Streit um Fortnite: Apple klagt zurück & sagt »Epic ist kein moderner Robin Hood«

Der Streit um Fortnite geht in die nächste Runde. Jetzt verklagt Apple den Entwickler Epic, wirft ihnen Vertragsbruch vor und bezeichnet das Vorgehen als vorsätzlich, frech und unrechtlich.

von Fabiano Uslenghi, Christian Just,
09.09.2020 12:00 Uhr

Fortnite reduziert die Preise für V-Bucks unter anderem im App Store dauerhaft - und fliegt deshalb sowohl aus Apples App Store für iOS als auch aus Googles Play Store für Android. Fortnite reduziert die Preise für V-Bucks unter anderem im App Store dauerhaft - und fliegt deshalb sowohl aus Apples App Store für iOS als auch aus Googles Play Store für Android.

Update vom 9. September 2020

Der Streit zwischen Epic, Apple und Google ist noch lange nicht zu Ende. Jetzt meldet sich Apple wieder zu Wort - und zwar mithilfe einer Gegenklage, die das Unternehmen am Dienstag, den 8. September bei einem kalifornischen Gericht einreichte. Darin legt Apple sehr ausführlich ihre Sicht der Dinge dar und begründet, weshalb in ihren Augen Epic gegen das Gesetz verstoßen habe.

Das sagt Apple

Laut Apple habe es sich bei Epics Versuch, die vertraglich zustehende Abgabe von 30 Prozent bei Ingame-Käufen über den App Store zu umgehen, um eine »vorsätzliche, freche und ungesetzliche« Aktion gehandelt. Epic wolle damit lediglich seinen eigenen Profit auf Kosten von Apple vergrößern und inszeniere sich als Kämpfer für die gute Sache.

"Epics Klage ist nichts anderes als ein Streit um Geld. Auch wenn sich Epic als moderner Robin Hood porträtiert, ist es in Wirklichkeit ein milliardenschweres Unternehmen, das einfach nichts für die immensen Vorteile bezahlen will, die ihm der App Store bereitet. "

Doch obwohl Epic seit Jahren von den Vorteilen des App Store profitiert habe, soll das Unternehmen mit dem Hotfix für Fortnite eine »kaltblütige« Attacke gewagt haben, die laut Apple nicht nur gegen die Regeln des App Store verstoße sondern »regelrechtem Diebstahl« gleichkäme.

Bereits in den Wochen zuvor habe Epic-Chef Tim Sweeney in Emails um Ausnahme-Regeln für sein Unternehmen gebeten und auch eine konkurrierende Epic Games Store App vorgeschlagen. Apple erwartet nun von Epic eine Entschädigung. Außerdem soll das Gericht Epic zwingen, keine unautorisierten Zahlungsmethoden mehr zu gestatten.

Update vom 14. August um 08:30

Der Paukenschlag ließ nicht lange auf sich warten: Nachdem Apple Fortnite im App Store blockiert hat, zieht Google nach und wirf das Spiel aus dem Play Store.

Wie Epic in einem Blogeintrag mit dem Titel »FreeFortnite« (zu deutsch »Befreit Fortnite«) erklärt, ist das eine direkte Reaktion auf den Vorstoß von Fortnite, den Zahlungsweg über Epic Direct Payment zu umgehen. Der Blogeintrag bezieht sich bislang allerdings nur auf Apple und iOS.

Apple ging demnach zum Angriff über, sperrte Fortnite im App Store komplett und forderte Epic auf, die neue Zahlungsmethode zu entfernen. Epic erklärt weiter, dass man Klage gegen »Apples Wettbewerbs-schädigende Einschränkungen« eingereicht hat. Die Unterlassungsbeschwerde legte man bei einem Bezirksgericht in Kalifornien vor. Auch gegen Google geht Epic rechtlich vor. Wir haben über die wichtigsten Fragen rund um die Klage mit einem Anwalt gesprochen:

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"Die Klage ist alles andere als abwegig" - Die Rechtsfragen geklärt

