1999: Statt »Wetten, dass.. ?« flimmert das Signal der Super Nintendo über den Röhrenfernseher. Terranigma ist eingelegt. Ein Spiel, das mir mit seiner extrem kreativen Handlung und der unverwechselbaren Musik für immer im Gedächtnis bleiben sollte.
Während ich mit fast fünf Jahren noch nicht einmal vollständig lesen konnte, lernte ich, dass Christoph Columbus den Kontinent Amerika wiederentdeckt hat und dass mit Fauna und Flora die Pflanzen- und Tierwelt gemeint sind.
Spielekonsolen haben nicht nur meine frühe Kindheit und Jugend geprägt, sondern auch mein Familienleben. Ich war seinerzeit nur der junge Zuschauer, während Mama und mein großer Bruder sich durch etliche Spielwelten kämpften.
Dieses wohlige Gefühl war in den letzten acht Jahren verschwunden, in denen der PC meine Gaming-Plattform war. Nun bin ich zu meinen Wurzeln zurückgekehrt und bin mir sicher: Das war der richtige Schritt in vielerlei Hinsicht.
Ich bin nur noch für soziale Kontakte hier
Mindestens acht Stunden am Tag sitze ich im Home Office am Schreibtisch, schreibe konzentriert Texte, schneide Videos und nehme an Meetings teil. So läuft es seit knapp vier Jahren, mehr oder weniger am selben Schreibtisch.
Nach Feierabend werden Tastatur und Maus durch die Gaming-Peripherie ersetzt … und hauptsächlich Discord eingeschaltet. Nebenbei wird eher gedaddelt als bewusst dem Hobby nachgegangen. Vermehrt Hearthstone, manchmal lasse ich mich auf der Bot Lane in LoL vermöbeln und hin und wieder werden alte Klassiker wie Binding of Isaac ausgepackt – das Spiel geht immer.
Aber große Blockbuster? Nein, danke. Noch einmal etliche Stunden aufmerksam (!) am gleichen Stuhl, am selben Schreibtisch und Monitor einer großteiligen Story zu folgen, wirkt wie anstrengende Arbeit – und von der bin ich doch gerade »gekommen«.
Hinzu kommen noch andere Hobbys und Pflichten, die sich in den letzten Jahren in mein Leben gedrängt haben. Man entwickelt sich weiter, ordnet neue Prioritäten und etwas anderes fällt weg. Das ist normal.
In den letzten 12 Monaten saß ich letztlich aber nur noch für die Kontaktpflege am Gaming-PC. Immerhin versammelte sich die ganze Truppe auf Discord. Das packt aber auch mein fünf Jahre altes MacBook, ebenso wie Spiele wie Hearthstone, LoL oder Binding of Isaac.
Der Schritt zurück zur Konsole
Der Gedanke, meinen Gaming-PC zu verkaufen, ging mir schon seit Jahren durch den Kopf. Wozu sollte ich einen potenten Rechner (RTX 4070 TI, i7-9700K, 16 GB RAM) rosten lassen, wenn jemand anderes mehr Spaß daran hat? Der Kasten kommt weg.
Aber das Hobby gleich mit? Ich habe nie aufgehört, Spiele zu mögen, ganz im Gegenteil. Ich habe nur aufgehört, sie so zu spielen.
Ausgerechnet ein Titel aus meiner Kindheit hat mir das vor Augen geführt: »Pokémon Feuerrote Edition« für die Switch 2. Was für eine Zeit, was für ein Spaß auf der gemütlichen Couch im hellen Wohnzimmer! An einem neutralen Ort, den das Gehirn nicht mit Arbeit in Verbindung bringt.
Nicht falsch verstehen: Ich empfinde Homeoffice als großes Privileg, dessen Vorteile die Nachteile bei Weitem überwiegen. Mir kommt sogar der Luxus zugute, einen gesonderten Raum dafür zu haben, der sich jederzeit schließen lässt. Aber es bedarf potenzieller Umstellungen an anderer Stelle.
So spielte ich mit dem Gedanken, eine PS5 Pro anzuschaffen, und legte schließlich das nötige Kleingeld auf die Ladentheke – vor der Preiserhöhung wohlgemerkt.
Ich habe die PS5 Pro unterschätzt
Ich mach’s kurz: Ihr habt Recht. Für Enthusiasten führt kein Weg an einem Gaming-PC vorbei. Hier lässt sich die maximale Spielgrafik aus der potenten Hardware pressen. Und was manche Studios an Grafikkrachern hervorbringen, begeistert mich immer wieder.
Ich erinnere mich noch schwärmend daran, wie ich mit aktiviertem Raytracing durch Night City in Cyberpunk 2077 cruiste (Patch 1.7).
An den akkuraten Spiegelungen der zahlreichen Neonlichter auf der nassen und rauen Straße oder auf meiner Motorhaube kann ich mich noch heute nicht sattsehen.
Dank Frame Generation zeigte mir der FPS-Zähler im Schnitt 90 Bilder pro Sekunde an. Natürlich gab es das eine oder andere Problemchen in Form von vereinzelten Artefakten oder einem geringfügigen Input Lag, der zumindest bei mir keinen Einfluss auf den Spielspaß hatte.
