Diablo 2: Resurrected - Unsere Lieblingsspiele sind nie so gut, wie wir denken

Wir sehnen uns nach Bekanntem, nach vergangenen Zeiten und schönen Erinnerungen. Dabei ist vieles nicht so toll, wie wir es im Gedächtnis haben.

Wenn Sascha beim Spielen von Diablo 2: Resurrected gelernt hat, dann ist es, dass Nostalgie ein zweischneidiges Schwert ist. Wenn Sascha beim Spielen von Diablo 2: Resurrected gelernt hat, dann ist es, dass Nostalgie ein zweischneidiges Schwert ist.

Ja, ich bin ein Drecksack, weil ich euch einfach den Spaß an altem Krempel versauen will, der euch seit unzähligen Jahren am Herzen liegt. Also erst mal zur Beruhigung: Das will ich natürlich nicht wirklich. Geht auch überhaupt nicht, denn wenn die rosarote Brille zu irgendeinem alten Spiel erst mal festmontiert ist, ist eure Meinung dazu ohnehin in Stein gemeißelt und lässt sich nachträglich oft unmöglich noch ändern.

Doch es ist noch perfider: Spiele, die wir vor unzähligen Jahren geliebt haben, sind für uns heute oft nicht einfach noch so gut wie früher, sondern sogar noch besser, da kommt bis heute absolut nichts ran und solche guten Spiele machen sie heutzutage gar nicht mehr und überhaupt!

Das liegt zum einen natürlich erst mal daran, dass wir einfach viele schöne Erinnerungen mit diesen Spielen in Verbindung bringen. Manche haben Gothics namenlosen Helden auf ewig in ihr Herz geschlossen, andere trauern immer noch Aerith aus Final Fantasy 7 nach oder lieben es, Jon Irenicus in Baldur's Gate 2 zu hassen.

Nicht selten bringen wir unsere Lieblingsspiele aber auch mit besseren Zeiten in Verbindung: mit den Freunden, mit denen wir diese Spiele erstmals erlebt haben. Oder mit unserer Schulzeit, als wir noch richtig viel Zeit zum Zocken hatten und uns keine Gedanken um Rechnungen, Steuererklärungen und Bundestagswahlen machen mussten.

Unsere Gehirne sind beim Abrufen nostalgischer Gefühle gerne mal etwas selektiv, beschränken sich bei den Gedanken an solche Momente aufs Positive. Denn im Endeffekt ist Nostalgie eine Form von Heimweh - wir sehnen uns dorthin, wo wir hingehören, sei es Hyrule, Myrtana oder Faerûn.

Lasst mich das mal kurz am Beispiel von Diablo 2: Resurrected erklären.

Der Autor
Als Sascha Penzhorn in der Power Play 7/93 Michael Hengsts Test zu Shining Force las, wusste er zwei Dinge: Shining Force ist das beste Spiel der Welt und Michael Hengst hat den geilsten Job überhaupt. Inzwischen schreibt Sascha selbst seit vielen Jahren hauptberuflich über Videospiele, hat Shining Force mindestens 20-mal durchgespielt und hat von seinem Idol Michael Hengst auch schon mal ein Like oder zwei auf Facebook bekommen. Dabei weiß er, dass Shining Force schon für seine Zeit vergleichsweise eher mittelprächtige Grafik und zu viele nervige Bugs und Balancing-Aussetzer hatte. Das ist nur einer von vielen Gründen, weshalb ihm Nostalgie oft auf den Keks geht - wer immer in der Vergangenheit lebt, verschließt sich Neuerungen und Veränderungen. Das ist einfach keine gute Einstellung für jemanden, der regelmäßig über neue Spiele schreiben muss. Für GameStar Plus fragte Sascha daher schon vor Jahren: War früher wirklich alles besser?

Früher war mehr nackt Manche finden Diablo 2 zeitlos schön. Ich bevorzuge das Remaster, auch wenn sie ein paar Hupen und Schniedel entfernt haben.

Wie damals bei Error 37 Mein erster Spieltag in Diablo 2: Resurrected sah vor allem so aus.

Nostalgie verbindet

Das mit dem Heimweh und den teils selektiven Erinnerungen an bessere Umstände und Zeiten leiere ich mir nicht einfach so aus den Rippen - das weiß Psychologin Krystine Batcho, die sich intensiv mit Nostalgie beschäftigt und vielfach zitierte Studien und Beobachtungen veröffentlicht hat.

