Künstliche Intelligenz in der Spieleentwicklung ist längst kein Nischenthema mehr. Laut Umfragen nutzen viele Studios KI-Tools für Teilaspekte ihrer Arbeit. Doch nun geht ein Entwickler unter dem Pseudonym »Grolaf« einen Schritt weiter.
Mit dem Titel Codex Mortis veröffentlichte er am 26. März 2026 ein Spiel im Early Access, das laut eigener Aussage zu 100 Prozent von KI generiert wurde – vom Code über die Grafiken bis hin zur Musik. Die Demo zum Spiel auf Steam stieß bei Spielern jedoch auf deutlichen Widerstand. Auch wir haben reingespielt, um der Kontroverse auf den Grund zu gehen:
»Vibe-Coding« statt Game-Engine
Der Entwickler gibt an, für das gesamte Projekt keine herkömmliche Game-Engine wie Unity, Godot oder Unreal verwendet zu haben. Stattdessen basiert das Spiel auf reinem TypeScript, zusammengehalten von Frameworks wie PIXI.js (Rendering) und Electron.
Das Besondere daran: Der Entwickler hat diesen Code nicht selbst geschrieben. Er hat ihn sich von der KI »Claude Code« (Versionen Opus 4.1 und 4.5) schreiben lassen.
Dieses Vorgehen nennt sich »Vibe Coding«: Man lädt ein Projekt in einen Code-Editor, der mit einem KI-Agenten verknüpft ist, und gibt lediglich Anweisungen in natürlicher Sprache. Ihr sagt der KI etwa: »Erstelle mir eine Angriffsfunktion, die sich gut anfühlt.« - und drückt die Daumen, dass das Ergebnis gut ist.
Das Problem bei dieser Methode: Der Mensch am Monitor gibt die Kontrolle fast vollständig ab. Da der Entwickler den Code nicht selbst verfasst hat, versteht er im Zweifel auch nicht, wie die einzelnen Systeme im Hintergrund ineinandergreifen.
- Der »Coder« weiß nicht zwingend, was die KI da eigentlich generiert hat.
- Bugfixing wird zum Glücksspiel. Wenn ein Fehler auftritt, kann der Entwickler nicht einfach die entsprechende Zeile korrigieren. Er muss hoffen, dass die KI den Kontext des gesamten Projekts noch versteht und den Fehler auf Anweisung selbst behebt.
- Verliert die KI den Faden – was bei komplexeren Projekten oft passiert – bricht die Code-Struktur zusammen, ohne dass der Mensch in der Lage wäre, das Fundament manuell zu reparieren.
Auch die Assets stammen nicht aus menschlicher Feder:
- Grafik: Die visuellen Elemente wurden laut Entwicklerangaben mit ChatGPT erstellt.
- Animationen: Da die KI Schwierigkeiten mit herkömmlichen Charakter-Animationen hatte, schrieb Claude Code einen Shader, der Bewegungen simuliert (ein sogenanntes »Wobbling«), anstatt echte Animationsphasen zu nutzen.
- Musik: Auch die akustische Untermalung soll vollständig KI-generiert sein.
Wie niedrig die Einstiegshürde mittlerweile liegt, zeigt ein Selbstversuch:
2:11
100 Prozent KI-Spiel: Für GameStar Survivors haben wir keine einzige Zeile Code geschrieben
Ihr seht also: Selbst Spieleredakteure, deren letzte Informatikvorlesung gut ein Jahrzehnt zurückliegt, können heute mit modernen KI-Code-Editoren wie OpenAI Cursor oder Google Antigravity kurz vor der Mittagspause einen simplen, funktionierenden Vampire-Survivors-Klon zusammenzimmern.
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