Seit fast zwei Jahren beschäftige ich mich nun schon intensiv mit den Mini-Gadgets für die Finger. In dieser Zeit haben sich die Produkte enorm verbessert. Inzwischen hat einer dieser Ringe meine Smartwatch gewissermaßen vom Handgelenk verdrängt.
Das Paradoxe daran ist: Es fällt mir schwer, meinen Favoriten zu empfehlen. Ein Makel nervt mich nämlich jeden Monatsanfang aufs Neue: das Abonnement. Dennoch ist der Ring aktuell zumindest in meinen Augen der beste.
Was ist der Nutzen solcher Smart-Ringe? Darüber hat Kollege Mirco erst neulich einen Artikel geschrieben.
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Jedes dieser Modelle wurde im Test etwa 60 Tage lang am Finger getragen. Das ist wichtig, da ein Smart-Ring eine Kalibrierung benötigt. In diesem Zeitraum werden sämtliche Daten sowie Verhaltensmuster verlässlich interpretiert und Trends entsprechend aufbereitet.
Mein (vorläufiger) Favorit: Der Oura Ring Gen 4
Das ursprünglich finnische Unternehmen macht mit seinem Ring vieles richtig, wenn auch nicht alles. Drei wesentliche Punkte überwiegen für mich die negativen und setzen ihm vorerst die Krone auf: App-Aufbau, verlässliche Messdaten und Funktionsumfang.
Ouras App gehört zu den Besten
Oura hat App-Design verstanden. Die Software zeigt mir alle akut wichtigen Informationen mit einer einzigen Zahl und wenigen Sätzen direkt auf der Startseite an. Soll ich heute das Training steigern? Ich bekomme eine schnelle, übersichtliche Antwort.
Das ist jedoch noch nicht alles: Weitere relevante Informationen wie Aktivität und Stresslevel wandern über den Tag verteilt nach oben und werden automatisch in Kontext zu meinem Wohlbefinden gesetzt.
Wenn ich mehr wissen möchte, scrolle ich nach unten oder tippe auf die einzelnen Metriken ganz oben.
Diese kompakte und übersichtliche Aufbereitung ist extrem wichtig, weil die kleinen Helfer eine Flut an Daten messen und verarbeiten. Dazu gehören Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Blutsauerstoffsättigung, Atemfrequenz, Hauttemperatur, Bewegung und vieles mehr.
So macht es die Konkurrenz: Die Konkurrenz verfolgt den gleichen Ansatz, überflutet den Bildschirm aber stellenweise mit zu vielen Informationen. Dadurch verliere ich den Überblick und muss die wichtigen Details selbst herausfiltern.
Am ehesten gelingt es dem Luna Ring noch, eine übersichtliche Startseite mit wichtigen Informationen zu präsentieren. Ein wichtiger Teil davon ist die zirkadiane Ausrichtung, mit der sich beispielsweise das optimale Koffeinfenster bestimmen lässt.
Leider braucht die Software gelegentlich sehr lange, bis diese Daten geladen sind und auf dem Bildschirm erscheinen. Unterm Strich verbringe ich bei Oura im Vergleich weniger Zeit für mehr Informationen.
Schlaf und Aktivitätstracking
In meinem Test des Oura Rings habe ich die automatische Workout-Erkennung bemängelt. Sie war schlicht unzuverlässig.
Inzwischen erkennt der Ring Workouts jedoch sehr präzise, sodass ich sie nicht einmal mehr manuell über die App starten muss. Selbst Intervalltraining (HIIT) wird vom Ring problemlos erkannt und aufgezeichnet.
Im Vergleich zu einem Brustgurt sind die Werte ohnehin sehr genau und größere Ausschläge sind bislang nicht aufgetreten. Das kann sich im Sommer bei hohen Temperaturen und schwitzigen Händen allerdings wieder ändern.
Nichtsdestotrotz kann ich inzwischen in dieser Hinsicht auf den Ring zählen. Das ist ein großer Komfortgewinn.
Gleiches gilt für das Schlaftracking. Hier hat Oura nach wie vor die Nase vorn – und das nicht ohne Grund. Die Daten sind für ein Wearable ziemlich präzise.
Im Vergleich mit einer Apple Watch und einem Stirnband, das die Gehirnwellen misst, liegen die Daten nah beieinander. Zudem gehört der Ring zu den wenigen Gadgets, die die Wachphasen verlässlich erfassen und anzeigen.
Viele Smartwatches, Smart-Ringe und Armbänder haben 2026 damit noch immer Probleme, obwohl ich stellenweise eine Stunde in der Nacht wachgelegen habe.