Google selbst kritisiert im Zuge der Sperrung im Play Store das Verhalten von Epic, zeigt sich aber gleichzeitig gesprächsbereit. In einem Statement gegenüber Cashys Blog heißt es:

"Für Spieleentwickler, die sich für die Nutzung des Play Store entscheiden, haben wir einheitliche Richtlinien, die den Entwicklern gegenüber fair sind und den Store für die Nutzer sicher machen. Fortnite ist zwar weiterhin auf Android verfügbar, aber wir können es nicht mehr im Play Store zur Verfügung stellen, da es gegen unsere Richtlinien verstößt. Wir begrüßen jedoch die Gelegenheit, unsere Gespräche mit Epic fortzusetzen und Fortnite wieder in den Google Play Store zu stellen."

Direkt nach der Sperre durch Apple ging ein älteres, mit neuem Text versehenes Video online, das die Situation mit George Orwells klassischer Dystopie »1984« vergleicht und Fans zum Protest aufruft. Das Manöver hat dazu geführt, dass der Hashtag #FreeFortnite auf Twitter trendet.

Link zum YouTube-Inhalt

Ursprüngliche Meldung vom 13. August um 18:53

Billigere Mikrotransaktionen in Fortnite: Epic gab bekannt, dass die Preise der Echtgeldwährung V-Bucks um »bis zu 20 Prozent« sinken. Das Angebot gilt dauerhaft auf PC, Mac, Playstation, Xbox und Switch sowie auf Mobilgeräten, wenn ihr dort die neue Zahlungsmethode Epic Direct Payment benutzt. Dieses Verfahren ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Euro verfügbar.

Wie der Entwickler im Blogpost darlegt, umgeht Epic Direct Payment die 30 Prozent Gebühr, die Google und Apple in ihren Mobile-Shops auf Fortnite-Transaktionen erheben. Die anderen Plattformen können wie gehabt bezahlen und erhalten ebenfalls die neuen, günstigeren Preise.

Wie schlägt sich das nieder? Am Beispiel 1.000 V-Bucks rechnet Epic vor, wie groß die Ersparnis ausfällt. So kosten die Fortnite-Credits mit Epic Direct Payment lediglich 7,99 Euro, während sie im App Store und auf Google Play mit 9,99 Euro zu Buche schlagen.

Damit profitieren Fortnite-Spieler direkt von dem Vorstoß. Wer sich gerne mal einen Skin leistet, kann nun bares Geld sparen. Wenn ihr zwischen dem 14. Juli und 13. August 2020 V-Bucks bereits gekauft habt, erwartet euch zudem bis zum 17. August ein Bonus von 20 Prozent.

Darüber hinaus: Epic will zukünftige Preissenkungen bei Apple und Google ebenfalls an euch weitergeben. Wenn die Anbieter nachziehen, sollen die Mobile-Preise bei anderen Zahlungsmethoden also ebenfalls angepasst werden.

Zur Feier der Aktion verschenkt der Entwickler in Fortnite eine Spitzhacke:

Dieses Item steht nun allen Fortnite-Spielern kostenlos zur Verfügung. Dieses Item steht nun allen Fortnite-Spielern kostenlos zur Verfügung.

Was soll die Aktion?

Das Unternehmen schreibt sich derlei Aktionen auf die Fahnen. Etwa wurde der Epic Games Store unter der Prämisse gegründet, dass die 30 Prozent Steam-Gebühren für Entwickler auf Verkäufe von Spielen zu hoch seien und man daher lediglich 12 Prozent erhebt.

Seitdem äußerte sich Epic-Chef Tim Sweeney häufig zu dem Thema Fairness. Indes werfen ihm Kritiker vor, der Epic Store verzerre seinerseits den Wettbewerb, indem er durch Exklusiv-Deals Nutzer quasi auf die Plattform zwinge. Sweeney verteidigte diese Strategie als »einzigen Weg«, es mit dem großen Konkurrenten Steam aufnehmen zu können.

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Die neueste Aktion passt da ins Bild. Offenbar will Epic den Wettbewerb aufmischen und für günstigere Konditionen für Entwickler und Kunden sorgen.

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