Es ist noch nicht so lange her, da hatte so gut wie jeder Laptop noch ein eingebautes optisches Laufwerk (ODD). Aber braucht man im Jahr 2025 noch ein integriertes ODD? Bei uns würde diese Frage wohl nur eine Minderheit mit einem Ja beantworten.
Mittlerweile laden wir Spiele direkt bei Steam herunter, streamen Musik von Spotify, schauen Filme bei Netflix und installieren unsere Software von USB-Sticks.
Trotz vieler Nachteile: Japaner lieben CDs und DVDs
Im Handel findet ihr in der Regel keine Laptops oder Desktop-PCs mehr mit eingebautem optischem Laufwerk. Es gibt dafür schlicht keinen Bedarf mehr.
Doch das ist tatsächlich nicht überall auf der Welt so. In Japan stehen die silbernen Scheiben nach wie vor hoch im Kurs und wie Techspot berichtet, scheint es aktuell sogar einen regelrechten Run auf optische Laufwerke zu geben.
Fujitsu hat sogar gerade den FMV A77-K3 Laptop mit eingebautem Blu-ray-Laufwerk auf den Markt gebracht. Bei uns würde ein solches Gerät vermutlich wie Blei in den Regalen liegen bleiben, in Japan macht die Veröffentlichung allerdings tatsächlich Sinn. Und das obwohl optische Medien diverse Nachteile mit sich bringen.
- Geschwindigkeit: Ein DVD-Laufwerk ist erheblich langsamer als es selbst die langsamste und schlechteste SSD ist. Die Installation von größeren Programmen dauert von CDs gefühlt eine Ewigkeit.
- Anfällig: Optische Medien sind empfindlich. Auf eine unsachgemäße Behandlung reagieren sie mit Kratzern. Abhängig davon, wie stark eine DVD oder CD zerkratzt ist, kann der Datenträger sogar unlesbar werden. Beim mobilen Einsatz spielen auch Erschütterungen eine Rolle.Starke Vibrationen und Stöße quittiert das DVD-Laufwerk mit Aussetzern beim Lesen.
- Platzbedarf: Das ist ein Punkt den ihr nicht unterschätzen solltet: DVDs benötigen schlicht sehr viel mehr Platz als ein USB-Stick oder eine externe Festplatte. Ich selbst habe im Keller meine CD-Sammlung in vier Umzugskisten stehen, weil ich einfach keinen Platz dafür in der Wohnung habe. Stattdessen habe ich alles digitalisiert und auf einer handlichen externen SSD gespeichert.
Fujitsu FMV A77-K3 Laptop kommt nur mit Low-End-Hardware
Vielfach sind optische Laufwerke in Japan bereits ausverkauft. Und genau jetzt hat Fujitsu auch den eingangs schon erwähnten FMV A77-K3 Laptop mit eingebautem Blu-ray-Laufwerk vorgestellt.
Abgesehen vom optischen Laufwerk ist das Gerät allerdings nicht wirklich spannend. Es gibt verschiedene Konfigurationen, die sich aber alle eher an Einsteiger richten. Ein Modell besitzt etwa einen AMD Ryzen 7 7735U Prozessor, 16-GB-Arbeitsspeicher und eine 512-GB-SSD. Eine dedizierte Grafikkarte ist nicht vorhanden.
Doch warum halten die Japaner der DVD / CD so unerschütterlich die Treue?
Für die anhaltende Beliebtheit optischer Medien gibt es gleich mehrere Gründe. Da wäre etwa die nach wie vor florierende CD-Kultur. Während in europäischen Ländern die Verkäufe von Musik-CDs kontinuierlich sinken, ist sie in Japan ein wichtiger Pfeiler der Musikindustrie. Dies hat gleich mehrere Gründe:
- Fankultur: In der japanischen Idol-Kultur ist der Kauf einer CD die ultimative Form der Unterstützung für einen Künstler. Fans kaufen dabei häufig sogar gleich mehrere Exemplare desselben Albums, um ihre Lieblingskünstler in den Charts nach oben zu pushen.
- Exklusive Beigaben: CDs werden häufig mit attraktiven Extras verkauft, die es digital schlicht nicht gibt. Dazu gehören unter anderem Lotterielose für Konzerttickets oder
Meet & Greet-Events
, exklusive Artworks oder Merchandise-Artikel. - Sammelleidenschaft: In Japan gibt es eine ausgeprägte Wertschätzung für physische Objekte und das Sammeln. Eine CD wird nicht nur als Datenträger, sondern als hochwertiges Sammlerstück mit ansprechender Verpackung und Booklet betrachtet.
Aktueller Schub durch Windows 11
Das Support-Ende von Windows 10 veranlasst zudem viele japanische Nutzer zum Kauf eines neuen Computers mit Windows 11. Auch dieser Umstand hat den Verkauf von Blu-ray-Laufwerken deutlich angekurbelt. Viele Anwender besitzen darüber hinaus eine umfangreiche Film- und Musiksammlung auf Blu-ray und CD. Diese möchten sie natürlich auch auf ihren neuen Rechnern weiterhin nutzen.
Fazit
Während sich der Großteil der Welt fast vollständig dem Streaming zugewandt hat, bleibt Japan auch 2025 eine Hochburg für physische Medien. Die Kombination aus einer einzigartigen Fankultur und einer allgemeinen Wertschätzung für das Haptische sorgt dafür, dass die Silberscheibe
auch auf lange Sicht ihren festen Platz in japanischen Haushalten und Geschäften haben wird.
Das Fujitsu FMV A77-K3 dürfte daher wohl auch nicht das letzte Notebook mit integriertem optischem Laufwerk sein, das in Japan auf den Markt kommt.
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