Wie Spieletrailer entstehen und warum ihr ihnen nicht glauben solltet

Game-Designerin Jennifer Scheurle hat auf Twitter erklärt, wie Spieletrailer überhaupt zustande kommen und warum man sie mit Vorsicht genießen sollte.

von Elena Schulz,
12.08.2020 13:56 Uhr

Bei Cyberpunk 2077 häufte sich kürzlich die Kritik, das in Trailern gezeigte Features nicht im fertigen Spiel sein werden. Bei Cyberpunk 2077 häufte sich kürzlich die Kritik, das in Trailern gezeigte Features nicht im fertigen Spiel sein werden.

Jennifer Scheurle ist Lead Game Designer bei ArenaNet (Guild Wars 2) und teilt auf Twitter gerne spannende Hintergrundinformationen zur Spieleentwicklung - beispielsweise wie Spiele uns austricksen, um unser Erlebnis heimlich zu verbessern.

In ihren neuesten Posts nimmt sie aber nicht Spiele an sich, sondern vielmehr die Trailer dazu unter die Lupe. Ihr kennt das ja vielleicht: Wenn die flotten Spielausschnitte mit cooler Musik untermalt über den Bildschirm flimmern, braucht es manchmal schon etwas Selbstbeherrschung, nicht hibbelig zu werden und in freudiger Erwartung gleich auf den Vorbesteller-Button zu klicken.

Am Ende ist die Enttäuschung aber manchmal groß, wenn der erste Trailer überhaupt nichts mit dem fertigen Spiel zutun hat. Mal sieht die Grafik deutlich schlechter aus und ein Downgrade-Raunen geht durch den Raum, mal ändern sich gar Menüs, Charaktere oder das Gameplay an sich. Oder Trailer zeichnen gar eine Handlung, die so im fertigen Spiel überhaupt nicht stattfindet. Wie das falsche Hoffnungen wecken kann, sah man kürzlich am Beispiel The Last of Us 2:

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So werden Spieletrailer gemacht

Will der Entwickler uns hier also arglistig auf eine falsche Fährte führen? In der Regel nicht, sagt Scheurle. Dass Trailer oft nicht genau dem fertigen Spiel entsprechen, läge nämlich in der Natur der Sache:

"Zunächst einmal entstehen viele Spieletrailer über einen längeren Zeitraum hinweg, meist während ein Spiel sich noch komplett in Entwicklung befindet. Ein Gameplay-Trailer verlangt mitunter auch nach einem ganzen Team an Profi-Spielern, die eine Choreographie an Spielmechaniken vorführen, die aufgezeichnet wird.

Dieses Team an Profis verbringt Tage damit, dieses Gameplay-Material aufzunehmen, meist unter der Leitung eines Trailer Directors, der ein bestimmtes Skript im Kopf hat. Für Multiplayer-Spiele müssen sie Szenen koordinieren und sicherstellen, dass die Aufzeichnung gut und episch aussieht."

Wie bei einem Filmdreh werden Szenen laut Scheurle dabei so oft aufgenommen, bis sie sitzen. Die Arbeit an einem Trailer setze also viel Aufwand und Können voraus. Außerdem sind sie am Ende oft undankbar für alle, die an der Performance beteiligt sind.

Das Rollenspiel Cyberpunk 2077 geriet zum Beispiel bei den Fans in die Kritik, weil viele Features aus den ersten Trailern nicht im fertigen Spiel sein werden. Wir analysieren, warum das überhaupt nicht problematisch sein muss:

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Warum Gameplay-Trailer nicht aus dem fertigen Spiel entstehen

Der Aufwand, der für den Trailer betrieben werden muss, ist natürlich vor allem für die Entwickler relevant. Spieler müssen deshalb allerdings auch davon ausgehen, dass der Trailer über einen langen Zeitraum hinweg entsteht und unterschiedliche Spielversionen umfasst. Logisch, die Arbeit am Spiel schreitet parallel dazu ja ganz normal voran.

"Das bedeutet, dass euer Gameplay-Material nicht aus dem finalen Build stammt, der später veröffentlicht wird. Studios bemühen sich, so nah wie möglich daran zu kommen, wie das finale Erlebnis sich anfühlen und aussehen wird, aber dahinter verbirgt sich oft eben nicht die endgültige Version.

Womöglich wurden zum Testen oder aus Performance-Gründen zwischendurch in einem Build einige Features deaktiviert. Oder vielleicht fehlt noch etwas Feinschliff. Ein Spiel zu veröffentlichen ist ein verrückter Lauf und Builds sind lebendige, atmende Zeitabschnitte davon."

Deshalb müsse das Trailer-Team oft improvisieren. Mitunter lasse sich eine Szene aufgrund von Bugs nicht fertigstellen oder weil etwas im Build noch nicht optimal aussehe. Dass man kein finales Produkt vor sich habe, solle man als Spieler im besten Fall im Hinterkopf behalten, wenn man einen Trailer anschaue.

Während bei Trailern der Entwicklungsprozess Schuld ist, tricksen Entwickler bei Spielen manchmal übrigens ganz bewusst - allerdings zu unseren Gunsten:

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»Erwartet nicht zu viel von den ersten Next-Gen-Spielen«

Für Next-Gen-Spiele hat Scheurle außerdem noch einen weiteren Rat im Gepäck. Der klingt an sich ziemlich offensichtlich, ist aber vielleicht trotzdem nicht jedem Betrachter immer klar: Weil die Spiele der nächsten Generation vornehmlich in Streams angekündigt werden, solle man keine scharfe 4K-Optik vom gezeigten Material erwarten.

Schließlich handle es sich ja um einen Stream, der nicht mit dieser Auflösung laufe. Für das beste Erlebnis braucht es logischerweise einen 4K-Bildschirm und ein Video in entsprechender Auflösung.

"Außerdem: Next Gen ist immer aufregend und die Leute haben hohe Erwartungen, aber behaltet im Kopf, dass die Spiele, die zum Next-Gen-Launch erscheinen, wahrscheinlich nicht den Höhepunkt dessen darstellen, was die neuen Konsolen leisten können. Wir müssen uns oft noch auf neue Werkzeuge und Technologien einstellen, was den Höhepunkt verzögert."

Abschließend empfiehlt die Designerin nochmal, Trailer nicht zu ernst zu nehmen und Spiele lieber selbst auf Events auszuprobieren, statt das gezeigte Material Frame für Frame zu analyiseren. Den kompletten Twitter-Thread könnt ihr auf dem Profil Jennifer Scheurle, alias Gaohmee nachlesen.

Wie wichtig sind euch Spieletrailer? Wurdet ihr schon mal zum Kauf verleitet und enttäuscht? Schreibt uns in die Kommentare!

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