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Dungeons & Dragons oder Das Schwarze Auge? Nach 14 Jahren Pen&Paper-Erfahrung gibt's für mich nur eine Antwort

Vor allem in Deutschland kommen viele Pen&Paper-Interessierte zuerst mit DSA oder DnD in Berührung. Welches ist besser? Ansichtssache, aber ich hab meinen Favoriten.

Das erfolgreichste Pen&Paper-Rollenspiel der Welt? Keine Frage, das ist Dungeons & Dragons. Der Ur-Vater des Genres sitzt nach 50 Jahren noch sicher auf seinem Thron, auch wenn es immer mal wieder ein wenig zu Querelen unter seinen Untertanen kommt. Doch in Sachen Marktanteil macht D&D niemand etwas vor.

Zumindest heutzutage nicht. Vor einigen Jahren sah das in Deutschland noch anders aus. Damals war vor allem Das Schwarze Auge der Anlaufpunkt schlechthin für Pen&Paper-Rollenspieler. Zwar hat such hierzulande inzwischen auch D&D breit gemacht, trotzdem stehen viele deutsche Rollenspieler oft vor der Wahl: D&D oder DSA?

Ich spiele Pen&Paper seit 14 Jahren und habe beides ausprobiert. Ich weiß, was mir besser gefällt. Aber hier zuerst eine Übersicht.

Fabiano Uslenghi
Fabiano Uslenghi

Vor Jahrzehnten war Fabiano von einem lustigen Taschenbuch fasziniert, in dem Mickey, Donald und Goofy ein Pen&Paper-Rollenspiel spielen. Seitdem wollte er das immer einmal selbst wagen. Die Chance bekam er schließlich vor 14 Jahren, als er das erste Mal bei einer DSA-Partie dabei war. Seither sind Pen&Paper-Rollenspiele neben Gaming sein wichtigstes Hobby und umfassendster Zeitvertreib.

Darum geht es in Dungeons & Dragons

D+D ist das All-you-can-eat-Buffet unter den Fantasy-Rollenspielen. Jeder findet hier sicher irgendetwas, das ihm oder ihr gefällt. D&D ist das All-you-can-eat-Buffet unter den Fantasy-Rollenspielen. Jeder findet hier sicher irgendetwas, das ihm oder ihr gefällt.

Der Name Dungeons & Dragons kommt nicht von ungefähr. In seinen Ursprüngen war das Rollenspiel vor allem ein Dungeon Crawler. Eure ausgewürfelten Helden machten sich daran, in einen Kerker hinabzusteigen, gegen Monster zu kämpfen und Loot einzusacken. Natürlich sind sie dabei auch häufiger auf Drachen gestoßen – Dungeons & Dragons eben.

Diese Wurzeln liegen in der Vergangenheit, doch sie prägen D&D bis heute. Das Rollenspiel fokussiert sich sehr stark auf seine wirklich gut designten Kämpfe. Es hat schon einen Grund, wieso die Gefechte etwa in Baldur's Gate so viel Spaß machen. D&D bot schon immer ein solides Kampfsystem.

Video starten 1:11 D&D Dragonlance: Beliebtes Setting kehrt mit neuem Abenteuerbuch und Brettspiel zurück

Die perfekte Mischung

Es ist dabei für viele wohl die perfekte Mischung aus Zugänglichkeit und Komplexität. Man kommt gut rein und hat pro Levelaufstieg begrenzte Wahlmöglichkeiten, sodass hier niemand überfordert wird. Doch gerade in den späteren Leveln kann euer Charakter so viele Skills und Items auffahren, dass man ohne Online-Tools wie DnD Beyond sehr schnell die Übersicht verliert.

Dass das Kampfsystem so knallt, liegt auch am High-Fantasy-Setting. Es gibt in D&D fast keine profane Klasse. Selbst Kämpfer wirken irgendwann komplett übermenschlich. Das hilft aber auch dabei, dass jeder immer irgendwas Abenteuerliches beisteuern kann. Es gibt in D&D keine Helden, die nicht auch effektiv kämpfen können – höchstens, wenn ihr absurde Multiclass-Optionen wählt.

D&D verfügt zwar über zahlreiche vordefinierte Spielwelten, wie etwa die Schwertküste, aber Story und Inhalte sind weitestgehend beweglich. Ihr könnt viel über die Welt und ihre Bewohner lernen, oder einfach tun, was ihr wollt.