So richtig immersiv wurde es schließlich in Kombination mit meinem Ultrawide-Monitor mit QD-OLED-Panel-Technologie. Das ist allerdings schon drei Jahre her. Inzwischen sind meine Ansprüche gesunken und ich investiere das Geld an anderer Stelle (eigentlich war ein Mainboard- und CPU-Upgrade geplant).
Etliche Titel stemmt die Konsole dagegen flüsterleise und konstant mit 60 FPS, selbst in hektischen Szenen. Egal, ob ich in Diablo 4 mit dem Hexenmeister gefühlt meinen Fernseher in die Luft sprenge, in Starfield durch den Weltraum fliege oder in Avowed Anhänger der Stahlgarotte mit der Axt aus dem Bildschirm fetze.
Und spätestens jetzt brennt die Kommentarspalte, denn die Grafik sieht gegenüber einem leistungsfähigen PC nicht so viel schlechter aus! Na gut, einige Details fallen dann doch ins Auge.
Auf einem starken PC werden beispielsweise in der Ferne noch Details gerendert, die auf der PS5 Pro erst einpopen, sobald man sich ihnen nähert. Auch die Raytracing-Leistung kommt nicht an High-End-Hardware heran.
Dennoch hat mich die Bildqualität auf der Konsole mehr als einmal positiv überrascht. Sonys Upscaler PSSR leistet dabei ganze Arbeit und liefert in meinen Augen ein sauberes Bild.
Ich lege mich zudem ins gemachte Nest. Viele Titel sind inzwischen für die Pro-Konsole optimiert und nutzen ihre Leistung entsprechend aus. Zum Start der PS5 Pro sah das noch anders aus.
Unseren vollständigen Test zur Konsole von Jan lest ihr hier: PS5 Pro im Test: Die beste PlayStation aller Zeiten, aber das ist nicht genug
Auch interessant: PS5 Pro: Wie viel Gaming-PC bekommt ihr fürs gleiche Geld? Wir haben es ausgerechnet
Ich habe vergessen, wie schön Couch-Coop ist
Ein Aspekt ist bei der ganzen Reise bislang unerwähnt geblieben: Couch-Coop. In Zeiten des Online-Multiplayers ist er kaum noch präsent, wird übersehen oder ist für viele schlicht überflüssig geworden.
Dabei ist er es nicht.
Meine Partnerin und ich verbringen neuerdings unsere Sonntage zu zweit vor der Konsole und erkunden die Tiefen von Subnautica. Eigentlich ist es kein Multiplayer-Spiel, aber wir reichen uns den Controller durch und machen uns gegenseitig panisch auf den schwindenden Sauerstoff oder seltene Gesteine aufmerksam.
Am PC wäre das wohl nie passiert. Nicht, weil die Spiele fehlen, sondern weil die Situation es nicht hergegeben hat. Die Couch ist eben um ein Vielfaches einladender und gemütlicher (für uns beide).
Hallo, neues Abonnement!
Wer eine PS5 kauft, kommt um PlayStation Plus kaum herum. Online-Multiplayer, Cloud-Saves und monatliche Gratis-Spiele sind nur einige der Vorteile. Für vieles davon ist ein Abo erforderlich, das je nach Stufe zwischen 72 und 152 Euro im Jahr kostet – Tendenz steigend: Sony hat nämlich eine Preiserhöhung angekündigt. Hurra!
Die große Anzahl der Gratis-Spiele ist dabei das größte Trostpflaster für den durchaus saftigen Preis. Diese verschwinden allerdings, sobald das Abo endet. Nichts gehört einem wirklich.
Auf Steam erhält man für den gleichen Monatsbetrag einen Indie-Titel, der dauerhaft in der Bibliothek bleibt. Außerdem bleiben mir mitunter Early-Access-Titel vorbehalten, etwa Subnautica 2. Dafür spiele ich 2026 wiederum GTA VI.
Die Aufzählung von Pro und Contra ließe sich ewig weiterführen. Letztendlich hat beides seine Daseinsberechtigung.
Fazit: Nicht für alle, aber ganz sicher für mich
Den PS-Knopf drücken, das Piepsen der PlayStation ertönt und schon geht es los. Ich genieße gerade die Einfachheit, die eine Konsole mit sich bringt.
Technisch gesehen ist sie kein PC-Ersatz, das war auch nie der Anspruch. Aber 60 FPS in optimierten Titeln, ein sauberes (4K-)Bild und der Controller auf der Couch reichen mir inzwischen vollkommen aus. Dazu kommt Couch-Coop mit meiner Partnerin und Spiele, die ich sonst wohl nie gespielt hätte.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Ohne meine aktuelle Situation wäre dieser Text wohl niemals entstanden. Wer nach Feierabend nach Hause kommt und die Arbeit hinter sich lässt, findet am PC vermutlich genau den Ausgleich, den ich jetzt auf der Konsole gefunden habe.
Die PS5 Pro hat für mich etwas zurückgebracht, das ich seit Jahren vermisst hatte, ohne es zu wissen. Dieses Gefühl von 1999, auf der Couch, Controller in der Hand. Nur ohne Röhrenfernseher.



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