Schlaftracking #1
| Gesamt | Leicht | Tief | Rem | Wach | |
|---|---|---|---|---|---|
| Oura Ring 4 | 06:57 | 03:14 | 01:16 | 01:33 | 00:55 |
| Muse S Athena | 06:57 | 03:00 | 01:38 | 01:34 | 00:45 |
| Luna Ring | 06:28 | 03:13 | 02:09 | 01:02 | 00:04 |
Schlaftracking #2
| Modell | Gesamtschlaf | Wach | REM | Kern | Tief |
|---|---|---|---|---|---|
| Apple Watch Ultra 2 | 07:23 | 00:20 | 01:58 | 04:17 | 01:08 |
| Oura Ring 4 | 07:15 | 00:27 | 02:01 | 03:48 | 01:27 |
| RingConn Gen 2 | 06:59 | 00:17 | 01:54 | 03:44 | 01:04 |
Herzfrequenz #1
5.0-Kilometer-Lauf
| Schnitt | Max | |
|---|---|---|
| Oura Ring 4 | 159 | 182 |
| Polar H10 | 158 | 184 |
Herzfrequenz #2
5.0-Kilometer-Lauf
| Schnitt | Max | |
|---|---|---|
| Oura Ring 4 | 167 | 189 |
| Polar H10 | 167 | 190 |
Neben den genauen Daten schätze ich eine andere Sache noch mehr an dem Schmuckstück: Es versteht meine Gewohnheiten und passt sich mir an – nicht umgekehrt.
Der Ring erkennt langfristig, zu welchen Zeiten ich am besten schlafe, und schlägt mir diese Zeiten als optimal vor. Auf diese Idee kann man selbst kommen, logisch. Aber die Zahlen und belegbaren Fakten der letzten sechs Monate zu sehen, hat ein ganz anderes Gewicht.
Andere Gadgets sind anders aufgestellt und wollten mich beispielsweise bereits um 21:30 Uhr ins Bett schicken, um meine »Schlafschuld« zu begleichen. Abgesehen von der negativ konnotierten Wortwahl weiß ich nicht, wann ich das letzte Mal um diese Zeit geschlafen habe.
Unterm Strich versteht der Oura Ring, dass jeder Mensch anders ist und passt sich entsprechend an. Dabei wird nicht nur die Schlaflänge, sondern die Schlafqualität als Ganzes als wichtiger Faktor berücksichtigt.
So macht es die Konkurrenz: Beim Tracken von Aktivitäten kommt der günstigste Ring im Testfeld, der Helio Ring von Amazfit, an den Oura-Ring heran. Er misst im Vergleich zu einem Brustgurt ziemlich präzise. Leider erkennt er die wenigen Workouts nicht automatisch.
Die anderen Ringe haben entweder Probleme mit dem Tracken der Herzfrequenz in hohen Bereichen oder zeigen die zurückgelegte Strecke in der App trotz Smartphone-GPS falsch an.
Beim Schlaftracking haben alle anderen Ringe Probleme mit den Wachphasen. Am ehesten gelingt es dem RingConn, festzustellen, dass es Phasen gibt, in denen ich aufwache. Allerdings hakt es bei der ermittelten Zeit.
Funktionsumfang
Beim Oura Ring vermisse ich keine Funktion. Mithilfe von Tags lässt mich die App zum Beispiel ein Schlaftagebuch führen. Diese Dokumentation ist besonders in der Retrospektive interessant.
So lässt sich einsehen, welche Faktoren (Essen, Sport, Arbeit etc.) den Schlaf über einen sehr langen Zeitraum hinweg positiv oder negativ beeinflussen. Langfristige Veränderungen, die zu einem besseren Schlaf führen, werden dadurch messbar und motivieren. Gleiches gilt für den physiologischen Stress und die Resilienz.
Trends gehören zu den wichtigsten Funktionen eines solchen Wearables. Ich sehe die Entwicklung jeder einzelnen Metrik der vergangenen Tage, Wochen, Monate und Jahre.
Das hilft mir zum Beispiel dabei, meine eigene Aktivität Stück für Stück zu steigern und auszuwerten. Das motiviert mich ungemein.
Neuerdings hat Oura in Deutschland außerdem einen Advisor eingeführt. Der KI-Assistent ist tatsächlich praktisch, da er sich unter anderem auf die eigenen gemessenen Daten bezieht.
Ein einfaches Beispiel: »Wie steht es diese Woche um meine Aktivität?« Der Advisor zeigt den Durchschnitt der Schritte im Vergleich zu den eigenen Zielen an und welche Trainings absolviert wurden. Dabei wertet er auch das Trainingsvolumen und die Frequenz aus.
In diesem Fall gibt die KI einen Tipp, wie sich die Bewegung leicht steigern lässt, ohne die aktuelle Routine zu vernachlässigen.
Abseits davon ist noch die Anbindung an andere Drittanbieter-Apps wie Health, Strava oder Clue erwähnenswert.
So macht es die Konkurrenz: In diesem Bereich zieht Oura nicht davon. Die anderen Gadgets bieten ein ähnliches Repertoire. Vereinzelt weisen die anderen Ringe sogar mehr Gesundheitsfeatures auf.
Der RingConn Gen 2 kann Schlafapnoe erkennen und bietet in meinen Augen eine bessere Umsetzung eines Schlaftagebuchs. Ultrahuman bietet gegen eine Gebühr eine AFib-Erkennung (Vorhofflimmern) an.
