Copyright-Abmahnung gegen das eigene Spiel - Entwickler ergreift verzweifelte Maßnahme gegen Publisher

Das malaysische Entwicklerstudio Ammobox hat das eigene Spiel Eximius mit einer Urheberechts-Abmahnung von Steam nehmen lassen, da der zuständige Publisher dem Team Geld vorenthalten haben soll.

von Fabiano Uslenghi,
25.01.2019 10:48 Uhr

Eximius: Seize the Frontline ist eine Mischung aus Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie.Eximius: Seize the Frontline ist eine Mischung aus Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie.

Acht Jahre hat das zehnköpfige Entwicklerteam des Indie-Studios Ammobox an Eximius: Seize the Frontline gearbeitet. Doch als das Spiel endlich soweit war, um auf Steam in die Early Access-Phase zu gehen, blieben die Einnahmen aus. Als Reaktion darauf hat das in Malaysia ansässige Studio mittels Urheberrechts-Mahnung erwirkt, dass das Spiel von Valves Vertriebsplattform kurzzeitig verschwand.

Was war passiert? Grund für die Aufregung war der Publisher TheGameWallStudios, welcher für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zu Eximius verantwortlich gewesen ist. Statt die Einnahmen aus den Verkäufen an die Entwickler weiterzuleiten, behielt der britische Publisher sämtliches Geld jedoch drei Monate lang für sich.

Publisher verschwunden

Somit stapelten sich bei Ammobox die Schulden aufgrund von Entwickler-Gehältern und Serverkosten, während die Einnahmen aus den Spielverkäufen aus blieben.

Als der Publisher weiterhin schwieg, machte sich der Entwickler das amerikanische DMCA-Gesetz zu nutze, um sich die Rechte am eigenen Spiel zurückzuholen. In einer Steam-Ankündigung vom 10. Januar beschreibt das Studio die Situation folgendermaßen:

"Wir mussten einen DMCA-Antrag gegen unser eigenes Spiel auf Steam einreichen, um es dem Publisher (TheGameWallStudios) zu entreißen. Der Antrag hat dafür gesorgt, dass das Spiel von Steams Store-Seite verschwunden ist. Wir befinden uns gerade in dem Prozess, um rechtliche Schritte einzuleiten, da der Publisher von der Bildfläche verschwunden ist, ohne den Entwicklern Geld aus den Verkäufen des Spiels zu überweisen. TheGameWallStudios hat Vertragsbruch begangen und ihr Distributionsrecht wurde aufgehoben."

Wie kommt ein Spiel auf Steam? - Schritt für Schritt zum Game-Release - GameStar TV PLUS 33:03 Wie kommt ein Spiel auf Steam? - Schritt für Schritt zum Game-Release - GameStar TV

Auf Reddit wendete sich der CEO von Ammobox Jeremy Choo zudem an andere Indie-Entwickler, um sie vor dem Publisher zu warnen. Dabei geht er auch darauf ein, wie es zu dem Geschäftsverhältnis zwischen Entwickler und Publisher überhaupt gekommen war.

So soll das Angebot von TheGameWallStudios Choo zwar nicht wirklich überzeugt haben, da ihr Projekt allerdings von einigen größeren Publishern abgelehnt worden und kurz vor Release ein Investor abgesprungen war, entschloss man sich trotzdem für den Außenseiter.

"Wir wurden von vielen großen Publishern abgelehnt, hauptsächlich weil wir ein neues Team sind. Es spielte keine Rolle, ob wir abliefern oder was wir gemacht haben, es war nur wichtig, dass wir noch kein bewährtes Team waren. Es war etwas frustrierend, dass so die Welt funktioniert. Man könnte es eine emotionale Schwäche nennen. Wir entschieden uns für den Underdog, weil wir ebenfalls einer waren."

Einem Betrüger aufgesessen?

Gamesradar ging der Sache nach und konnte herausfinden, dass es sich bei TheGameWallStudios um ein Ein-Mann-Team namens Eduardo Monteiro handelt. Seit September fehlt von Monteiro jedoch jede Spur. Choo gibt an, von dem gebürtigen Portugiesen nichts mehr gehört zu haben und auch Twitter- und Facebookaccount des Studios liegen seit Monaten still.

Auf eine rechtliche Lösung zu Hoffen fällt ebenfalls schwer. Zumal dem Entwicklerteam nach wie vor finanzielle Ressourcen fehlen, die es braucht um die Kosten für einen solchen Prozess zu stemmen.

Eximius: Seize the Frontline ist inzwischen im Steam-Store wieder verfügbar. Ammobox wird jetzt als eigener Publisher gelistet. Finanziell steht das Studio nach wie vor schlecht da, doch Choo zeigt sich kämpferisch:

"4 Monate nach Launch und wir sind fast kollabiert, haben Schulden, aber haben endlich unsere App ID zurück. Wir werden wieder aufstehen."

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