Das sind die Stärken von Dungeons and Dragons:

  • Das Kampfsystem: Kaum ein Pen&Paper bietet derart gut designte Kämpfe. Sie können zwar auch ausarten und langatmig werden oder schlecht ausbalanciert sein, doch alles in allem machen die Kämpfe in D&D eigentlich immer Spaß.
  • Die Zugänglichkeit: DnD ist kein ganz simples Rollenspiel, man muss sich schon ein wenig reinfuchsen. Doch es bietet trotzdem einen recht geringen Schwierigkeitsgrad. Gerade Kämpfer oder Barbaren sind sehr schnell zu skillen und zu beherrschen.
  • Die Inhalte: Ihr findet zu D&D tausende Bücher, Spielhilfen und YouTube-Videos. Es ist das größte System der Welt mit der größten Community – ihr könnt damit sogar probemlos in ganz anderen Universen wie etwa Mittelerde spielen.
  • Der Fokus: In DnD geht es um Monsterkloppen und Abenteuer erleben, das ganze System ist darauf ausgerichtet. Ihr könnt nicht versehentlich einen Charakter bauen, der dafür nicht geeignet ist. Dieser scharfe Blick fürs Wesentliche sorgt für stimmige Spielrunden ohne unnötige Ablenkungen.

Darum geht es in Das Schwarze Auge

Die Welt von DSA bietet alles, was ein Fantasy-Universum auffahren kann. Allerdings rangiert sie atmosphärisch zwischen Low Fantasy und Märchenhaft und wird eher selten richtiggehend bombastisch. Die Welt von DSA bietet alles, was ein Fantasy-Universum auffahren kann. Allerdings rangiert sie atmosphärisch zwischen Low Fantasy und Märchenhaft und wird eher selten richtiggehend bombastisch.

DSA begann sicherlich sein Dasein als eine Kopie von Dungeons & Dragons, hatte aber schon immer einen etwas anderen Fokus. Beispielsweise waren die Kämpfe seit der 1. Edition mehr von Schwertkämpfen aus Mantel&Degen-Streifen inspiriert als von Fantasy-Bombast. Deshalb läuft hier einiges deutlich methodischer ab.

In der aktuellen Version, DSA 5, sind diese Ursprünge noch zu spüren. Auch DSA macht in seinen Kämpfen Spaß, aber es war nie die größte Stärke des Rollenspiels. Denn in DSA sind Charaktere nicht garantiert darauf ausgerichtet. Wer will, kann hier einen Charakter bauen, dem beim Gedanken an eine gewaltsame Konfrontation schon schlecht wird.

Video starten 4:52 Das Schwarze Auge: Memoria - Test-Video zum DSA-Adventure

Eine Welt zu erkunden

DSA verfolgt den Ansatz, eine ganze Welt nachvollziehbar zum Leben zu erwecken. Ihr könnt in dieser Welt Abenteuer erleben, oder einfach nur euren Alltag. Eure Charaktergestaltung ist dabei völlig offen. Jeder kann theoretisch alles lernen, auch wenn natürlich magische Kräfte etwa bei der Generierung festgelegt sein sollten. Aber ihr könnt eure Reise als Müllersohn beginnen, der irgendwann zum Schwertmeister wird.

Vor allem setzt Das Schwarze Auge aber sehr viel auf seine lebendige Welt. Quasi in Echtzeit vergehen parallel zu uns auch die Jahre in Aventurien. Dabei wird stetig weiter festgehalten, was in dieser Welt gerade vor sich geht. Zum jetzigen Zeitpunkt schaut ihr auf über 40 Jahre Weltgeschichte zurück. Erzählt durch Bücher, Videospiele, Hörspiele und natürlich Abenteuer.

Das Ergebnis ist ein gewaltiger Fundus an Informationen über zahlreiche Länder, Kulturen, politische Systeme und Charaktere. Genau das schreckt aber eben auch leicht ab und schränkt ein. Viele zucken etwa bei dem Gedanken zurück, zu sehr vom Kanon abzurücken, damit die Geschichte wie vorgesehen weitergehen kann – was aber dann die spielerische Freiheit der Charaktere einschränkt.

