Horror war für mich eigentlich immer das schlimmste Genre, das es gibt. Seit ich bei GameStar arbeite, komme ich aber nicht mehr drumherum. Nach meinem Besuch in der düsteren Welt der Alien-Reihe habe ich mir Five Nights at Freddy's (kurz: FNAF) quasi »selbst aufgezwungen.« Was gab es zu gewinnen? Ein Pläuschen mit meinem Jugend-Crush, Josh Hutcherson.
Also habe ich mich an ein Franchise herangewagt, das mich mit seiner puren Masse an Lore schlichtweg erschlagen könnte - und es irgendwo auch getan hat. Ich bin jetzt zwar noch keine voll ausgebildete FNAF-Expertin, aber jetzt stecke ich tiefer drin, als ich es mir jemals hätte erträumen können.
Dadurch habe ich mit Five Nights at Freddy’s einen Film zu schätzen gelernt, der von Kritikern regelrecht zerrissen wurde. Der zweite Teil schafft es, Lore-technisch sogar noch besser zu sein, hat aber dafür ein anderes Problem.
Die Animatronics sind los!
Bevor ich jetzt drauf los analysiere und ihr euch fragt: »Wovon spricht sie da eigentlich?« Hier erst einmal eine kurze Zusammenfassung der grundlegenden Prämisse:
In Teil 1 soll der alleinerziehende Sicherheitsbeamte Mike Schmidt (Josh Hutcherson) nachts die Pizzeria Freddy Fazbear’s Pizza bewachen. Die Gefahr lauert jedoch nicht vor dem Restaurant, sondern im Inneren. Nachts entwickeln die gruseligen Animatronic-Maskottchen nämlich ein mörderisches Eigenleben.
Zusammen mit der Polizistin Vanessa (Elizabeth Lail) deckt Mike das Mysterium rund um die mechanischen Mörderpuppen auf, in denen die Geister von vermissten Kindern wohnen. Dumm nur, dass sich ausgerechnet Mikes Schwester Abby (Piper Rubio) mit den flauschigen Killern angefreundet hat.
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Five Nights at Freddy's 2: Der offizielle Trailer zur heiß erwarteten Horror-Fortsetzung lässt Fan-Herzen höher schlagen
Was passiert in FNAF 2? Ein Jahr ist seit den Ereignissen von Five Nights at Freddy’s vergangen und Mikes Schwester Abby trauert immer noch ihren elektronischen Freunden hinterher. Zu ihrer Verteidigung: Sie weiß nicht, wie gefährlich sie wirklich sind! Ihr Bruder verschweigt ihr nämlich die Wahrheit.
Rückblickend betrachtet war das wohl nicht so schlau, denn Abby zieht auf eigene Faust los, um Freddy, Foxy, Chica und Bonnie zu retten. Dabei setzt sie die gefährlichen Animatronics unwissend frei - pünktlich zum anstehenden Fazfest! Die Bürger von Minnesota haben ihre Begeisterung für das Freddy-Fazbear-Franchise neu entfacht und wollen das jetzt feiern. Na, da kann ja wirklich gar nichts schiefgehen!
Währenddessen verfolgt Mike eine heiße Spur zu den Hintergründen der Fazbear-Läden und einem mittlerweile verjährten Mord. Und Vanessa? Die kämpft weiterhin mit dem »Erbe« ihres Serienkiller-Vaters William Afton (Matthew Lillard) alias dem gelben Hasen-Animatronic »Spring Bonnie.«
Five Nights at Freddy's 2 erscheint am 4. Dezember 2025 in den deutschen Kinos.
Was macht Five Nights at Freddy’s 2 richtig gut?
Ich steige direkt einmal mit einem meiner absoluten Highlights ein: das Setting. Die Geschichte von FNAF 2 spielt sich nicht mehr ausschließlich in Freddy Fazbear’s Pizza aus Teil 1 ab. Stattdessen gibt’s einen weiteren, verlassenen Laden der Restaurant-Kette zu erkunden. Der bietet einige neue Extras wie ein kleines Karussell und sogar einen Fluss - mitten im Raum!!! Dadurch bekommt die Umgebung einen leichten Hauch von Charlie und die Schokoladenfabrik - nur eben in der Horror-Version.
Eigentlich muss ich immer den Kopf schütteln, wenn sich Protagonisten für einen Adrenalinkick »einfach nur kurz in einem Lost Place umsehen wollen.« Aber hier verstehe ich es. Natürlich weiß ich, dass es absolut dämlich ist, aber selbst mich würde der Schauplatz von FNAF 2 in seinen Bann ziehen. Wäre ich ein Teil des Films, würde ich mich ebenfalls breit grinsend mit einer Kamera in die Höhle des Pizzabären aufmachen.
Spätestens beim Anblick der neuen Puppen - wie zum Beispiel »Die Marionette« oder »Balloon Boy« - würde ich dann aber feststellen: Ach, vielleicht war das doch nicht die smarteste Idee.
