Mein Gaming-PC steht seit Jahren im Wohnzimmer und zum Schreibtisch werde ich nicht zurückkehren

Im Wohnzimmer kann man nicht nur mit der PlayStation, Xbox oder Switch spielen – mein Gaming-PC steht seit Jahren neben meinem Fernseher.

Mein Gaming-PC ist eine Eigenbau-Steam-Machine, die sich wie eine Konsole bedienen lässt. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Mein Gaming-PC ist eine Eigenbau-Steam-Machine, die sich wie eine Konsole bedienen lässt. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

»Ich bereue nicht eine Sekunde.« So hat mein Kollege Patrick seinen Wechsel vom Gaming-PC zur PlayStation 5 Pro betitelt und ich kann seine Entscheidung zu hundert Prozent nachvollziehen.

Unter dem Artikel ist wenig überraschend eine lebhafte Diskussion entstanden und einige von euch erwähnen, dass sie aus ähnlichen Gründen ihren Gaming-PC im Wohnzimmer stehen haben.

So ist das auch bei mir seit mehreren Jahren – zum Spielen werde ich nicht zum Schreibtisch zurückkehren.

Warum mein Gaming-PC im Wohnzimmer steht

Genau wie meine Kollegen und Kolleginnen verbringe ich jeden Tag viele Stunden am Schreibtisch – worüber ich auch wirklich froh bin! Die Möglichkeit, von Zuhause aus arbeiten zu können, ist ein großes Privileg, für das ich sehr dankbar bin.

Diese Form der Arbeit hat jedoch dafür gesorgt, dass ich langfristig nicht mehr am Schreibtisch spielen möchte. Für mich beginnt der Feierabend, sobald ich mich davon entfernen kann. 

An einem Schreibtisch zu sitzen, assoziiere ich genau wie Patrick mit der Arbeit. Der Wechsel von PC-Gaming zu Konsolen ergibt also Sinn.

Trotzdem wollte ich auf einen Gaming-PC wegen verschiedener Gründe nicht verzichten: 

  • Die zahlreichen Angebote bei Steam und Co.
  • Kostenloser Multiplayer ohne Abo
  • Jahrelang aufgebaute Spielebibliothek
  • Spaß am Zusammenstellen der Hardware (ich liebe es, PCs zu bauen)

Viele Jahre stand mein PC auf meinem Schreibtisch oder direkt daneben. Inzwischen leistet er meinem Fernseher als Eigenbau-Steam-Machine Gesellschaft.

Ein PC als Gaming-Konsole – so habe ich es gemacht

Mein Gaming-PC steht neben dem TV-Unterschrank in einem Regal. Ich habe hinten etwas Abstand zur Wand gelassen, damit die warme Luft dort nach oben austreten kann. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Mein Gaming-PC steht neben dem TV-Unterschrank in einem Regal. Ich habe hinten etwas Abstand zur Wand gelassen, damit die warme Luft dort nach oben austreten kann. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Die Basics: Zwei Gadgets und eine Einstellung reichen

Im Grunde genommen ist es ganz einfach, einen PC als Gaming-Konsole am Fernseher anzuschließen. 

Heruntergebrochen benötigt ihr nur zwei Dinge: 

  • Funktastatur mit Trackpad
  • Controller

So habe ich lange Zeit meinen PC im Wohnzimmer vom Sofa aus gesteuert. Damit die Benutzeroberfläche in 4K-Auflösung bei etwa vier Metern Entfernung zum Fernseher noch erkennbar ist, wähle ich zusätzlich eine Anzeigeskalierung zwischen 200 und 300 Prozent. 

Solange ihr den Platz habt, reicht das schon aus, um mit dem PC im Wohnzimmer zu spielen. Der Controller ist für Spiele und die Funktastatur mit Trackpad für alles andere (außerdem lässt sich damit der PC aus dem Ruhezustand oder Energiesparmodus wecken).

Weil ich jedoch nach einer Erfahrung suchte, die noch näher am Spielen mit einer PlayStation oder Xbox dran ist, habe ich weitere Schritte unternommen.

Die Extra-Meile: So habe ich aus meinem PC eine Steam Machine gemacht

Hätte ich mich für ein Mini-ITX-Gehäuse entschieden hätte der PC noch kleiner werden können, jedoch wäre das deutlich teurer geworden. Mit der Größe des Jonsbo V12 bin ich schon sehr zufrieden. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Hätte ich mich für ein Mini-ITX-Gehäuse entschieden hätte der PC noch kleiner werden können, jedoch wäre das deutlich teurer geworden. Mit der Größe des Jonsbo V12 bin ich schon sehr zufrieden. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Neues Gehäuse: Natürlich könnt ihr euch in euer Wohnzimmer einen Riesenklotz von PC stellen, aber eigentlich ergibt es mehr Sinn auf ein kleines Gehäuse umzusteigen, das sich besser in die Wohnzimmerlandschaft einfügt; Modelle wie das Fractal Design Ridge kommen mir da in den Sinn. 

Mein PC steckte vorher in einem Corsair 3000D Airflow, der perfekt zum Schreibtisch passte, aber im Wohnzimmer etwas zu groß war – ein neues Gehäuse muss her!