Das sind die Stärken von Das Schwarze Auge:

  • Die Welt: Wer DSA spielt, liebt in 90 Prozent der Fälle die Spielwelt. Aventurien ist ein unheimlich liebevoll ausgearbeiteter Kontinent, die seit Jahren immer weiter vertieft wird. Natürlich gibt es hier auch viel Quark und manch Absurdität, doch in der Regel fühlt man dahinter immer die Leidenschaft der Autoren.
  • Die Charakterfreiheit: DSA zwingt euch nicht dazu, einem festen Klassenkonstrukt zu folgen mit abstrakten Levelaufstiegen. In DSA könnt ihr eure Figur real entwickeln, von Lehrmeistern neue Dinge lernen und euch mittendrin entscheiden, etwas völlig anderes zu machen. Oder ihr seid einfach nur die Burgmagd von Schloss Waldfang westlich der Hauptstadt Gareth, oder so.
  • Die Inhalte: Auch zu DSA werdet ihr im Netz tausendfach fündig. Das System ist nicht ganz so variabel wie DnD und fest mit Aventurien verknüpft, aber zu diesem Schauplatz gibt es alles. Selbst wenn ihr digital über Foundry oder Roll20 spielt, gibt es hervorragend umgesetzte Module. Damit wird dann auch das sehr ausladende Regelkonstrukt überschaubar.
  • Die Geschichten: Nicht jedes Abenteuer in Das Schwarze Auge ist der große Wurf, aber viele Kampagnen sind erzählerisch stark und werden nicht grundlos (im positiven wie im negativen) als spielbare Romane bezeichnet. Es gibt ein paar grandiose Geschichten zu erleben und langjährige Spielerinnen und Spieler haben sicherlich so manchen offiziellen NPC für immer in ihr Herz geschlossen.

Das ist mein Favorit: Das Schwarze Auge

Fabiano Uslenghi

Mein ganz persönlicher Favorit bleibt auch nach 14 Jahren weiterhin Das Schwarze Auge. Und ja, das liegt eben auch an der Frühprägung. Wobei ich durchaus D&D vorher schon aus PC-Spielen wie Baldur's Gate kannte. Und trotzdem hat mich DSA einfach gepackt und nie mehr losgelassen. Auch wenn mir sehr bewusst ist, wo seine Schwäche liegen.

Für mich überwiegen aber trotzdem die Vorteile des Systems und der Spielwelt. Auch wenn ich weiß, dass D&D mit Faerûn und Co. auf Universen setzt, die ebenfalls voller Details stecken, ist mir das ganze zu wenig miteinander verzahnt und wirkt oft beliebig. Wenn ich etwa einen Charakter baue, fühle ich mich hier gerade aufgrund der Einfachheit verloren.

Mir ist bei einer Figur nicht wichtig, ob sie jetzt Krieger, Barbar oder Hexenmeister ist, ich will jemand sein, der einen Platz in dieser Welt hat. Wenn ich mir etwa bei DSA die Professionen durchlese und mehr über Golgariten, Pfeile des Lichts oder Phexgeweihte erfahre, dann sorgt das allein schon für Inspiration.

Lieber Geschichten als Balance

Ich mag, dass Figuren oftmals wirklich bis ins Detail regeltechnisch festgelegt werden können, auch wenn dieses Detail in einem Abenteuer nichts beiträgt. Und wenn manche Professionen dann stärker sind als andere? Was solls! Frodo hätte im Kampf gegen Gandalf auch das Nachsehen. Es ist die Geschichte, die zählt.

DSA ist dadurch natürlich auch lächerlich überfrachtet, vor allem bei DSA 4 und DSA 5 - aber ich rate hier, nicht sofort alles auch mitzunehmen. Man kann das Spiel auch simpler spielen und wem nach mehr ist, der schafft sich das irgendwann noch drauf. Das macht das Spielsystem alles andere als elegant, aber ich bekomme so genau die Regeltiefe, die ich mir wünsche.

Obendrein habe ich inzwischen so viel über Aventurien gelernt, dass ich mich in dieser Welt einfach sattelfest fühle. In Faerûn denke ich mir meistens nur Quatsch aus, bei DSA freue ich mich, wenn ich tatsächlich belegbare Fakten über einen Landstrich wiedergeben kann. Es ist ein zweites Zuhause geworden.

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