Die neuen Toy Animatronics sind quasi direkt aus dem zweiten Videospiel auf die Leinwand gehüpft und noch tödlicher als ihre Vorgänger. Aber sie sehen dabei einfach verdammt cool aus!
Schon der erste Film hat gezeigt, wie gut monströse Puppen in einer Live-Action-Verfilmung funktionieren können. Es wurde weitestgehend auf CGI verzichtet und die Figuren extra für die Videospiel-Adaption angefertigt. Das ist auch hier wieder der Fall, wie aus einem Behind-the-Scenes-Video hervorgeht. Eine kleine kritische Anmerkung habe ich jedoch: Irgendwie ist mir der Kill-Count der neuen Animatronics nicht hoch genug.
Versteht mich nicht falsch, ich bin eigentlich kein Fan von Splatter und Gore, aber ich hätte trotzdem erwartet, dass sie etwas mehr zulangen dürfen. Immerhin handelt es sich hier um weiterentwickelte Animatronics mit Gesichtserkennung und verbesserter Bewegung, die den Menschen noch gefährlicher werden können. Letztendlich wirken die Animatronics in meinen Augen etwas zu zahm.
Ein wahres Lore-Feuerwerk!
Kein Zweifel: Eingefleischte FNAF-Fans werden sich an der Fortsetzung erfreuen können. Denn mal abgesehen von den Toy Animatronics und weiteren Puppen, die wir bereits aus den Videospielen und Büchern kennen, gibt’s auch zahlreiche weitere Anspielungen wie zum Beispiel die Freddy-Fazbear-Maske.
In dem Spiel Five Nights at Freddy’s 2 kann der Spieler sie aufsetzen, damit die Animatronics ihn nicht angreifen. Im Film wird dadurch ein herrlicher Perspektivwechsel in das Geschehen eingebaut, denn die Kamera wechselt in die Ego-Perspektive. Bei der Intensität dieses kurzen, aber umso atmosphärischeren Moments stockt mir der Atem- »hoffentlich denken sie, ich bin einer von ihnen!«
Keine Sorge, auch wenn ihr nicht so tief bei FNAF drinsteckt, kann der Film für euch funktionieren. Denn wie es in einem großen Universum nun einmal so ist, gibt es gerade für Neulinge viele Plot Twists zu entdecken. Während die eingefleischte FNAF-Community die Lösungen der Wendungen vermutlich schon lange vorher erahnen konnte, wird bei anderen vielleicht das Interesse an dem Franchise geweckt.
Vor den Filmen war ich selbst ein ziemlicher FNAF-Noob und seht nur, was aus mir geworden ist.
Das große »Aber«
So schön die Ausarbeitung der Lore und Animatronics auch geworden ist, die Handlung ist enorm chaotisch. Das zeigt sich vor allem im Finale, das genauso flach wie eine Flunder daherkommt. Nachdem mich der Film über 80 Minuten ganz heiß auf einen epischen Finalkampf oder eine mörderische Verfolgungsjagd gemacht hat, ist davon am Ende nichts zu sehen.
Statt mehr Horror oder Action, bei der ich nervös meine Fingernägel zerkaue und meine Knie schlottern, gab es einen Kampf, der gerade einmal ein paar Sekunden dauerte und zack, bumm vorbei ist. Letztendlich schweiften meine Gedanken zu den Fragezeichen über meinem Kopf ab und ich konnte einige offensichtliche Logiklücken einfach nicht mehr ignorieren. Wie zum Beispiel, warum zur Hölle niemand in der Stadt von der anderen Fazbear-Filiale wusste?!
Hier haben mir auch die Trailer und das offizielle Marketing mehr versprochen: Ich habe ein blutiges Fazfest erwartet, bei dem sich Toy Chica, Toy Bonnie und Mangle nach ihrem Ausbruch aus dem Restaurant so richtig austoben dürfen. Die Anstrengungen der mechanischen Puppen, für Unruhen zu sorgen, lösen bei mir jedoch lediglich ein müdes Gähnen aus. Ich habe einfach mehr brenzlige Situationen und Tode beziehungsweise Fast-Tode erwartet.
Five Nights at Freddy’s 2 endet so abrupt, dass ich mich frage, ob hier einfach etwas weggeschnitten wurde. Die letzten Szenen schreien jedoch unmissverständlich und unverschämt nach einer weiteren Fortsetzung - und das stolze viermal. Also bleibt nach dem Film unbedingt sitzen, wenn ihr noch weitere Hinweise haben möchtet, wie es weitergehen könnte.
FNAF 2 hat mich vor allem als frischgebackener Fan begeistert. Denn der Film liefert wirklich viele Details und Querverweise. An dem Grusel-Faktor der Animatronics kann jedoch noch gefeilt werden. Wer also einen durch die Bank weg gelungenen Horrorfilm erwartet, wird enttäuscht. Letztendlich ist FNAF 2 wie schon der erste Teil ein Film für die Fans - und nicht unbedingt für Kino-Connoisseure.
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