Meine Entscheidung fiel auf das Jonsbo V12. Es unterstützt trotz seiner kompakten Maße gewöhnliche ATX-Netzteile und Mainboards im mATX-Formfaktor. Das schont den Geldbeutel, da kleinere Komponenten (SFX-Netzteile und Mini-ITX-Mainboards) ziemlich kostspielig sind. Außerdem wollte ich wie die echte Steam Machine ein quadratisches Gehäuse.

(Ach, und ganz ehrlich: Ich wollte auch einfach wieder etwas basteln.)

Das ist immer wieder aufregend neue PC-Teile auf dem Tisch zu haben. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Das ist immer wieder aufregend neue PC-Teile auf dem Tisch zu haben. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Neue Grafikkarte: Mein Gaming-PC lief vorher mit einer Nvidia GeForce RTX 2070 Super, die schon etwas in die Jahre gekommen war. Für das Eigenbau-Steam-Machine-Projekt wollte ich deswegen ein kleines Upgrade mit mehr Leistung, da mein Fernseher eine 4K-Auflösung besitzt. Zudem stand ein Wechsel zu einem Linux-Betriebssystem auf der Wunschliste, und mit Nvidia-Grafikkarten besteht ein größeres Potenzial für notwendiges Troubleshooting, das ich mir ersparen wollte.

Meine Wahl fiel auf die AMD RX 9060 XT mit 16 GB VRAM und einem kompakten Dual-Fan-Design. Die Karte passt optisch gut in den PC, hat genügend Videospeicher und ausreichend Leistung, um im hochskalierten 4K zu spielen.


Gaming-orientiertes Betriebssystem: Valves Steam Machine wird mit SteamOS laufen, demselben Betriebssystem, das auch auf dem Steam Deck installiert ist. Dabei handelt es sich um ein Linux-Derivat mit Schwerpunkt auf Gaming und das vollständig mit dem Controller gesteuert werden kann. 

Wer schon einmal ein Steam Deck bedient hat, wird sich mit Bazzite sofort zurechtfinden. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Wer schon einmal ein Steam Deck bedient hat, wird sich mit Bazzite sofort zurechtfinden. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Weil SteamOS offiziell noch nicht von Eigenbau-PCs unterstützt wird, habe ich mich für Bazzite OS entschieden, das SteamOS sehr stark ähnelt. Die Erfahrung mit Windows 11 im Wohnzimmer ist im Alltag in Ordnung, aber weit von dem entfernt, was man von klassischen Konsolen kennt. 

Erst mit der (sehr einfachen) Installation von Bazzite fühlte sich mein PC wie eine echte Konsole an. Der Stand-by-Modus funktioniert, wie ich es von PS5 und Co. gewohnt bin; ich kann bei jedem Spiel den PC jederzeit ausschalten und an dieser Stelle später weiterspielen. Wer auf Kernel-Anti-Cheat-Spiele wie Fortnite oder Apex Legends verzichten kann, bekommt hier eine konsolenähnliche Erfahrung inklusive Controller-Steuerung.

Plus: Mein Controller (Victrix Pro BFG) kann den PC aus dem Stand-by wecken.

Die Specs meines Gaming-PCs
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  • Gehäuse: Jonsbo V12
  • GPU: Asus DUAL Radeon RX 9060 XT 16 GB
  • CPU: AMD Ryzen 7 7700
  • RAM: Crucial OC Pro 32 GByte DDR5-6000
  • SSD: Crucial 1 TByte NVMe 2280-SSD PCIe 4.0 + 2 TByte Lexar Professional Go (extern)
  • PSU: Seasonic G12 GM-850
  • Mainboard: Asus Prime B650 M-K
  • Kühlung: Ocypus Gamma A40 ARGB, Thermalright TL-P9W-S (92 mm)

Die Extra-Extra-Meile – optionale Upgrades:

  • Steam Controller für Spiele, die für gewöhnlich mit der Maus gesteuert werden
  • Couchmaster oder ähnliches Produkt für Maus- und Tastatur-Gaming
  • Funktastatur mit programmierbarer TV-Fernbedienung, um Fernseher und PC mit nur einem Gerät einzuschalten
  • Kabelloses Gaming-Headset für Multiplayer-Spiele und Anrufe


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Ein Gaming-PC im Wohnzimmer war für mich die Rettung meines Hobbys

Natürlich ist mir völlig klar, dass so ein Setup nicht für jeden die Ideallösung ist: Wer am liebsten komplexe Strategiespiele, MOBAs oder kompetitive Shooter zockt, bleibt mit Maus und Tastatur am Schreibtisch definitiv besser aufgehoben.

Für mich persönlich war der Schritt ins Wohnzimmer nach einem langen Arbeitstag aber die Rettung meines Hobbys – sonst würde ich heute kaum noch spielen. 

Er beweist, dass man keine großen Kompromisse eingehen muss: Ich habe die grenzenlose Freiheit des PCs behalten, genieße jetzt aber den angenehmen Komfort einer Konsole. Mein Schreibtisch gehört seitdem ganz dem Job und das Sofa dem Feierabend. Zum Schreibtisch-Gaming werde ich garantiert nicht mehr zurückkehren.

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr eure PCs auch schon ins Wohnzimmer verfrachtet oder bleibt der Schreibtisch für euch die unangefochtene Gaming-Zentrale? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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