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Seite 7: Die Technik-Fails des Jahres 2016 - Fake-News, Papiertüten-Patente & Co

Platz 1: Samsung Galaxy Note 7

Das Samsung Galaxy Note 7 war wohl der Technik-Fail des Jahres 2016. Das Samsung Galaxy Note 7 war wohl der Technik-Fail des Jahres 2016.

Wie sich einst Napoleon Bonaparte selbst zum »Empereur« krönte, so hat sich auch Samsung die Krone des Fails des Jahres 2016 ohne fremde Hilfe selbst aufgesetzt. Gute Samsung-Produkte wie das Galaxy S7 oder das neue Gear VR und auch die Fehlschläge anderer Unternehmen verblassen vor dem Drama rund um das Galaxy Note 7.

Anfangs gab es nur wenige Meldungen darüber, dass einzelne Samsung Galaxy Note 7 sich überhitzt hatten und die Anzahl bei einigen Dutzenden Geräten lag. Doch nachdem Samsung die Vorfälle untersucht hatte, sah es so aus, als seien immerhin 0,1 Prozent aller ausgelieferten Geräte mit einem fehlerhaften Akku ausgeliefert worden.

Sicherheitshalber stellte Samsung daher rund zwei Wochen nach dem Verkaufsstart den weiteren Vertrieb ein und kündigte einen Austausch der betroffenen Geräte an. Kunden sollten das Smartphone nach dem Laden vom Ladekabel trennen und beim Aufladen nicht unbeaufsichtigt lassen, so der Rat.

Flugverbot

Doch die Anzahl der betroffenen Geräte stieg ständig an und in den USA hatten Fluggesellschaften und die Flugaufsicht letztlich davon abgeraten, das Galaxy Note 7 während des Flugs zu nutzen und zugleich empfohlen, es auch nicht als Gepäck aufzugeben. Samsung hatte inzwischen ein Austauschprogramm gestartet und riet den eigenen Kunden dazu, das Galaxy Note 7 nicht mehr aufzuladen oder zu verwenden. Der Grund für die Probleme sei, dass ein seltener Produktionsfehler bei manchen Akkus einen Kurzschluss und damit Brände oder gar Explosionen auslösen könne.

Samsung Galaxy Note 7 - und das ist schon ein Austauschgerät. (Bildquelle: Imgur) Samsung Galaxy Note 7 - und das ist schon ein Austauschgerät. (Bildquelle: Imgur)

Als weiteren Schritt stellte Samsung jegliche Werbung für das Galaxy Note 7 ein, während Medien darüber berichteten, dass der Austausch recht chaotisch ablief. Teilweise weigerten sich Kurierdienste, das gefährliche Smartphone zu transportieren, während manche Kunden den Austausch für Zeitverschwendung hielten und die Gefahr ignorierten. Trotzdem sah es zu diesem Zeitpunkt noch so aus, als könne Samsung das Problem durch den Austausch beheben - bis die ersten Meldungen über überhitzende Austauschgeräte auftauchten.

Dann sendete ein Samsung-Mitarbeiter versehentlich eine E-Mail an einen Kunden, in deren Verlauf auch interne Nachrichten zu lesen waren. Diese deuteten mit Aussagen wie »Ich kann versuchen, ihn etwas aufzuhalten« darauf hin, dass Samsung versuchte, das Bekanntwerden von weiteren Vorfällen zu unterdrücken.

Die vielen neuen Fälle bei Austauschgeräten sorgten dann dafür, dass Samsung die Produktion des Galaxy Note 7 vorübergehend einstellte, nur um kurz darauf die dauerhafte Einstellung des Smartphones bekanntzugeben. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Börsenwert von Samsung bereits um 19 Milliarden US-Dollar abgenommen.

Es folgten ganzseitige Anzeigen und offene Briefe an Kunden, in denen sich hochrangige Samsung-Manager für die Probleme mit dem Galaxy Note entschuldigten, auch wenn die eigentliche Ursache noch immer nicht klar war. Inzwischen gibt es von Experten bei Instrumental.ai, die Geräte wie Smartphones auf Sicherheit testen, eine Analyse.

Risiko-Design

Dort heißt es, dass Samsung sowohl beim Akku als auch beim internen Designs des Galaxy Note 7 Risiken eingegangen ist, die zu dem Problem führten. Der Innenraum des Smartphones sei so gestaltet, dass schon im normalen Betrieb Druck auf den Akku entsteht. Der Akku selbst habe aufgrund von aggressiven Herstellungsparametern sehr dünne Trennschichten, die einen Kurzschluss wahrscheinlicher machen. Außerdem sei der Raum um den Akku so eng, dass das Note 7 langfristig durch die normale, minimale Vergrößerung alternder Akkus auseinandergedrückt worden wäre. Da Samsung sich auch erstmals nur auf interne Tests verlassen habe, seien die Probleme übersehen worden.

Inzwischen sind Monate seit den ersten Meldungen vergangen und noch immer haben nicht alle Kunden ihr Galaxy Note 7 umgetauscht. Nun greift Samsung sogar zu Zwangsupdates über Provider, die das Aufladen des Smartphones verhindern und es damit ungefährlich machen. Allerdings sind nicht alle Provider damit einverstanden. Verizon wollte beispielsweise nicht, dass die eigenen Kunden über die Feiertage im Notfall kein brauchbares Smartphone mehr hatten - anscheinend auch dann, wenn die Gefahr einer Explosion besteht. Daher wurde das Update auf Anfang Januar 2017 verschoben. Ob sich die Marke Note von diesem Drama erholen kann, wird sich 2017 zeigen. Angeblich plant Samsung trotz allem ein Galaxy Note 8.

Man darf gespannt sein, was 2017 der Fail des Jahres wird. (Bildquelle: Imgur) Man darf gespannt sein, was 2017 der Fail des Jahres wird. (Bildquelle: Imgur)

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