Der Luna Ring verfügt seit diesem Jahr sogar über eine Anbindung an Siri und der Galaxy Ring unterstützt in Kombination mit einem Samsung-Handy praktische Alltagsfunktionen wie die Gestensteuerung.
Wie eingangs erwähnt, reicht mir der Funktionsumfang des Oura Rings aus.
Wo liegt die Konkurrenz vorne?
Abonnement: Bei keinem der Konkurrenzmodelle ist ein Abonnement erforderlich. Okay, grundsätzlich lässt sich der Oura Ring auch ohne einen monatlichen Obolus nutzen. Damit gehen allerdings die folgenden Funktionen verloren:
- Detaillierte Schlafanalyse
- Herzfrequenzmessung rund um die Uhr (tagsüber, nachts, Aktivität)
- Integration in Gesundheits- und Wellness-Apps von Drittanbietern wie Strava
- Erweiterte Temperaturüberwachung
- Blutsauerstoffmessung (SpO2)
- Kardiovaskuläres Alter
- Ausdauerleistungsfähigkeit (VO2max)
- Cycle Insights
- Stress tagsüber
- Dynamische Aktivitätsziele mit automatischer Aktivitätserkennung
- Oura Labs
- Pregnancy Insights
- Resilienz
- Wochen-, Monats-, Quartals-, Jahres- und Jahrestagsberichte
Andres ausgedrückt: Euch fehlen die wichtigsten Features. Ultrahuman zeigt einen gesunden Mittelweg. Mit den sogenannten Powerplugs könnt ihr einzelne spezielle Funktionen hinzubuchen (etwa die Erkennung von Vorhofflimmern).
Das ist zwar nicht so optimal wie bei RingConn, Luna und Co., aber immerhin handelt es sich dabei nicht um essenzielle Funktionen zur Gesundheitsüberwachung.
Akkulaufzeit: Mit dem Oura Ring schaffe ich es, bis zu sechs Tage ohne Aufladen auszukommen. Bei zwei Lauftrainings von jeweils 45 bis 60 Minuten sowie einem einstündigen Intervalltraining sind es etwa vier bis fünf Tage.
RingConn schafft bei gleicher Frequenz mehr als das Doppelte. Im Test musste ich den Ring erst nach elf Tagen ins Etui legen.
Apropos: Dieses Reise-Etui ist im Lieferumfang von RingConn enthalten. Ihr könnt das Wearable also auch dann laden, wenn ihr keinen Zugang zu Strom habt. Bei Oura kostet dieses Zubehör nochmal satte 110 Euro.
Hier geben sich die Geräte die Klinke in die Hand
Alle Geräte wirken zwar sehr hochwertig verarbeitet, bekommen aber schnell auffällige Kratzer. Ich trage die Ringe durchweg an meiner nicht-dominanten Hand. Beim Wasserkisten schleppen werden sie vom Finger gezogen. Es hilft nichts: Früher oder später trägt man beim genauen Hinsehen einen zerkratzten Ring.
16:02
Smart-Ring als Alternative zur Smartwatch? Das müsst ihr unbedingt vorher wissen!
Wenn das möglichst präzise Tracking von Schritten ganz oben auf der Liste steht, sind die kleinen Gadgets nicht die besten Helfer. Auch wenn RingConn und Oura inzwischen deutlich genauer sind, hinken sie den bewährten Smartwatches teilweise hunderte Schritte hinterher.
Könnt ihr mit leichten Abweichungen leben, bedenkt, dass der Zähler tendenziell zu wenige Schritte anzeigt. Das ist immer noch besser als zu viele.
Zum Schluss komme ich noch auf das Thema Datenschutz zu sprechen. Vier der Fünf Hersteller geben an, die personenbezogenen Daten nicht an Dritte weiterzureichen oder zu verkaufen. RingConn gibt allerdings an, dass bei der Zustimmung die Daten potenziell von Dritten in China verarbeitet werden.
Dazu gehören etwa Alibaba, Tencent, Beijing Volcengine Technology. Allen Datenschutzerklärungen der fünf Hersteller geben hingegen zu verstehen, dass die Daten den Kontinent verlassen können und auf Servern außerhalb der EU landen.
Ausblick 2026
Die letzten zwei Jahre haben vor allem eines gezeigt. Die Geräte werden immer besser, genauer und intelligenter. Ob Oura weiterhin der Platzhirsch unter diesen Wearables bleibt, ist fraglich.
Ohne Zweifel gehört dieses Modell zu den besten. Für mich persönlich ist es derzeit sogar der beste Smart Ring. Aber am Horizont warten schon die nächsten Generationen, die die Schwächen der aktuellen Modelle potenziell überwinden.
Der RingConn Gen 3 ist bereits bestätigt und auch Ultrahuman kündigt mit seinem kommenden Pro-Modell Großes an. Ob Samsung nach zwei Jahren seine zweite Generation präsentiert, bleibt abzuwarten.





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