Um Crimson Desert lieben zu lernen, musste ich dem Spiel einiges verzeihen: Die Stunden, die ich damit verbracht habe, Kräuter zu sammeln und Erz abzubauen. Die Geduld, die ich aufbringen musste, um mich regelmäßig mit dem überquellenden Horror-Inventar herumzuschlagen.
Inzwischen habe ich mit allen Schwächen des Open-World-Spiels arrangiert, bis auf eine: Die ernüchternde Art, auf die Crimson Desert mit seinen spannendsten Geschichten umgeht.
So viel Potenzial, so wenig davon verwirklicht
Crimson Desert ist beim besten Willen kein Story-Spiel. Es ist ein Open-World-Spielplatz, auf dem ich unzählige Sachen ausprobieren und nach Herzenslust erkunden kann. Ich erwarte von dem Spiel also gar keine tiefgründigen, spannenden oder berührenden Geschichten mehr.
Und dann überrascht mich das Spiel doch manchmal mit spannenden Geschichten und tollen Momenten, um sie dann plötzlich einfach fallenzulassen. Wie sehr mich das stört, hat mir erst kürzlich einer der ersten großen Bossgegner gezeigt, der Riedteufel.
Bei der Quest um den Riedteufel weckt die Hauptquest von Crimson Desert zum ersten Mal überhaupt mein Interesse. Davor plätscherte die Handlung so vor sich hin, doch plötzlich wird es ernst.
29:13
Im Test haben wir Crimson Desert komplett falsch gespielt - Ihr müsst das zum Glück nicht!
Auf der Suche nach meinen verlorenen Kameraden reite ich zu der Villa einer Adelsfamilie, aber bin nicht auf das vorbereitet, was mich dort erwartet. Ein rätselhafter Kult hat dort ein Blutbad angerichtet, die wenigen Überlebenden sind geflohen. Crimson Desert schickt mich auf die Suche nach dem Riedteufel, einem Wesen wie aus einer Gruselgeschichte, die in dunklen Nächten vor einem prasselnden Kaminfeuer erzählt wird.
Ich sehe mir Erinnerungen an, die das tragische Schicksal des Riedteufels beleuchten: Er ist der erkrankte und ausgestoßene Sohn des örtlichen Grafen. Die Quest mündet schließlich in einer furchteinflößenden ersten Begegnung mit dem Teufel und dann einem finalen, fantastisch inszenierten Bosskampf. Am Ende wird der Riedteufel besiegt und verschwindet, mit dem Versprechen, wiederzukommen.
Vergebliche Suche
Viele Stunden später gehe ich auf die Suche nach dem Riedteufel. Irgendwo da draußen muss er ja noch sein, oder nicht? Seine Anhänger sind noch da draußen und locken mich im Wald in einen Hinterhalt, was mich schließlich zu einem Dorf am Ende der Welt führt. Hier leben kranke Menschen, isoliert vom Rest der Gesellschaft, einsam in ihrem Leiden.
2:46
Wir suchen in Crimson Desert nach einem geheimnisvollen Widersacher
Am Eingang des Dorfs spielt eine Gruppe Kinder und ich stutze: Sie alle tragen eine Maske, die mir bekannt vorkommt. Die Maske des Riedteufels. Ich sehe mich weiter um, betrete ein Haus und siehe da: Überall an den Wänden hängen weitere Masken, auf dem Boden liegt ein Buch, in dem der Riedteufel seine eigene Geschichte zu beschreiben scheint.
Jetzt bin ich wirklich aufgeregt: Ist das der Start einer versteckten Quest? Kann ich jetzt noch einmal gegen den Riedteufel antreten und ihn endgültig erledigen? Vielleicht kann ich jetzt endlich die Strohpuppe gebrauchen, die seit Ewigkeiten in meinem Inventar liegt?
Leider nein, hier hört nämlich Crimson Desert auch wieder mit der Geschichte des Riedteufels auf. Es gibt keine weiteren Spuren, keine Quest, keinen geheimen Bosskampf. Der Teufel bleibt verschwunden und ich bin enttäuscht - mal wieder.
Entweder ganz oder gar nicht
Crimson Desert ist so oft kurz davor, eine richtig coole Geschichte zu erzählen, lässt sie dann aber immer zu irgendeinem Zeitpunkt fallen. Das Spiel hätte gerade mit seinen Bossgegnern einiges an Potenzial, nutzt es dann aber nicht aus. Es täuscht spannende Geschichten an, erfüllt dann aber die geweckten Erwartungen nicht.
Ich lerne etwa den charismatischen Anführer Stefan Lanford kennen und kämpfe an einer Seite. Crimson Desert erzählt mir auch, dass ihn und Kliff eine lange Geschichte verbindet. Dann macht das Spiel aber rein gar nichts mit der Figur, lässt sie noch eine (wirklich coole) Rede halten und vergisst sie dann für immer.
Oder nehmen wir die alternative Spielfigur Damiane. Die wird schon früh in der Geschichte ohne größere Erklärung in meinem Lager abgeliefert, erst später deutet das Spiel dann an, dass sie wegen einer politischen Intrige aus ihrer Heimat geflohen ist. Daraus wird dann aber nur eine mickrige Quest mit Bosskampf, weder Damiane als Figur noch die Geschichte ihrer Heimat gewinnen an Tiefe.
Schuld daran ist meiner Meinung nach auch die Open World: Denn Crimson Desert hat versucht, eine ohnehin schon dünne Geschichte über eine riesige Spielwelt zu strecken. Jede Region wird einmal besucht, aber all das fühlt sich an wie der Landgang während einer Kreuzfahrt: Für ein paar Stunden dürfen wir uns oberflächlich umschauen, dann geht es weiter zum nächsten Ziel, mit dem nächsten Story-Häppchen.
Fast wünsche ich mir da, Crimson Desert wäre weniger gigantomanisch gewesen, kleiner, kompakter und hätte so vielleicht eine spannendere Geschichte bekommen. Aber es gehört eben auch zu Crimson Desert, dass es keine Kompromisse macht: Es wäre eben nicht Crimson Desert ohne eine veranwortungslos große Welt und leider auch eine konfuse und manchmal enttäuschende Geschichte.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.