auch unabhängig davon alles andere als ideal.

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Doch auch Veteranen, die alle großen Erweiterungen besitzen, droht eine Enttäuschung. Civ 6 hat sich schon zuvor mit seinen Zivilisations-Paketen mächtig in die Nesseln gesetzt und das ist beim Maya-Paket meiner Meinung nach nicht anders. Der Preis ist deutlich zu hoch für das, was man am Ende bekommt.

Meteorschauer haben einen etwas eigentümlichen Nebeneffekt. Wer die Bruchstücke aufsammelt, bekommt eine Einheit geschenkt. Ein Streitwagen zum Beispiel. Meteorschauer haben einen etwas eigentümlichen Nebeneffekt. Wer die Bruchstücke aufsammelt, bekommt eine Einheit geschenkt. Ein Streitwagen zum Beispiel.

Natürlich klingen, neue Fraktionen, Einheiten, Gebäude, Ressourcen und Stadtstaaten nach sehr viel. Aber sobald das Spiel mal läuft, fühlt es sich nicht anders an. Civilization 6 hat schon unsagbar viele Fraktionen und die beiden neuen sind zwar interessant, aber meines Erachtens nach nichts besonderes. Bis auf vielleicht, dass Großkolumbien mit seinen Commandante Generälen militärisch leicht übermächtig wird.

Selbst der Apokalypse-Modus wird schnell ein wenig fad. Anfangs ist es noch aufregend, wenn plötzlich links und rechts Vulkane ausbrechen, Flüsse fluten und Wälder brennen. Doch daran gewöhnt man sich. Und die regelmäßige Aufforderung, doch eigene Einheiten einem Vulkan zu opfern, ist kurz amüsant, bevor es lästig wird. Schließlich bekommt man dafür einfach nicht genug. Wieso wirkt sich das zum Beispiel nicht darauf aus, ob ein Vulkan in meiner Nähe ausbricht, oder nicht?

Der Autor:

Als kleiner Fratz fand Fabiano Civilization richtig langweilig! Aber auch nur, weil er neben dran saß, während der Vater gemächlich seine Einheiten verschob. Seit er dann mit Civilization 4 einfach mal selbst loslegte, ist er von der Reihe nicht mehr los gekommen. Immerhin ist er überaus geschichtsinteressiert und Civilization hat ihm viel darüber beigebracht, wie sich die Menschheit entwickelt hat. Aber auch, wie man intrigant andere Nationen gegeneinander ausspielt, dass man Ghandi keine Atombomben anvertrauen darf und aus wie vielen Runden die letzte tatsächlich bestehen kann.

Da geht mehr!

Der erste DLC des neuen Season Passes hat mich enttäuscht. Anders als die meisten Civ-Fans, halte ich von Civilization 6 nämlich recht viel und bin auch 2020 noch für neue Inhalte zu haben. Das Maya-Paket deutet aber eine falsche Richtung für den Season Pass an. Die teuren Kultur-DLCs waren vorher schon problematisch und Firaxis scheint abermals auf Masse statt neuartiger Mechaniken zu setzen.

Dabei brauche ich wirklich keine 30 Zivilisationen oder mehr. Zumindest solange damit keine neuen Spielweisen eingeführt werden. Wie beispielsweise bei den Maori, die ihre Geschichte auf dem Meer beginnen. Oder Venedig aus Civilization 5, das keine neuen Städte gründen konnte. Davon wünsch ich mir deutlich mehr.

Firaxis hatte mit dem Apoklaypse-Modus eigentlich auch schon die richtige Idee. Doch anstatt nur mehr und größere Naturkatastrophen, hätte ich mir eine stärkere Verflechtung mit dem Spiel gewünscht. So werden Katastrophen und selbst das Opfern von Einheiten fast schon zur Randerscheinung. Noch hab ich die Hoffnung für New Frontier aber nicht aufgegeben. Vielleicht bilden die ganzen neuen Modi in ihrer Summe ja eine Ergänzung, die den großen Erweiterungen gleich kommt. Mit dem Maya-Paket haben die Entwickler aber eine Chance auf eine furiosen Einstieg meiner Meinung nach verpasst.

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