Batcho beschreibt auch, dass Nostalgie regelrecht ansteckend wirken kann, wenn wir sie mit Gleichgesinnten teilen. »Das beste Beispiel ist eine Gruppe von Freunden, die in Erinnerungen an Unfug schwelgen, den sie gemeinsam als Teenager oder in ihrer Kindheit verzapft haben. Das ist eine Erinnerung, die bindet. Ein weiteres Beispiel aus aktuellen Forschungen sind Sportfans. Diese reden über Spiele, die ihnen gefallen haben, in denen ihre Mannschaft gewonnen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch verbindet, kann das sehr ansteckend wirken und eine Art Domino-Effekt bewirken, bei dem eine glückliche Erinnerung die nächste auslöst.«

Das funktioniert natürlich auch im Zusammenhang mit Videospielen und ist etwas, das man auch in der GameStar-Community beobachten kann, zum Beispiel genau jetzt im Forum. Dort unterhalten wir uns begeistert über Diablo 2: Resurrected, über die Erinnerungen, die das Spiel weckt, welche Gefühle es in uns auslöst und natürlich fallen auch dort die üblichen Sprüche, von wegen »so gut wie damals«.

Video starten 19:00 Diablo 2: Resurrected - Das ist zu altmodisch, sagt Maurice. Quatsch, sagt Heiko!

Aber wenn wir mal ehrlich sind, ist das Spiel in manchen Belangen eher bescheiden gealtert. Na, in welchem der sechs praktisch identischen Keller in Akt 3, verteilt über drei Zonen, befindet sich denn nun der Wälzer von Lam Esen für unsere Quest? Ihr spielt einen Nahkämpfer und ein Skelettmagier flüchtet gemächlich im Schrittempo, statt stillzustehen? Dann watschelt ihr schlimmstenfalls so lange hinter ihm her, bis er endlich in irgendeiner Ecke hängenbleibt.

Solche und andere Scherze würden wir 2021 im Genre gnadenlos abstrafen, aber bei Diablo 2 drückt man notfalls auch mal beide Augen zu, denn die schönen Erinnerungen und Matt Uelmens Mega-Soundtrack und vieles am Spiel ist ja echt noch total gut und hach!

Nostalgie macht blöd

Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: Manchmal verleiten uns nostalgische Glücksgefühle zu Dingen, die sind einfach etwas bescheuert. Um beim Beispiel von Diablo 2: Resurrected zu bleiben, das ich seit Release viel intensiver spiele, als ich ursprünglich vorhatte: Eigentlich finde ich 40 Euro für ein Remaster etwas zu happig, darum hab ich das Teil gleich doppelt gekauft.

Meine Freundin liegt derzeit nämlich mit der Seuche darnieder und will nach der Arbeit recht zeitig ins Bett. Bedeutet für mich, dass ich leise sein muss und nicht so lange aufbleiben und vorm Rechner sitzen kann, wie ich will. Darum spiele ich es nachts auf meiner Nintendo Switch. Kann man machen, kostet dann halt doppelt so viel.

Nicht einmal mein unterernährtes Bankkonto konnte mich vor Diablo retten. Nicht einmal mein unterernährtes Bankkonto konnte mich vor Diablo retten.

Aus ähnlichen Gründen habe ich heute unzählige alte Megadrive-Spiele, Duke Nukem, sämtliche Doom-Games dieser Erde und Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy auf meiner Switch. Die meisten davon werde ich in diesem Leben niemals wieder komplett durchspielen, aber die Tatsache, dass es immer und überall tun könnte, fühlt sich unbeschreiblich gut an. Und im Multiplayer irgendwelche Randoms wegzuflexen wie noch zu meiner Schulzeit ist auch ganz ohne Nostalgie ein geiles Gefühl.

Jedi Academy ist so alt, dass sämtliche Screenshots davon in unserem Archiv noch Höhlenmalereien sind. Jedi Academy ist so alt, dass sämtliche Screenshots davon in unserem Archiv noch Höhlenmalereien sind.

Manchmal verarscht uns die Nostalgie aber auch ganz einfach. Beispielsweise dann, als meine Freundin für viel zu viel Geld noch mal James Pond: Codename Robocod gekauft hat. Zehn Minuten hat sie ihren Trip in die Vergangenheit ausgehalten, dann wurde ihr klar, dass nicht jedes Spiel so toll war, wie wir es seit unserer Kindheit im Gedächtnis haben.

Schlimmer traf es mich mit Bubsy. Als Grundschüler saß ich mit meinem Kumpel Alain so lange im ProMarkt und habe mit ihm die Vorführ-Version von Bubsy gespielt, bis man uns aus dem Laden geworfen hat. Ich bekam das Spiel im selben Jahr zu Weihnachten und war unbeschreiblich happy. Ich muss ein selten dämliches Kind gewesen sein, denn Bubsy ist Rotz, vom katastrophal schlechten Level-Design mit unzähligen Sprüngen ins Ungewisse bis zu Toden durch Kaugummiautomaten, deren lebensbedrohliche Geschosse kaum mehr als einen Pixel groß sind.

In meiner Suppe baden Menschen und gelb ist sie auch noch. Die Liebe zum Detail in Diablo 2: Resurrected ist umwerfend. In meiner Suppe baden Menschen und gelb ist sie auch noch. Die Liebe zum Detail in Diablo 2: Resurrected ist umwerfend.

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